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31.07.2026 Warum auf Kuba ständig der Strom ausfällt: ein Überblick über Ursachen, Kraftwerke und die langfristigen Lösungsansätze. Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene. Kaum ein Thema prägt den kubanischen Alltag seit 2021 so sehr wie die Stromversorgung. Was zunächst als saisonale Engpässe begann, hat sich seit Oktober 2024 zu einer Serie landesweiter Komplettausfälle entwickelt, die das Land regelmäßig für Tage lahmlegen. Dieses Dossier ordnet ein, wie es dazu kam, welche Kraftwerke und Akteure am Netz hängen, welche Gegenmaßnahmen laufen – und was die Krise für den Alltag der Menschen bedeutet. Woran es krankt: Ein doppeltes ProblemKubas Energiekrise hat zwei sich gegenseitig verstärkende Wurzeln. Zum einen ist der Kraftwerkspark technisch überaltert: Die großen thermoelektrischen Kraftwerke des Landes stammen größtenteils noch aus sowjetischer Bauzeit, laufen mit veralteter Technik und werden mangels Ersatzteilen nur notdürftig instand gehalten. Nach Angaben aus Fachanalysen verbraucht Kuba im Kraftwerksbetrieb im Schnitt rund 271 Gramm Brennstoff pro erzeugter Kilowattstunde – das entspricht einem Wirkungsgrad von unter 31 Prozent, deutlich unter dem, was moderne Anlagen leisten. Jede zusätzliche Störung, jeder ausgefallene Block treibt diese Ineffizienz weiter in die Höhe. Zum anderen fehlt es chronisch an Treibstoff, um diese Kraftwerke überhaupt zu betreiben. Kuba war über Jahre auf günstige Öllieferungen aus Venezuela angewiesen, dessen eigene Fördermenge jedoch selbst rückläufig ist. Zusätzlich verschärfen die US-Sanktionen die Lage, weil sie internationale Reedereien und Handelspartner von Geschäften mit Kuba abschrecken. Nach Regierungsangaben ist der jährliche Treibstoffimport des Landes infolge der Sanktionspolitik von rund acht Millionen Tonnen auf nur noch etwa 1,4 Millionen Tonnen gesunken – ein Einbruch, der die gesamte Energieinfrastruktur ausbremst, selbst dort, wo Kapazitäten eigentlich vorhanden wären. So verwies der kubanische Energieminister im Sommer 2025 etwa auf 1.000 Megawatt an bereits reparierter dezentraler Dieselgeneratoren-Leistung, die mangels Treibstoff schlicht nicht genutzt werden könne. Die Großkraftwerke: Das Rückgrat des NetzesDas nationale Elektrizitätssystem (Sistema Electroenergético Nacional, SEN) stützt sich auf eine Handvoll thermoelektrischer Großkraftwerke (Central Termoeléctrica, CTE), die über die ganze Insel verteilt sind:
UNE: Der staatliche Netzbetreiber Verantwortlich für Erzeugung, Übertragung, Verteilung und Vermarktung von Strom ist die staatliche Unión Eléctrica (UNE) mit Sitz in Havanna, die dem kubanischen Ministerium für Energie und Bergbau untersteht. In ihr sind die provinzialen Elektrizitätsfirmen (Empresas Eléctricas) zusammengefasst; Stand 2024 beschäftigte UNE rund 50.000 Mitarbeiter. Seit Juni 2025 informiert UNE zusätzlich über einen eigenen WhatsApp-Kanal regelmäßig über aktuelle Erzeugungsdefizite und die daraus resultierenden geplanten Abschaltungen – ein Novum in der Kommunikationsstrategie, das auf den enormen Informationsbedarf der Bevölkerung reagiert. Wenn UNE von einer "vollständigen Abschaltung" (desconexión total) des Nationalen Stromnetzes (Sistema Eléctrico Nacional - SEN) spricht, ist das der offizielle Begriff für einen landesweiten Blackout. Kraftwerksschiffe: Die schwimmende NotlösungUm akute Erzeugungslücken zu schließen, hat Kuba seit einigen Jahren gemietete Kraftwerksschiffe im Einsatz, betrieben vom türkischen Unternehmen Karpowership (Teil der Karadeniz-Holding-Gruppe). Zeitweise ankerten bis zu acht dieser schwimmenden Kraftwerke in kubanischen Gewässern, jedes mit einer Kapazität im hohen zweistelligen bis dreistelligen Megawattbereich – ein einzelnes Schiff kann durchaus 240 Megawatt ins Netz einspeisen, vergleichbar mit einem der großen Landkraftwerke. Die Lösung ist jedoch teuer und ebenso treibstoffabhängig wie die eigenen Anlagen, verlagert das Grundproblem also eher, als es zu lösen. Im August 2025 wurde eines der leistungsstärksten Schiffe (240 MW) wieder abgezogen, nachdem der Chartervertrag ausgelaufen war – ein Rückschlag, der die Erzeugungslücke unmittelbar spürbar vergrößerte. Solarparks und Batteriespeicher: Die langfristige AntwortAls strategische Antwort auf die Krise hat die Regierung ein umfangreiches Solarprogramm aufgelegt: Bis 2028 sollen landesweit rund 92 Solarparks entstehen, jeder mit einer Kapazität von etwa 21 Megawatt, was in Summe rund zwei Gigawatt ergäbe. Eine erste Tranche von 55 Parks war für 2025 vorgesehen; der erste ging im Februar 2025 ans Netz, bis Mai 2025 waren es bereits 13. Im Juli 2025 bezifferte Präsident Miguel Díaz-Canel die installierte Photovoltaik-Leistung auf über 500 Megawatt, die bei rund fünf Sonnenstunden am Tag etwa 2.500 Megawattstunden erzeugen könnten. Ergänzt wird das Programm durch Batteriespeicher-Anlagen, die tagsüber erzeugten Solarstrom zwischenspeichern und auch nach Sonnenuntergang zur Verfügung stellen sollen – ein zentrales Puzzleteil, da Solarenergie allein die Abendspitzen nicht abdeckt, wenn der Verbrauch typischerweise am höchsten ist. Parallel wird über den Ausbau von Windkraft diskutiert, bislang aber in deutlich kleinerem Maßstab. Kritiker weisen darauf hin, dass die neuen Solarparks bislang vor allem ausgefallene oder abgezogene Kapazitäten kompensieren, statt einen echten Nettozuwachs zu bewirken. Anders als beim Solarprogramm handelt es sich bei den Batteriespeichern nicht um eine breite Infrastruktur, sondern um eine Handvoll konkret geplanter Großanlagen. UNE plant landesweit vier Batteriezentren mit je 50 Megawatt Kapazität, macht zusammen 200 Megawatt Speicherleistung – verteilt auf zwei Standorte in Havanna (auf dem Gelände der Technischen Universität CUJAE sowie im Stadtteil Cotorro) und zwei im Osten des Landes (in Bayamo und im Ort Cueto, Provinz Holguín). Die erste dieser vier Anlagen ging erst im Sommer 2026 in Betrieb; die übrigen drei standen zu diesem Zeitpunkt noch aus. Ergänzend dazu gibt es kleinere, dezentrale Pilotprojekte: Bereits im Mai 2026 nahm eine deutlich kleinere Anlage mit 5 Megawatt Solarleistung und 1 Megawatt Speicherkapazität den Betrieb auf, die vor allem Spannungs- und Frequenzschwankungen ausgleicht. Hinzu kommen chinesische Sachspenden an Kleinsystemen für Privathaushalte – im November 2025 etwa 5.000 Einheiten mit je 2 Kilowatt Solarleistung, im August 2026 eine weitere Lieferung mit stärkeren 3,6-Kilowatt-Einheiten und einer Speicherkapazität von rund 71,5 Megawattstunden in Summe. Diese Haushaltsanlagen wirken sich auf die Netzstatistik kaum aus, verschärfen aber eine soziale Schieflage: Wer sich eigene Paneele und Akkus leisten kann, kommt vergleichsweise gut durch die Krise; wer nicht, bleibt auf die staatliche Versorgung angewiesen. Der Engpass bei den Großspeichern ist der eigentliche Flaschenhals der Solarstrategie. Nach Angaben kubanischer Techniker werden pro 1.000 Megawatt installierter Solarleistung etwa 100 Megawatt an Speicher-Regelleistung benötigt, um die Energie sinnvoll ins Netz zu integrieren. Mit nur einem von vier geplanten Großspeichern in Betrieb blieb die Solarenergie im Sommer 2026 mittags bei bis zu 20 Prozent Anteil an der Stromversorgung, fiel nach Sonnenuntergang – wenn der Bedarf am höchsten ist – aber praktisch auf null zurück, weil überschüssiger Solarstrom tagsüber ungenutzt blieb, statt gespeichert zu werden. "Opción Cero" und andere SparmaßnahmenWenn das Erzeugungsdefizit im Netz zu groß wird, greift die Regierung zu abgestuften Rationierungsmaßnahmen: geplante Abschaltungen nach Zeitplan, verkürzte Arbeits- und Schulzeiten, Homeoffice-Anordnungen für Teile der Verwaltung, reduzierter Betrieb energieintensiver Industrien. Der Begriff "Opción Cero" (Option Null) bezeichnet dabei das äußerste Notfallszenario – eine weitgehende Lahmlegung des öffentlichen Lebens, um die verbleibende Energie auf lebenswichtige Bereiche wie Krankenhäuser, Wasserpumpen und Lebensmittelproduktion zu konzentrieren. Wie stark der Alltag betroffen istDie konkreten Zahlen schwanken je nach Provinz und Zeitpunkt erheblich, geben aber ein Gefühl für das Ausmaß: Im November 2024 stand einem landesweiten Spitzenbedarf von rund 3.100 Megawatt eine tatsächlich verfügbare Leistung von nur etwa 1.660 Megawatt gegenüber – gut die Hälfte des Bedarfs blieb ungedeckt. In Havanna musste der Strom in dieser Phase täglich mehr als fünf Stunden abgeschaltet werden, in Santiago de Cuba gab es teils nur rund vier Stunden Strom überhaupt. Im August 2025 waren Kubaner landesweit im Schnitt 15 bis 16 Stunden täglich ohne Strom. Ende Juni 2025 lag das Produktionsdefizit bei knapp zwei Gigawatt gegenüber einem Bedarf von 3,6 Gigawatt. Ein Komplettausfall des Netzes hat dabei stets Kaskadeneffekte: Da Wasserpumpen elektrisch betrieben werden, fällt mit dem Strom regelmäßig auch die Wasserversorgung aus, ebenso Mobilfunk und Internet. Die Wiederherstellung erfolgt schrittweise über sogenannte Mikrosysteme – lokal isolierte Stromkreise, über die die Großkraftwerke nach und nach wieder ans Netz gebracht werden, beginnend meist bei kritischer Infrastruktur wie Krankenhäusern. Gesellschaftliche Folgen und politische Deutung Die Stromausfälle sind längst mehr als eine technische Randnotiz. Sie haben wiederholt zu Protesten geführt, vor allem in Havanna und im Osten der Insel, wo Menschen nachts auf die Straße gehen, Töpfe schlagen oder Müll anzünden, um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen – ein Muster, das sich seit den Massenprotesten vom Juli 2021 wiederholt zeigt, als Stromausfälle einer der zentralen Auslöser waren. Die Regierung macht dafür in erster Linie die US-Sanktionen verantwortlich: Nach dem Blackout im Oktober 2024 erklärten kubanische Behörden etwa, die Verluste allein durch 18 Tage des Embargos entsprächen den jährlichen Kosten für die Instandhaltung des gesamten Stromnetzes. Kritiker der Regierung verweisen dagegen zusätzlich auf jahrzehntelange Unterinvestition, ineffiziente zentralisierte Strukturen im staatlichen Energiesektor und ausbleibende Wirtschaftsreformen. Chronologie wichtiger Ereignisse
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