Neues aus Kuba
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Zum 100. Geburtstag der kubanischen Sängerin Celia Cruz herrschte in Kuba offizielles Schweigen. Während weltweit an die „Königin der Salsa“ erinnert wurde, blieben staatliche Medien und Institutionen auf der Insel stumm. Nur die katholische Kirche in Havanna feierte eine Messe zu Ehren der Künstlerin.
22.10.2025 06:00 Uhr
In Kuba ist der 100. Geburtstag von Celia Cruz, der international bekanntesten Sängerin des Landes, weitgehend unbeachtet geblieben. Während Medien und Kulturschaffende weltweit an die „Königin der Salsa“ erinnerten, verzichteten die staatlichen Institutionen auf jede Form offizieller Würdigung. Nach übereinstimmenden Berichten von Künstlern und Kulturpromotoren wurden zudem mehrere geplante Veranstaltungen kurzfristig abgesagt.
Celia Cruz, am 21. Oktober 1925 in Havanna geboren und 2003 in den USA verstorben, gilt als eine der einflussreichsten Stimmen der lateinamerikanischen Musik. Mit Liedern wie „Bemba colorá“, „La vida es un carnaval“ oder „La negra tiene tumbao“ wurde sie zur Symbolfigur kubanischer Lebensfreude – und zugleich zu einer der bekanntesten Exilkünstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr Verhältnis zum kubanischen Staat blieb seit ihrer Flucht 1960 gespannt. Die Künstlerin, die sich nach dem Sieg der Revolution in den Vereinigten Staaten niederließ, durfte nie wieder in ihre Heimat zurückkehren. Auch ein Jahrhundert nach ihrer Geburt scheint die offizielle Haltung unverändert. Weder in der staatlichen Presse noch im Fernsehen wurde der Jahrestag erwähnt. Stattdessen wurden nach Angaben von Beteiligten mehrere private Initiativen, die Cruz’ Vermächtnis würdigen wollten, unterbunden. Besonders auffällig war die kurzfristige Absage einer für den 19. Oktober geplanten Veranstaltung in der Fábrica de Arte Cubano (FAC), einem der wichtigsten Kulturzentren Havannas. Das Konzert, das als Hommage an die „Guarachera de Cuba“ angekündigt war, wurde ohne nähere Begründung gestrichen. Die Organisatoren reagierten mit einem stillen Protest: Sie platzierten eine leere Stuhlreihe an der Stelle, an der die Aufführung stattfinden sollte, und hielten eine Stunde des Schweigens ab. In den sozialen Medien verbreiteten sie das Bild der leeren Stühle unter dem Hashtag „Arte de la resistencia“. Die Musikwissenschaftlerin Rosa Marquetti, Autorin des Buches „Celia en el mundo“, bezeichnete die Absage als „weiteres Kapitel in der Geschichte politischer Zensur in der kubanischen Kultur“. Die Entscheidung zeige, dass kulturelle Ausdrucksformen weiterhin von politischen Vorgaben abhängig seien. Einzig die katholische Kirche erinnerte öffentlich an die Sängerin. In der Kirche Nuestra Señora de la Caridad del Cobre, der Schutzpatronin Kubas, wurde auf Initiative eines Künstlerkreises eine Messe gefeiert. Der Pfarrer der Gemeinde, Ariel Suárez, zugleich stellvertretender Generalsekretär der kubanischen Bischofskonferenz, erklärte, er habe keine staatlichen Einmischungen erlebt. „Es gibt ein ehrliches Bedürfnis nach Dankbarkeit für das, was Celia Cruz als Botschafterin der kubanischen Kultur für die Welt bedeutet hat“, sagte Suárez. Zu den Anwesenden gehörten die Musiker Haila María Mompié und der Grammy-Preisträger Alain Pérez. Letzterer äußerte gegenüber EFE deutliche Kritik an der Haltung der Behörden: „Es ist traurig, dass man noch immer versucht, Celia Cruz’ Bedeutung zu leugnen. Das ist ein Fehler – und nichts, was uns überrascht.“ Celia Cruz bleibt in Kuba ein ambivalentes Symbol. Ihre Musik ist auf der Insel nie offiziell verboten worden, wurde jedoch über Jahrzehnte in den staatlichen Medien kaum gespielt. Erst in den vergangenen Jahren sind ihre Lieder wieder vereinzelt in Hotels und touristischen Einrichtungen zu hören – meist auf Wunsch ausländischer Gäste. Für viele Kubanerinnen und Kubaner ist die Künstlerin trotz politischer Differenzen Teil der nationalen Identität geblieben. „Ich höre ihre Musik jeden Tag“, sagt Fredesvinda Marrero, 58, aus Havanna. „Sie war eine Sängerin, die Kuba Freude gebracht hat. Ihre Stimme lebt weiter.“ Ihre Freundin María Piñeiro ergänzt: „Die Kubaner lieben sie. Sie war eine von uns, egal, wo sie gelebt hat.“ Cruz selbst verstand sich stets als Vertreterin der kubanischen Kultur – auch im Exil. Ihre Auftritte mit der Band Sonora Matancera und später mit den Fania All Stars machten sie zur Legende der Salsa. In Miami, New York und San Juan wurde sie gefeiert, während ihr Name in Kuba jahrzehntelang kaum öffentlich genannt werden durfte. Hundert Jahre nach ihrer Geburt am 21. Oktober 1925 zeigt sich, dass das Verhältnis zwischen Staat und Exilkultur weiterhin von Misstrauen geprägt ist. Während die offizielle Geschichtsschreibung Celia Cruz weitgehend ausklammert, bewahren Gläubige, Künstler und viele einfache Kubaner ihr Andenken – leise, aber beharrlich. Autor: Leon Latozke
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