110 Jahre Schutzpatronin: Kubaner huldigen der Virgen de la Caridad del Cobre in tiefster Krise9/9/2026
10.09.2026 09:00 Uhr
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Trotz verschärfter Wirtschafts- und Energiekrise feierte Kuba am 8. September wieder seine Schutzpatronin, die Virgen de la Caridad del Cobre – mit Messen in Santiago de Cuba und Prozessionen in der Hauptstadt.
Abbildung: Symbolbild Prozession 2025. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Am Dienstag (8.) zog die Verehrung der Nationalpatronin Kubas, der Virgen de la Caridad del Cobre, erneut Tausende Gläubige in Santiago de Cuba, Havanna und andere Orte der Insel an. Die Feierlichkeiten fielen in eine Zeit verschärfter Krise, die sich durch verstärkten wirtschaftlichen Druck der USA sowie die andauernde Energiekrise weiter zugespitzt hat.
Messe und Prozession im Nationalheiligtum
Im Wallfahrtsort El Cobre bei Santiago de Cuba, wo sich das Nationalheiligtum der Jungfrau befindet, zelebrierte Erzbischof Dionisio García Ibáñez die feierliche Eucharistie, an der sowohl Ortsansässige als auch hunderte Pilger aus dem ganzen Land teilgenommen hätten. Am Nachmittag wurde das Abbild der Jungfrau traditionsgemäß durch das Zentrum von Santiago gezogen; die Prozession endete vor der Kathedrale der Stadt. Viele Gläubige trugen Gelb, die Farbe, die der Jungfrau ebenso zugeordnet wird wie der afrokubanischen Gottheit Oshún, mit der die Caridad im religiösen Synkretismus verschmilzt.
In seiner Predigt hat der Erzbischof betont, der einzige Weg zu Wohlergehen und Fortschritt der Kubaner führe über Freiheit, Respekt sowie die Erfüllung des Willens Gottes im persönlichen wie gesellschaftlichen Leben, so eine Erklärung des Erzbistums. Prozession durch Centro Habana
In der Hauptstadt zogen Gläubige mehrere Häuserblocks durch Centro Habana. Kardinal Juan de la Caridad García Rodríguez, Erzbischof von Havanna, hat die Prozession rund um die Kirche Nuestra Señora de la Caridad angeführt, wo er zuvor eine Messe zelebrierte. Pilger haben gesungen, gebetet, der Patronin zugerufen und Sonnenblumenblätter auf den Weg des Umzugs geworfen.
Unabhängige, regierungskritische Nachrichtenseiten berichteten von einer auffällig verstärkten Polizeipräsenz rund um die Kirche in Centro Habana; bereits ab dem frühen Morgen habe Absperrband den Fahrzeugverkehr auf der Straße vor der Kirche blockiert. Die Staatssicherheit habe demnach sowohl am Dienstag als auch am Vortag – dem Fest der Virgen de Regla – mehrere Aktivisten am Verlassen ihrer Wohnungen gehindert, darunter laut Angaben von Martí Noticias die Anführerin der Damas de Blanco, Berta Soler, ihr Ehemann Ángel Moya sowie Mitstreiterin María Cristina Labrada. Ursprung der Legende und ein rundes Jubiläum
Der Überlieferung nach fanden 1612 drei Salzsucher die Statue der Jungfrau in der Bucht von Nipe im Osten Kubas treibend auf einem Brett, auf dem geschrieben stand: „Ich bin die Jungfrau der Nächstenliebe." Seither habe sich ihr Kult auf der Insel verwurzelt. Weil kubanische Unabhängigkeitskämpfer sie während ihres Aufstands gegen die spanische Kolonialmacht verehrten, wird sie bis heute auch „Virgen Mambisa" genannt. In diesem Jahr fällt die Feier zudem mit einem runden Jahrestag zusammen: Vor 110 Jahren, am 10. Mai 1916, hatte Papst Benedikt XV. die Jungfrau auf Bitten von Veteranen der kubanischen Befreiungsarmee offiziell zur Schutzpatronin Kubas erklärt.
Das Heiligtum in El Cobre hatte zudem erst kürzlich Instandsetzungsarbeiten abgeschlossen: Die durch den Hurrikan Melissa im Oktober 2025 beschädigte beleuchtete Kreuzspitze des Hauptturms sowie eine Marmorengelstatue am Eingang seien restauriert worden, wie OnCuba News berichtete. In der Kirche werden zudem zahlreiche Votivgaben aufbewahrt, darunter die Nobelpreismedaille, die der US-Schriftsteller Ernest Hemingway 1954 dort hinterlegt haben soll. Autor: Leon Latozke
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