Neues aus Kuba
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12.06.2026 09:00 Uhr
Die offizielle kubanische Inflationsrate erreichte im Mai 15,89 % – ein neuer Höchststand. Vor allem Lebensmittel und Transport verteuerten sich durch die US-Ölblockade drastisch.
Abbildung: Symbolbild von Markus Winkler auf Unsplash
Kubas offizielle Inflationsrate steigt weiter an – und das Land rutscht immer tiefer in die wirtschaftliche Misere. Nach Angaben der nationalen Statistikbehörde ONEI erreichte die Teuerung im formellen Markt im Mai einen Jahreswert von 15,89 Prozent. Gegenüber dem Vormonat stiegen die Preise um 1,85 Prozent. Damit setzt sich der bereits in den Vormonaten beobachtete Anstieg fort – ein direktes Resultat der wirtschaftlichen Schockwellen, die durch die amerikanische Erdölblockade ausgelöst wurden. Besonders drastisch fielen die Preissteigerungen in den Bereichen Nahrung und Transport aus. Doch die offiziellen Zahlen könnten die Realität nur unzureichend abbilden. Unabhängige Ökonomen sind sich einig: Die Statistik der ONEI erfasst die Dynamiken des informellen Marktes und des privaten Sektors kaum angemessen.
Besonders betroffen sind einzelne Sektoren: Die Preise in der Gastronomie und Hotellerie stiegen im Jahresvergleich um 26,54 Prozent, gefolgt vom Transportsektor mit 21,75 Prozent. Auch Bildung (19,49 Prozent), Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke (19,24 Prozent) sowie Wohnungsdienstleistungen (18,17 Prozent) verzeichneten zweistellige Zuwächse. Am unteren Ende der Skala rangierte das Gesundheitswesen mit einer Teuerung von lediglich 0,49 Prozent, gefolgt von Kommunikation (0,55 Prozent), alkoholischen Getränken und Tabak (0,66 Prozent) sowie Freizeit und Kultur (7,49 Prozent). Die inflationäre Spirale, in der sich Kuba befindet, begann mit der gescheiterten Währungsreform von 2021. Seitdem haben sich die Preise laut ONEI vervierfacht. Das Land steckt seit mehr als fünf Jahren in einer schweren wirtschaftlichen und energetischen Krise – von Experten als die schwerste seit Jahrzehnten bezeichnet. Die Symptome sind allgegenwärtig: chronischer Mangel an Grundnahrungsmitteln, Medikamenten und Treibstoff, hohe Inflation, wirtschaftliche Schrumpfung, zunehmende Dollarisierung und tägliche stundenlange Stromausfälle. Die Lage hat sich seit Januar dramatisch verschärft, als Washington jegliche Treibstofflieferungen an die Insel blockierte. Kuba kann nur rund ein Drittel seines Energiebedarfs aus eigener Produktion decken. Die Folge sind flächendeckende Stromausfälle und eine weitgehende Lähmung der staatlichen Wirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt Kubas schrumpfte im vergangenen Jahr um etwa fünf Prozent, wie das Zentrum für Studien der kubanischen Wirtschaft (CEEC) berechnet. Damit setzt sich ein Abwärtstrend fort, der bereits zwischen 2020 und 2024 einen kumulierten Rückgang von mehr als 15 Prozent verursachte. Die Prognosen für dieses Jahr reichen von einem Minus von 6,5 Prozent, wie ihn die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) vorhersagt, bis zu einem Rückgang von 15 Prozent, den der unabhängige kubanische Ökonom Pedro Monreal erwartet. Die Insel steckt fest – in einer Krise ohne erkennbares Ende.
Quelle: ONEI (https://t1p.de/52kop)
Autor: Leon Latozke
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