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Der US-Dollar hat auf Kubas informellem Devisenmarkt erstmals die Marke von 400 Peso erreicht – ein historischer Höchstwert. Ursache sind Devisenmangel, wirtschaftliche Schwäche und eine zunehmende Dollarisierung.
12.08.2025 07:28 Uhr
Abbildung: Währungskrise in Kuba: Schwarzmarktkurs des Dollars erreicht historische 400 Peso. Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Auf dem informellen Devisenmarkt in Kuba hat der US-Dollar am 11. August 2025 erstmals die Marke von 400 Peso (CUP) überschritten. Damit verzeichnet der von der unabhängigen Plattform elTOQUE ermittelte Referenzkurs den höchsten Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2021. Der Euro notiert stabil auf dem ebenfalls rekordhohen Niveau von 445 CUP. Die staatlich an den Dollar gekoppelte, frei konvertierbare Währung MLC wird mit 207 CUP gehandelt.
elTOQUE bestimmt den sogenannten „Informal Market Representative Rate“ (TRMI) anhand von Kauf- und Verkaufsangeboten, die in sozialen Netzwerken und Online-Kleinanzeigen veröffentlicht werden. Aus den dort gesammelten Daten wird ein Medianwert errechnet, der als Richtgröße für den Schwarzmarkt gilt. Die Methode wurde von internationalen Fachjournalen überprüft und gilt unter Ökonomen als belastbar, auch wenn staatliche Medien ihre Aussagekraft in Zweifel ziehen. Der Anstieg des Schwarzmarktkurses erfolgt vor dem Hintergrund einer tiefen Wirtschaftskrise. Die Ursachen reichen von chronischem Devisenmangel und schwacher inländischer Produktion über die Abhängigkeit privater Klein- und Mittelbetriebe von informellen Devisenquellen bis hin zu Kapitalflucht und anhaltender Abwanderung. Analysten verweisen zudem auf die Ausweitung von Dollar-Transaktionen und den Vertrauensverlust in die nationale Währung als zentrale Treiber. Die offiziellen Wechselkurse liegen weit unter den Marktwerten. Für staatliche Unternehmen, die Waren und Dienstleistungen an Ausländer verkaufen, gilt weiterhin der Fixkurs von 1 USD = 24 CUP. Banken und Wechselstuben (Cadecas) kaufen Dollar von Einheimischen zu 120 CUP. Dieser Abstand führt dazu, dass formelle Devisenzuflüsse wie Überweisungen aus dem Ausland zunehmend am Bankensystem vorbeigehen. Im Dezember 2024 kündigte Premierminister Manuel Marrero die Einführung eines „flexiblen“ Wechselkurssystems für 2025 an, um den Transfer von Überweisungen in offizielle Kanäle zu lenken. Mehr als sechs Monate später ist die Reform nicht umgesetzt. Wirtschaftsminister Joaquín Alonso begründete dies im Juni 2025 mit hohen Risiken in einem Umfeld knapper Devisen und begrenzter Binnenproduktion. Parallel schreitet die partielle Dollarisierung voran. In vielen staatlichen Geschäften werden Waren nur noch gegen Bargeld in Fremdwährung, mit ausländischen Kreditkarten oder über staatlich ausgegebene Dollar-Karten verkauft. Auch im Tourismus, im Großhandel und bei Zollzahlungen ist die Abrechnung in Devisen üblich geworden. Die Regierung betrachtet diesen Prozess als notwendig, um dringend benötigte Fremdwährung einzusammeln. Präsident Miguel Díaz-Canel räumte jedoch ein, dass dies die soziale Ungleichheit verschärft: Rund 40 Prozent der Bevölkerung haben keinen Zugang zu Devisen. Betroffen sind vor allem Staatsangestellte und Rentner, deren Einkommen in Pesos oft nicht ausreicht, um Grundbedürfnisse zu decken. Die Abwertung des Peso hat sich 2025 deutlich beschleunigt. Anfang Januar lag der inoffizielle Dollarkurs noch bei 305 CUP, im Jahr 2021 bei Einführung des elTOQUE-Referenzwerts bei 40 CUP. Das aktuelle Niveau übertrifft selbst die Höchststände des „Sonderzeitraums“ der 1990er Jahre, als der Dollar maximal 150 CUP kostete.
Quelle: REUTERS (https://t1p.de/3g6qq), elTOQUE (https://t1p.de/3g6qq)
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Text: Leon Latozke
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