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Erneut ist Kuba vor massiven Stromabschaltungen betroffen: Laut staatlicher Prognosen mussten zeitgleich in 62 Prozent des Landes der Strom abgeschaltet werden - ein neuer Negativrekord. Die Regierung verweist auf Treibstoffmangel und technische Defekte, während Experten von einer jahrelangen Unterfinanzierung sprechen.
22.01.2026 05:00 Uhr
Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Nach Angaben der staatlichen Unión Eléctrica (UNE) waren am Mittwoch (21.) zeitgleich bis zu 62 Prozent des Landes ohne Elektrizität. Damit erreicht der Karibikstaat erneut den höchsten bislang registrierten Wert, der bereits im Dezember des vergangenen Jahres verzeichnet worden war.
Nach Berechnungen der UNE lag die verfügbare Erzeugungskapazität während der Spitzenlast am MIttwoch bei rund 1.260 Megawatt, während der erwartete Bedarf bei 3.230 Megawatt liegt. Die daraus resultierende Lücke von knapp 2.000 Megawatt zwingt die Behörden zu großflächigen, planmäßigen Abschaltungen, um unkontrollierte Netzausfälle zu vermeiden. Die anhaltenden Blackouts sind Ausdruck einer seit Mitte 2024 eskalierenden Energiekrise. Die kubanische Regierung verweist auf fehlende Devisen zur Beschaffung von Erdöl sowie auf den schlechten Zustand der thermischen Kraftwerke, von denen viele seit Jahrzehnten in Betrieb sind. Aktuell sind acht von 16 thermoelektrischen Erzeugungseinheiten außer Betrieb – teils aufgrund technischer Defekte, teils wegen ausstehender Wartungsarbeiten. Diese Anlagen decken im Durchschnitt rund 40 Prozent des kubanischen Strommixes ab. Hinzu kommen Engpässe bei der dezentralen Stromerzeugung. Nach offiziellen Angaben stehen mehr als 100 motorbetriebene Generatoren mangels Treibstoff still, ebenso zwei gemietete schwimmende Kraftwerke. Weitere Anlagen können wegen fehlender Schmiermittel nicht betrieben werden. Die ohnehin begrenzte Flexibilität des Stromsystems wird dadurch weiter eingeschränkt. Unabhängige Fachleute sehen die Ursachen weniger in kurzfristigen Faktoren als in einer jahrelangen strukturellen Unterfinanzierung des Energiesektors, der seit der Revolution von 1959 vollständig staatlich organisiert ist. Investitionen in Modernisierung und Netzinfrastruktur seien über Jahrzehnte aufgeschoben worden. Schätzungen zufolge wären 8 bis 10 Milliarden US-Dollar erforderlich, um das Stromsystem nachhaltig zu stabilisieren. Die Regierung macht dagegen vor allem die US-Sanktionen für die Situation verantwortlich und spricht von einer gezielten „energetischen Erstickung“. Die Folgen der Stromausfälle reichen weit über den Energiesektor hinaus. Die Wirtschaft des Landes ist laut offiziellen Zahlen seit 2020 um mehr als 15 Prozent geschrumpft. Produktionsausfälle, unterbrochene Kühlketten und Einschränkungen im Dienstleistungssektor verschärfen die ohnehin angespannte Lage. Auch soziale Spannungen nehmen zu: Bereits in den vergangenen Jahren galten langanhaltende Stromausfälle als Auslöser für Proteste. Ein kurzfristiges Ende der Krise ist nicht absehbar. Regierung und Energiebehörden räumen ein, dass das System derzeit am Limit arbeitet. Ohne zusätzliche Brennstofflieferungen und umfangreiche Investitionen dürfte Kuba auch in den kommenden Monaten mit anhaltenden und großflächigen Stromabschaltungen leben müssen. Die Energiekrise entwickelt sich damit zunehmend zu einem zentralen Belastungsfaktor für Wirtschaft und Gesellschaft des Landes.
Quelle: EFE (https://t1p.de/dcys9)
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