Neues aus Kuba
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27.04.2026 10:00 Uhr
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65 Jahre nach der gescheiterten Schweinebucht-Invasion fordert Miamis Exil-Community eine US-Militäroffensive gegen Kuba. Eine Umfrage zeigt: Die meisten Exil-Kubaner lehnen Dialog ab und wollen einen bewaffneten Regimewechsel.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Bay of Pigs Brigade 2506 Museum Opens in Little Havana. Rechte beim Uploadenden.
In Miami ist die Stimmung so angespannt wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. 65 Jahre nach dem gescheiterten US-gestützten Einmarsch in der Schweinebucht fordern große Teile der kubanischen Exilgemeinde in Südflorida erneut ein militärisches Eingreifen der Vereinigten Staaten gegen das Regime in Havanna. Die jüngste Politik von US-Präsident Donald Trump, der den Zusammenbruch der Insel-Regierung für unmittelbar bevorstehend erklärt, befeuert diese Forderungen. Zugleich lehnen die Exil-Kubaner jeden Dialog mit der kommunistischen Führung ab – eine Haltung, die sich bei einer Kundgebung im mehrheitlich von Kubanern bewohnten Vorort Hialeah im vergangenen Monat manifestierte, als Tausende auf die Straße gingen und einen Regimewechsel verlangten.
Die Atmosphäre erinnert an die Zeit der kubanischen Raketenkrise, nur dass heute nicht mehr die nukleare Konfrontation, sondern die wirtschaftliche Auszehrung im Vordergrund steht. Nach der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro Anfang des Jahres verschärfte Trump den Kurs gegen Kuba drastisch, erklärte den nationalen Notstand und kappte die Ölversorgung für das bereits von einer tiefen sozialen und wirtschaftlichen Krise geplagte Land. Gleichzeitig mehrten sich Berichte über mögliche Verhandlungen mit Verwandten von Raúl Castro, die von Trumps in Miami geborenen Außenminister Marco Rubio vorangetrieben werden – ein Mann mit kubanischen Wurzeln. Doch für die Hardcore-Exilanten ist das ein Tabu. Eine vergangene Woche veröffentlichte Umfrage der „Miami Herald“ zeigt, dass eine Mehrheit der Kubaner in Florida einen US-Militäreinsatz befürwortet und jede Verständigung mit Havanna ablehnt. Vor diesem Hintergrund eröffnete das Museum der Brigade 2506 in Miamis Little Havana nach umfangreichen Renovierungsarbeiten wieder seine Pforten. Der Ort dient als Hauptquartier der Veteranenvereinigung, jener Exil-Kubaner, die am 17. April 1961 den gescheiterten Invasionsversuch unternahmen. Das Museum, das politisches und kulturelles Zentrum der Diaspora ist, zeigt Fotos der Gefallenen sowie Dokumente und andere Relikte des gescheiterten Landungsversuchs in der Gegend um Playa Girón. Bereits 2016, während seines Wahlkampfs, suchte Trump hier die Nähe zur Exilgemeinde und versprach, die Sanktionen gegen die Insel zu verschärfen, die sein Vorgänger Barack Obama gelockert hatte. Diese Strategie zahlte sich aus: Die traditionell überparteiliche Veteranenvereinigung unterstützte ihn, und Miami-Dade County kippte politisch nach rechts. Trumps aggressiver anti-kubanischer Kurs trug maßgeblich zu seinem Sieg in Florida bei der Präsidentschaftswahl 2024 bei. Doch innerhalb der Gemeinschaft gibt es auch warnende Stimmen. Rafael Montalvo, Präsident der Veteranenvereinigung, sagte der Nachrichtenagentur Associated Press, er befürworte keine US-Invasion, weil er nicht wolle, dass amerikanische Soldaten für die Freiheit Kubas sterben. Die Mitglieder der Vereinigung setzen ihre Hoffnung vor allem auf Außenminister Rubio, erläuterte Montalvo. Er fügte jedoch eine deutliche Warnung hinzu: Falls die US-Regierung nicht bereit sei, die „mafiaähnliche“ Machtstruktur in Kuba wirklich zu beseitigen, solle sie besser gar nichts unternehmen. Ein bloßes Inszenieren von Veränderungen, wie in Venezuela geschehen, werde auf Kuba nicht funktionieren. Die damalige Invasion, angeführt von rund 1500 von der CIA ausgebildeten Exil-Kubanern, scheiterte innerhalb von 72 Stunden: Die kubanischen Streitkräfte schlugen den Angriff nieder, mehr als 100 Soldaten der Brigade starben, etwa 1100 gerieten in Gefangenschaft. Der Fehlschlag zementierte die Feindschaft zwischen Havanna und Washington und trieb Fidel Castro in die Arme der Sowjetunion – der Inselstaat wurde zu einem der Brennpunkte des Kalten Krieges. Nach dem Desaster wurde Miami zum Zentrum geheimer US-Operationen gegen die Castro-Regierung; die CIA führte Sabotage- und Spionageprogramme durch, während Exilgruppen immer wieder bewaffnete Aktionen unternahmen. Erst vor wenigen Wochen versuchte eine Gruppe bewaffneter Exil-Kubaner aus Südflorida, mit einem Fischerboot auf die Insel zu gelangen, um einen Volksaufstand zu provozieren. Die US-Küstenwache fing sie ab; mehrere Männer starben, einige wurden festgenommen. Einer der mutmaßlichen Anführer, Michel Naranjo Riverón, rechtfertigte die Aktion gegenüber der spanischen Tageszeitung „EL PAÍS“ mit den Worten: „Diese Patrioten sind die einzigen, die versucht haben, Kuba seit Playa Girón zu befreien.“ Aus akademischer Sicht beschreibt Eduardo Gamarra, Direktor des Latino Public Opinion Forum an der Florida International University, die Situation als grundlegend anders als 1961. „Damals stand das Regime am Anfang, hatte große Unterstützung von der Sowjetunion und keine ernsthaften wirtschaftlichen Probleme“, sagte Gamarra. „Heute befindet es sich im totalen Kollaps, aber es gibt keine Streitmacht mehr, die bereit ist, sich hinauszuwagen. Die Gemeinschaft wartet im Wesentlichen darauf, dass Washington die Insel übernimmt. Was jedoch vermutlich nicht zerschlagen wurde, ist der kubanische Repressionsapparat. Das ist vielleicht die einzige Kraft, die den totalen Zusammenbruch der Insel noch verhindert.“
Quelle: EL PAÍS https://t1p.de/i5981)
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