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Kuba ringt um seine Energieversorgung. Der fast vollständige Ausfall venezolanischer Öllieferungen zwingt die Regierung, neue und ungewöhnliche Wege zu gehen. Neue Satellitendaten zeigen ungewöhnliche Treibstoffimporte: Havanna bezieht wohl erstmals Treibstoff aus Afrika.
25.01.2026 12:00 Uhr
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Kuba steckt in einer akuten Energiekrise. Der Inselstaat, seit Jahrzehnten stark von Ölimporten abhängig, verliert derzeit seine wichtigsten Versorgungsquellen. Besonders gravierend ist der nahezu vollständige Ausfall der Lieferungen aus Venezuela, die lange Zeit das Rückgrat der kubanischen Energieversorgung bildeten. Satellitendaten und Berichte internationaler Medien zeigen nun, dass Havanna zunehmend auf ungewöhnliche Bezugsquellen zurückgreift – zuletzt auf Treibstoffimporte aus Afrika.
Auslöser der aktuellen Entwicklung ist der Einbruch der venezolanischen Ölexporte nach Kuba. Noch vor wenigen Jahren erhielt die Insel zeitweise rund 100.000 Barrel Öl pro Tag aus dem Partnerland. Diese Menge war zuletzt bereits auf etwa 35.000 Barrel geschrumpft, bevor die Lieferungen nach dem durch die USA erzwungenen Regierungswechsel in Caracas ganz zum Erliegen kamen. In dieser Lage hat Kuba offenbar einen Tanker aus dem westafrikanischen Togo geordert. Das Schiff „Mia Grace“ verließ Mitte Januar den Hafen von Lomé und soll Anfang Februar in Havanna eintreffen. Nach Schätzungen von Energieexperten könnte die Ladung zwischen rund 280.000 und 315.000 Barrel Diesel oder Schweröl umfassen, wobei das Schiff offenbar nicht voll beladen ist. Togo selbst verfügt über keine nennenswerte Raffineriekapazität, dient jedoch als logistischer Umschlagplatz für raffinierte Erdölprodukte. Abgewickelt worden sein dürfte der Kauf durch Cubametales, die staatliche Ölhandelsgesellschaft Kubas, die dem militärnahen Wirtschaftskonglomerat GAESA untersteht. Beobachter gehen davon aus, dass die Transaktion auf Cash-Basis erfolgte, möglicherweise unter Einschaltung europäischer Zwischenhändler. Für Havanna ist dies ein kostspieliger und organisatorisch aufwendiger Weg – zugleich ein Hinweis auf den zunehmenden Mangel an Alternativen. Die Auswirkungen der Treibstoffknappheit sind im Land bereits deutlich spürbar. Nach Angaben des staatlichen Energieversorgers Unión Eléctrica ist die dezentrale Stromerzeugung durch dieselbetriebene Generatoren, die eigentlich zur Abfederung von Spitzenlasten und Stromausfällen dient, nahezu lahmgelegt. Mehr als 100 Anlagen stehen wegen fehlenden Brennstoffs still, weitere Kapazitäten fallen durch Schmierstoffmangel aus. Insgesamt fehlen dem Stromnetz mehrere hundert Megawatt Leistung – mit der Folge landesweiter und teils stundenlanger Blackouts. Zwar erhält Kuba weiterhin Öl aus Mexiko und gelegentlich aus Russland, doch diese Lieferungen reichen bei weitem nicht aus. Die heimische Förderung deckt nur etwa 40.000 Barrel pro Tag, während der Gesamtbedarf auf rund 100.000 Barrel geschätzt wird. Die Regierung ist daher gezwungen, kurzfristig und oft zu ungünstigen Konditionen auf dem Weltmarkt einzukaufen. Zusätzlichen Druck erzeugen Berichte aus Washington, wonach die US-Regierung eine vollständige Blockade von Ölimporten nach Kuba prüft. Ziel solcher Überlegungen wäre es, politischen Wandel auf der Insel zu erzwingen. Innerhalb der US-Administration ist dieses Vorgehen umstritten, findet jedoch Unterstützung bei einflussreichen Akteuren. Für Kuba verdichten sich damit die Risiken. Die Suche nach Treibstoff in Afrika mag kurzfristig Entlastung bringen, sie unterstreicht jedoch vor allem die strukturelle Verwundbarkeit des Landes. Ohne stabile und verlässliche Energiequellen drohen Wirtschaft, Infrastruktur und sozialer Alltag weiter unter Druck zu geraten.
Dieser Artikel wurde zuerst auf Mundus Novus 24 veröffentlicht.
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