Neues aus Kuba
Aktuelle Nachrichten und Meldungen, Analysen und Hintergrundinformationen
|
Im ersten Halbjahr 2025 ist in Kuba die Müttersterblichkeit um 50 Prozent und die Kindersterblichkeit um 11 Prozent gestiegen. Gesundheitsminister Portal Miranda macht den Verfall der medizinischen Infrastruktur und die dramatische Medikamentenknappheit für diese Entwicklung verantwortlich.
![]()
Im ersten Halbjahr 2025 verzeichnete Kuba einen alarmierenden Anstieg der Mütter- und Kindersterblichkeit. Wie das Gesundheitsministerium unter Minister José Ángel Portal Miranda gegenüber der Kommission für Gesundheit und Sport des kubanischen Parlaments einräumte, stieg die Müttersterblichkeit um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Sie liegt nun bei 56,3 Todesfällen pro 100.000 Geburten – ein Niveau, das zuletzt während der COVID-19-Pandemie erreicht wurde. Auch die Kindersterblichkeit ist auf 8,2 pro 1.000 Lebendgeburten gestiegen – ein Plus von 11 Prozent.
Trotz der weiterhin im kontinentalen Vergleich relativ niedrigen Raten zeugen diese Zahlen von einer kritischen Verschlechterung. Laut Portal Miranda seien vor allem der Verfall der Gesundheitsinfrastruktur und die dramatische Medikamentenknappheit verantwortlich. Derzeit sind nur rund 30 Prozent der notwendigen Arzneimittel in Krankenhäusern sowie 32 Prozent in Apotheken verfügbar. In der Parlamentssitzung sprach der Minister offen über strukturelle Defizite des kubanischen Gesundheitssystems. Neben dem Mangel an medizinischem Material machen dem Sektor auch der Fachkräftemangel infolge von Abwanderung und Nachwuchsproblemen zu schaffen. Hinzu kommen organisatorische Schwächen wie verzögerte Behandlungen und ethisch fragwürdige Praktiken, darunter der illegale Verkauf von medizinischen Leistungen. Obwohl zusätzliche Deviseneinnahmen – unter anderem durch medizinische Dienstleistungen im Ausland – gewisse Notkäufe von Medikamenten und Ersatzteilen ermöglicht haben, bleibt eine umfassende Erholung aus. Das Ministerium hat deshalb ein umfangreiches Maßnahmenpaket verabschiedet, das unter anderem den Aufbau einer ethischeren Verwaltung, die Bekämpfung des Medikamentenschwarzmarktes sowie die Reorganisation des Netzwerks von Hausarztpraxen vorsieht. Ein Schwerpunkt liegt auf dem besonders betroffenen Programm zur Mütter- und Kindergesundheit. Es wurden 24 konkrete Maßnahmen ergriffen, etwa zur besseren Betreuung von Risikoschwangerschaften und chronisch kranken Kindern. In einigen Provinzen wie Sancti Spíritus oder Cienfuegos konnten dadurch niedrigere Kindersterblichkeitsraten erreicht werden, während andere Landesteile – etwa Santiago de Cuba oder Guantánamo – stark betroffen bleiben. Trotz der Misere bemüht sich das Ministerium um Fortschritte. Im Bereich der Geriatrie wurden neue Einrichtungen eröffnet, die Primärversorgung zeigt mit über 95 Prozent betriebsfähiger Einrichtungen stabile Zahlen. Auch in der medizinischen Ausbildung meldet das Gesundheitswesen Rekorde: Mit 91.000 Studierenden, 1.669 promovierten Fachkräften und zwölf medizinischen Studiengängen bleibt der akademische Unterbau intakt. Portal Miranda betonte zum Abschluss, dass die aktuellen Missstände nicht ausschließlich auf materielle Engpässe zurückzuführen seien. Vielmehr sei es eine moralische Verpflichtung, die medizinische Versorgung aufrechtzuerhalten. Trotz aller Widrigkeiten solle das Ziel bleiben, „die Gesundheit und das Leben unseres Volkes zu schützen“.
Quelle: Cubadebate (https://t1p.de/tpkg0)
Anzeige (G2)
|
|
Letzte Meldungen
Text: Leon Latozke
Anzeige (G1)
(adsbygoogle = window.adsbygoogle || []).push({});
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
|
|
| Anzeige (G3) |