|
17.07.2026 10:00 Uhr
![]()
Der kubanische Komiker Alexis Valdés spricht im Interview mit EL PAÍS über sein Leben im Exil, sein aktuelles Bühnenstück über eine demokratische Transition Kubas und seine Kritik an Trumps Migrationspolitik.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
In einem ausführlichen Interview mit der spanischen Tageszeitung EL PAÍS spricht der kubanische Schauspieler und Humorist Alexis Valdés über sein Leben im Exil, sein aktuelles Bühnenstück über eine demokratische Transition Kubas und seine Kritik an der Migrationspolitik der US-Regierung unter Präsident Donald Trump.
Valdés, 1963 in Havanna geboren, darf seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr nach Kuba einreisen. Ein offizieller Grund wurde ihm nie genannt, doch der Künstler vermutet, dass ein Witz über Raúl Castro dafür verantwortlich sein könnte. Im Gespräch mit EL PAÍS unterscheidet er präzise zwischen den Begriffen Exil und Verbannung: Ein Exilant könne theoretisch zurückkehren, während er selbst – ähnlich wie einst Celia Cruz oder Arturo Sandoval – de facto verbannt sei. Seit dem Jahr 2005 sei ihm die Einreise nach Kuba verwehrt. Kuba auf der Bühne von Miami Trotz des Einreiseverbots ist Kuba in Valdés' künstlerischem Schaffen allgegenwärtig. Im Teatro Trail an der Calle Ocho in Miami hat er über die Jahre eine fiktive Version seiner Heimat erschaffen, in der kubanische Exilanten sich wiederfinden können. In diesem Sommer bringt er den vierten Teil seiner erfolgreichen Theaterreihe "Oficialmente gay" auf die Bühne, mit dem Untertitel "El fin de la dictadura" (Das Ende der Diktatur). Die Komödie imaginiert eine kubanische Gesellschaft nach dem Ende der Diktatur und stellt die Frage, was die Menschen mit der neu gewonnenen Freiheit anfangen würden. Gegenüber EL PAÍS erklärt Valdés, es gehe nicht allein darum, Freiheit zu besitzen, sondern zu wissen, was man mit dieser Gelegenheit anfängt. Er äußert Zweifel, ob die Kubaner nach über sechs Jahrzehnten Einparteienherrschaft tatsächlich verstanden hätten, was Demokratie im Kern bedeute. Der erste Teil der Theaterreihe aus dem Jahr 2014 handelte von einem machistischen Kubaner, der sich als homosexuell ausgeben musste, um einen Staatsposten zu erhalten. Das Stück habe, so Valdés, dem Theater in Miami neues Leben eingehaucht – ursprünglich für zwei Wochen geplant, lief es am Ende zwei Jahre lang. Zugleich habe die Produktion vielen im Exil lebenden kubanischen Schauspielern eine berufliche Perspektive geboten, da das Überleben als Künstler in Miami äußerst schwierig sei. Vom Ingenieurstudium zur Bühnenkarriere Valdés, Sohn des Schauspielers und Humoristen Leonel Valdés, hatte ursprünglich Ingenieurwissenschaften studiert, bevor er sich fast ein Jahrzehnt lang dem Rundfunk, Fernsehen und Theater in Kuba widmete. In den neunziger Jahren wanderte er nach Spanien aus, wo er unter anderem an der Eröffnungsproduktion "Àngels a Amèrica" des Teatre Nacional de Catalunya in Barcelona mitwirkte. 2005 zog er nach Miami, wo er später eigene Fernsehformate produzierte und sich schließlich vollständig auf Theaterproduktionen konzentrierte. Während der Corona-Pandemie verfasste er das Werk "Esperanza", das später von Papst Franziskus in dessen Buch "Träumen wir gemeinsam" aufgegriffen wurde. 2022 veröffentlichte Valdés seine Memoiren unter dem Titel "El miedo nos hizo fuertes" (Die Angst hat uns stark gemacht). Kritik an der kubanischen Regierung und Solidarität mit Dissidenten Über Jahre hinweg hat Valdés die kubanische Führung durch Parodien und Lieder kritisiert. Besonders scharf wurde sein Ton nach dem Aufkommen der Bewegung San Isidro, die maßgeblich vom Künstler Luis Manuel Otero Alcántara geprägt wurde. Diesen beschreibt Valdés gegenüber EL PAÍS als einen Menschen von großer Ausstrahlung und Charisma. Dass Personen dieser Art inhaftiert würden, sei das Schlimmste, was einer Gesellschaft widerfahren könne, so der Künstler. Bereits im Februar 2021 hatte Valdés vor dem Europäischen Parlament ausgesagt und dabei die Verfolgung, Verleumdung, Folterung und Inhaftierung ehrlicher Männer und Frauen angeprangert, die in Kuba öffentlich die Wahrheit aussprechen. Als vor fünf Jahren die Proteste vom 11. Juli ausbrachen, habe er zunächst Hoffnung auf echten Wandel verspürt – eine Hoffnung, die angesichts der darauffolgenden Repression rasch tiefer Enttäuschung gewichen sei. Kritisch äußert sich Valdés auch über Teile der Exilgemeinde selbst. Er beklagt, dass zahlreiche Personen versuchten, sich am Leid der Kubaner zu bereichern, indem sie sich als messianische politische Figuren inszenierten – ein Verhalten, das er als beschämend bezeichnet. Sorge um Trumps Migrationspolitik Ein zentrales Thema des Interviews ist die harte Migrationspolitik der US-Regierung unter Donald Trump, die nach Valdés' Beobachtung auch die kubanische Gemeinschaft in Florida spürbar verunsichert. Er berichtet, dass Betreiber von Clubs, Bars und Veranstaltungsorten in Miami einen deutlichen Besucherrückgang bemerkten, da viele Menschen inzwischen aus Angst vor den Einwanderungsbehörden zu Hause blieben. Besonders hart treffe es jene, die ihr gesamtes Hab und Gut verkauft hätten, um in die USA zu kommen, und die nun keine Möglichkeit zur Rückkehr sähen. Valdés spricht in diesem Zusammenhang von einer doppelten Moral: Wenn man den Menschen erkläre, die kubanische Gesellschaft tauge nichts, wie könne man sie dann gleichzeitig dorthin zurückschicken. Verwundert zeigt sich Valdés darüber, dass ausgerechnet unter einer US-Regierung, die von vielen Kubanern gewählt wurde, eine derart scharfe Offensive gegen Kubaner und Venezolaner gefahren werde. Bereits während Trumps erster Amtszeit habe er sich in einem Lied gefragt, warum der Präsident sich mit Lateinamerikanern anlegen wolle – in der zweiten Amtszeit sei dies noch ausgeprägter. Valdés betont, er habe grundsätzlich keine Sympathie für radikale politische Positionen, weder von rechts noch von links, und habe Trump auch außerhalb Kubas nicht beklatscht. Ein Blick in die Zukunft Kubas Zur Zukunft der Insel vertritt Valdés die Position, dass die Entscheidung über den weiteren Weg Kubas der "kubanischen Nation" obliege – sowohl jenen auf der Insel als auch jenen im Ausland. Die USA könnten diesen Prozess als Nachbarstaat und Weltmacht unterstützen und begleiten, wobei er Vorbehalte äußert, ob am Ende das Wohl der Menschen oder wirtschaftliche Interessen den Ausschlag geben würden. Für den Wiederaufbau setzt Valdés seine Hoffnung auf den arbeitsamen, seiner Familie und seinem Beruf verbundenen Kubaner, der trotz aller Widrigkeiten weiterhin nach Kultur und Information strebe. Gerade dieser Menschentyp werde nach Jahrzehnten der Verherrlichung von Mittelmaß und Unterwürfigkeit am schwersten wiederzugewinnen sein. Auf die Frage, ob er selbst zurückkehren würde, antwortet Valdés ohne Zögern, dass er dies immer tun würde, da Kuba sein Land sei. Gleichzeitig räumt er ein, unsicher zu sein, ob er emotional darauf vorbereitet wäre, die Insel in ihrem gegenwärtigen, schwierigen Zustand wiederzusehen.
Quelle: EL PAÍS (https://t1p.de/hpva7)
Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
Dossiers
Mediathek
Anzeige (M2) Anzeige (G4) Achiv
Archiv
September 2026
|


RSS-Feed