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Der kubanische Schriftsteller Leonardo Padura zeichnet auf der Buchmesse von Guadalajara ein schonungsloses Bild der gesellschaftlichen Realität Kubas. Er spricht von einem historischen Erschöpfungszustand und einem wachsendes Gefühl der Fremdheit in der eigenen Heimat – ein Ausdruck der inneren Distanz vieler Kubaner gegenüber ihrem gesellschaftlichen Umfeld.
07.12.2025 17:00 Uhr
Auf der Internationalen Buchmesse von Guadalajara hat der kubanische Schriftsteller Leonardo Padura ein ernüchterndes Bild der gegenwärtigen Lage seines Landes gezeichnet. In einem Gespräch am Rande der Messe sprach der Autor von einem historischen Erschöpfungszustand, der tief in die kubanische Gesellschaft eingesickert sei und inzwischen das soziale Gefüge wie auch die moralischen Grundlagen des Landes sichtbar verändere.
Padura, einer der bekanntesten Chronisten des kubanischen Alltags und Träger des renommierten spanischen Prinzessin-von-Asturien-Preises, knüpft die Diagnose direkt an die permanente Überhöhung politischer und gesellschaftlicher Ereignisse. In Kuba, so erklärt er, werde „alles zu etwas Historischem erklärt“, vom landwirtschaftlichen Kongress über einen Baseballwettbewerb bis hin zu staatlichen Ansprachen. Diese Dauerinszenierung als national bedeutsame Akte habe die Bevölkerung ermüdet und ein Klima der Resignation erzeugt. „Kuba ist ein Land, in dem alles knapp ist, auch die Hoffnung“, sagt Padura. Trotz der politischen Stagnation sieht der 70-jährige deutliche gesellschaftliche Veränderungen. Insbesondere der Alltag sei für viele unerträglich geworden, was zu einer pragmatischeren, aber auch abgeklärteren Haltung unter den Menschen geführt habe. Die enorme Abwanderung der vergangenen Jahre – rund 1,2 Millionen Kubanerinnen und Kubaner verließen zwischen 2021 und 2024 das Land – verdeutliche diese Verschiebung. Es sei ein Einschnitt, der nahezu einem Zehntel der Bevölkerung entspreche und tiefe Spuren in Familien, Nachbarschaften und Berufen hinterlasse. Padura, der für seinen neuen Roman Morir en la arena in Guadalajara vorstellte und dort auch die Ehrendoktorwürde der Universität erhielt, beschreibt seine eigene Entscheidung, weiterhin in Havanna zu leben, als bewusste Nähe zur Realität eines Landes im Wandel. Wer die Hoffnungen und Enttäuschungen der kubanischen Gesellschaft verstehen wolle, müsse sie „atmen“. Gleichzeitig konstatiert der Autor einen Verlust zentraler Werte, die lange als typisch kubanisch galten. Begriffe wie „decencia“, soziale Anständigkeit, hätten ihren gesellschaftlichen Halt verloren. Die Veränderungen der Codes und Verhaltensweisen führten zu einem Gefühl der Entfremdung, das Padura mit dem von ihm geprägten Wort „ajenitud“ beschreibt – einer Neuschöpfung, abgeleitet vom spanischen „ajeno“ („fremd“, „nicht zugehörig“), die ein tiefes Gefühl innerer Distanz, Nicht-Dazugehörigkeit und existenzieller Fremdheit in der eigenen Heimat bezeichnet und die wachsende Entkopplung zwischen Individuum und gesellschaftlichem Umfeld ausdrückt.
Quelle: EFE (https://t1p.de/lqv7h)
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Text: Leon Latozke
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