Neues aus Kuba
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24.04.2026 09:00 Uhr
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Kuba hat seine erste Biomethananlage in die finale Bau- und Produktionsphase überführt. Aus Schweinegülle gewonnenes Biomethan soll fünf Busse antreiben und Strom erzeugen. Das EU-finanzierte Pilotprojekt reduziert Importe fossiler Brennstoffe und gilt als wegweisend für Lateinamerika.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Ponen a prueba en Matanzas primera planta productora de biometano en Cuba. Rechte beim Uploadenden.
Wie das staatliche Unternehmen Cuba Petroleo (Cupet) bekannt gab, hat die erste Biomethan-Anlage des Landes im Municipio Martí in der Provinz Matanzas ihre finale Aufbau- und Produktionsphase erreicht. Das Vorhaben, das von der Europäischen Union finanziert und vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) umgesetzt wird, soll die öffentliche Nahmobilität in der Region grundlegend verändern. Cupet-Generaldirektor Edrey Rocha González inspizierte persönlich die Anlage, die unter der technischen Leitung des Erdölforschungszentrums steht und an der mehrere Tochtergesellschaften des Konzerns beteiligt sind.
Die Anlage, die von einem spanischen Spezialisten-Team in Betrieb genommen werden soll, produziert aus Biogas, das aus angrenzenden Schweinemastbetrieben stammt, hochreines Biomethan. Der Weg des Rohstoffs ist bemerkenswert: Über Pipelines von fünf und neun Kilometern Länge gelangt das Gas aus den Biodigestern zur Aufbereitungsanlage. Ramón Castellarnau Font, Fachmann der spanischen Firma Gea Energia Crio S.L., erläuterte, dass das System in mehreren Schritten Schadstoffe wie Schwefelwasserstoff und Kohlendioxid entfernt. Das gereinigte Methan wird anschließend auf einen Druck von 200 bar verdichtet und in Speicherzylindern auf dem Fahrzeugbetankungsgelände zwischengelagert. Insgesamt 98 Zylinder mit einem Fassungsvermögen von 5000 Kilogramm Gas dienen als Reserve, um Versorgungsschwankungen auszugleichen. Die Kapazität der Anlage beträgt 150 Kubikmeter Rohbiogas pro Stunde, woraus etwa 40 Kilogramm gereinigtes Biomethan gewonnen werden. Fünf Busse, die mit diesem Biokraftstoff betrieben werden, sollen Ende April 2026 den öffentlichen Nahverkehr im Municipio Martí übernehmen und die Stadt mit Cárdenas und Matanzas verbinden. Zusätzlich sind zwei Kleintransporter mit einer Reichweite von 300 bis 400 Kilometern im Einsatz. Die Busse verfügen über einen maximalen Tankinhalt von 90 bis 100 Kilogramm, sodass die gespeicherte Reserve ausreicht, um die gesamte Flotte mehrfach zu versorgen. Sobeida María Reyes Martínez, Entwicklungsdirektorin des Municipio Martí, betonte, dass das Projekt drei grundlegende Ziele verfolgt. Neben der Inbetriebnahme der Biomethan-Anlage und der fünf Busse geht es um die Einführung der Agrarökologie auf zehn Kleinbetrieben sowie die Stärkung der Regierungsführung. Die letzten beiden Ziele seien bereits erfolgreich umgesetzt worden, was die lokale Verwaltung maßgeblich vorangebracht habe. Das Projekt, das vom Ministerium für Wirtschaft und Planung koordiniert wird, habe sich zu einem Pilotvorhaben entwickelt, das in Kuba und Lateinamerika seinesgleichen suche. Die Anlage bietet jedoch nicht nur Kraftstoff für Fahrzeuge. Wie Castellarnau Font erläuterte, besteht die Möglichkeit, Gas mit geringerer Reinheit zur Stromerzeugung zu nutzen. Ein integrierter Generator kann mit einem Methangehalt von 40 bis 60 Prozent betrieben werden, der zwar nicht den hohen Anforderungen der Fahrzeuge entspricht, aber dennoch zur Energieversorgung beiträgt. In anderen Ländern würde dieses Gas für Heiz- und Kochzwecke eingesetzt werden. Die Vorteile für Kuba seien besonders in der aktuellen schwierigen Wirtschaftslage erheblich, da die Technologie soziale Verbesserungen durch zuverlässige Mobilität ermögliche. Allerdings steht das Projekt vor Herausforderungen. Nelson Martín Cabeza, Provinzdirektor des Schweinezuchtbetriebs, räumte ein, dass die Futtermittelknappheit zu einem drastischen Rückgang der Produktion geführt habe. Von ursprünglich rund 500 Zuchtsauen zu Jahresbeginn seien nur noch 183 Tiere vorhanden. Die Behörden hätten drastische Maßnahmen ergriffen, darunter die Keulung von Tieren, die zur Versorgung der bedürftigsten Bevölkerungsteile verwendet wurden. Die rund 60 Beschäftigten des Unternehmens arbeiten an Alternativen wie anderen Futteroptionen und Produktionsketten, um die Biogasversorgung langfristig zu sichern. Weitere Schweinemastbetriebe sollen künftig zur Rohstoffversorgung beitragen. Die Provinz Matanzas setzt große Hoffnungen in die Nutzung von Biogas als erneuerbare Energiequelle. Der Einsatz von Biomethan gilt als sicher und wird in Europa bereits flächendeckend praktiziert, wo Tankstellen rund um die Uhr im Selbstbedienungsbetrieb funktionieren. Die Betankungszeiten liegen zwischen zehn und zwanzig Minuten, abhängig vom Fahrzeugtyp. Die kubanischen Ingenieure beobachten die Inbetriebnahme mit Spannung, denn die Parameter und Sensoren müssen bei einem „lebenden“ Stoff wie Biogas, das von Temperatur, Futterqualität und Tierbestand beeinflusst wird, ständig neu justiert werden. Mit der offiziellen Inbetriebnahme würde Kuba einen bedeutenden Schritt in Richtung Energieunabhängigkeit und nachhaltiger Mobilität machen, der weit über die Provinzgrenzen hinaus Beachtung finden dürfte.
Quelle: Power (https://t1p.de/c3dzh)
Autor: Leon Latozke
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