Neues aus Kuba
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12.05.2026 23:300 Uhr
Kuba schafft die staatlich festgelegten Einzelhandelspreise für Kraftstoff ab. Ab Freitag werden die Preise in Devisen je nach tatsächlichen Kosten berechnet – basierend auf Lieferant, Fracht und Marktentwicklung. Grund seien die jüngsten US-Sanktionen, die feste Preise unmöglich machten.
Die kubanische Regierung hat überraschend das Ende der festen Einzelhandelspreise für Kraftstoff verkündet. Ab Mitternacht des 15. Mai sollen die Kosten für Treibstoff nicht mehr zentral vorgegeben, sondern an die tatsächlichen Kosten jedes einzelnen Importvorgangs gekoppelt werden. Das Finanz- und Preisministerium in Havanna erklärte, unter den derzeitigen Umständen sei es „wirtschaftlich nicht mehr zu vertreten“, einen einheitlichen Festpreis für Kraftstoffe beizubehalten. Damit reagiert die Inselregierung auf eine Zuspitzung der ohnehin prekären Versorgungslage, die durch jüngste Sanktionen der US‑Regierung weiter verschärft wurde.
Die Entscheidung markiert einen tiefgreifenden Einschnitt in der Wirtschaftspolitik des sozialistischen Landes. Bislang galt für sämtliche Tankstellen ein staatlich subventionierter Einheitspreis – sowohl für Zahlungen in kubanischen Pesos als auch in Devisen. Künftig soll der Preis für einen Liter Benzin oder Diesel je nach Beschaffungsweg schwanken: Die Kalkulation berücksichtigt dann den jeweiligen Lieferanten, die Frachtkosten, die Transportroute, Versicherungen, Risikozuschläge und die Entwicklung an den internationalen Rohstoffmärkten. Eine konkrete Prognose, wie sich die Preise entwickeln werden, gab die Behörde nicht ab. Klar ist lediglich, dass die Tage des planwirtschaftlich gedeckelten Tankstellentarifs gezählt sind. Hinter dem Schritt steht eine immer dramatischere Energieknappheit. Kuba fördert selbst nur etwa ein Drittel des benötigten Rohöls; der Rest muss importiert werden. Doch die US‑Regierung hat unter Präsident Donald Trump den wirtschaftlichen Druck massiv erhöht. Seit Januar blockiert Washington faktisch die Lieferung von Öltankern nach Kuba, was die Insel nahezu von externen Kraftstoffquellen abschneidet. Die Vereinten Nationen bezeichnen diese Strategie als „energetische Erdrosselung“ und fordern beide Seiten zu einem konstruktiven Dialog auf. Parallel dazu erließ Washington Anfang Mai eine neue Exekutivanordnung, die Vermögenswerte von Personen oder Unternehmen einfrieren kann, die Geschäfte mit Kuba tätigen. Wenige Tage später wurde der Wirtschaftskonzern der kubanischen Streitkräfte – dem Schätzungen zufolge mindestens 40 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung unterstehen – offiziell sanktioniert. Als direkte Folge zog sich der kanadische Bergbaukonzern Sherritt, jahrzehntelang wichtigster ausländischer Investor der Insel, aus Kuba zurück. Angesichts dieser Blockade fehlen dem Staat schlicht die Mittel, um zu den alten Bedingungen Treibstoff zu beschaffen. In den vergangenen Monaten hatte die Regierung daher erstmals privaten Akteuren erlaubt, selbst Öl zu importieren – ein beispielloser Schritt in der planwirtschaftlich geprägten Ökonomie. Allerdings blieb der Einzelhandel zunächst streng reguliert. Einige Privatfirmen mieteten bereits Tankstellen an, um dort ihre Importe zu lagern, durften sie jedoch nicht an Endkunden verkaufen. Ob dieses Verbot nun fällt, ließ das Ministerium offen. Die neue Preisregelung könnte jedoch darauf hindeuten, dass die Regierung den privaten Handel zumindest in Teilen liberalisiert – zumindest für den Devisenmarkt. Im April 2026 lag der Preis für einen Liter Benzin auf dem informellen Markt zwischen 4.000 und 6.000 kubanischen Pesos – das entspricht ungefähr sieben bis zehn Euro. Die kubanische Wirtschaft befindet sich ohnehin in einer tiefen strukturellen Krise. Seit 2020 ist das Bruttoinlandsprodukt um mehr als 15 Prozent geschrumpft, die Inflation frisst die Kaufkraft der Bevölkerung auf, und die Produktivität liegt am Boden. Die Regierung hat in den vergangenen Monaten eine Reihe vorsichtiger Reformen angestoßen – darunter die Möglichkeit für im Ausland lebende Kubaner, auf der Insel zu investieren. Doch der Schritt, nun die Kraftstoffpreise dem Markt zu überlassen, ist der radikalste Einschnitt seit Langem. Er zeigt, wie sehr der äußere Druck die Spielräume der sozialistischen Führung verengt hat. Ob die neue Preislogik die Versorgung verbessert oder lediglich zu sprunghaft steigenden Kosten an den Zapfsäulen führt, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Fest steht: Die Ära des staatlich garantierten Billigsprits in Kuba ist vorbei.
Quelle: Cubadebate (https://is.gd/haSv1b)
Autor: Leon Latozke
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