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19.08.2026 09:00 Uhr
Havanna nennt die Ausweisung seiner Diplomaten einen „Akt der Unterordnung“ unter Washington. Santo Domingo schweigt zu den Gründen. Dominikanische Medien berichten von mutmaßlicher nachrichtendienstlicher Arbeit unter diplomatischem Schutz.
Abbildung: Symbolbild
Es war der 13. August, ausgerechnet der hundertste Geburtstag Fidel Castros, als die Regierung von Luis Abinader neun Mitglieder der kubanischen Botschaft samt ihrer Angehörigen des Landes verwies. Eine Begründung lieferte Santo Domingo nicht. Fünf Tage später legte die dominikanische Tageszeitung Diario Libre eine Recherche vor, die einen möglichen Hintergrund liefert – und die in Havanna umso unbequemer sein dürfte, als sie mitten in die Feierlichkeiten zum Castro-Jubiläum fiel.
Laut dem Blatt sollen sich Agenten der kubanischen Staatssicherheit während der Zentralamerika- und Karibikspiele Santo Domingo 2026 in Sportstätten eingeschlichen haben, um die eigenen Athleten zu überwachen und weitere Absetzbewegungen zu verhindern. Einige der Männer hätten dabei Trikots von Delegationen anderer Länder getragen, um unauffällig in die Anlagen zu gelangen und sich den kubanischen Wettkämpfern zu nähern. Dominikanische Sicherheitsorgane hätten die Operation bemerkt und mehrere Beteiligte aus den Sportstätten entfernt. Türen zu, Akkreditierungen kontrolliert
Ein Vorfall ereignete sich Diario Libre zufolge bei einem Hallenwettbewerb im Parque del Este. Dominikanische Militärs hätten kubanische Agenten dabei beobachtet, wie sie Sportlern nachsetzten, die sich von der Delegation absetzen wollten. Der Sicherheitsdienst schloss daraufhin vorübergehend die Türen und begann, die Anwesenden zu identifizieren. Die Akkreditierungen wurden mit der Datenbank der Spiele abgeglichen, in der mehr als 7.000 Athleten sowie rund 3.000 Techniker und Delegationsmitglieder erfasst waren. So seien kubanische Staatsbürger aufgefallen, die für Sicherheitsaufgaben im Land gar nicht akkreditiert waren. Die Behörden verwiesen sie der Anlage.
Noch am selben Tag habe sich ein ähnlicher Vorgang in einem Freiluftstadion wiederholt. Wegen der Wiederholungsfälle richteten die dominikanischen Stellen ein besonderes Sicherheitsprotokoll ein – sie werteten das Verhalten als „Einmischung“. Ob einzelne Agenten festgenommen wurden oder ob Ermittlungsverfahren eingeleitet wurden, konnte die Zeitung nicht klären. Die dominikanische Zeitung El Día hatte zuvor berichtet, die ausgewiesenen Diplomaten hätten unter dem Schutz ihrer Akkreditierung mutmaßlich nachrichtendienstlich gearbeitet. Nach dieser Lesart hing die Ausweisung allerdings nicht mit den Fahnenfluchten der Sportler zusammen; das zeitliche Zusammentreffen sei Zufall. Fünf Fahnenflüchtige – und ein Muster über Jahrzehnte
Fünf Mitglieder der kubanischen Delegation verließen während der Spiele ihr Team: die Fechter Adán Núñez und Hershey Daniela de la Cruz, der Softball-Mittelfeldspieler Yasmani Álvarez, die Ruderin Leah Daniela Almeida, Bronzemedaillengewinnerin, sowie der Hockeytorwart Moisés David Torres Puig, der sich bereits am Eröffnungstag absetzte.
Das kubanische Außenministerium wies die Ausweisung als „Akt der Unterordnung" Santo Domingos unter die Washingtoner Kuba-Politik zurück. Die Diplomaten hätten sich im Rahmen der Wiener Konvention bewegt; ein Grund für die Maßnahme habe nicht bestanden. Kontrollmechanismen gegen Absetzbewegungen gehören seit Langem zum Reisebetrieb kubanischer Sportdelegationen. Im Juni 2022 baten kubanische Stellen beim Panamerikanischen U-23-Baseballturnier im mexikanischen Aguascalientes die Polizei um Hilfe bei der Suche nach den Spielern Alfredo Fadraga und Yosvany Ávalos, die das Quartier verlassen hatten. Beide wurden aufgespürt, der Delegation zugeführt und später nach Kuba geschickt. Einen Monat später meldete die kubanische Abordnung bei einem Futsal-Turnier in Guatemala das Verschwinden dreier Spieler bei den örtlichen Behörden – mit dem Ziel, deren Ausreise zu verhindern. Bei den Panamerikanischen Spielen 2023 in Santiago de Chile verließen mindestens sieben kubanische Sportler ihre Delegation und berichteten, die Verantwortlichen hätten ihnen die Pässe abgenommen, um Fluchten zu erschweren. Die chilenischen Behörden beteiligten sich nicht an einer Rückführung; sie verwiesen darauf, dass die Athleten sich mit gültigem Visum legal im Land aufhalten dürften. Widerspruch aus der dominikanischen Linken
Innenpolitisch bleibt die Ausweisung umstritten. Miguel Mejía, Generalsekretär der Bewegung Vereinigte Linke (MIU), nannte die Entscheidung in einem auf dem Parteiportal veröffentlichten Beitrag eine „bedauerliche Ausnahme“ in der Geschichte der bilateralen Beziehungen. Er kritisierte, die Maßnahme falle in eine Phase des Drucks auf die Insel und ausgerechnet mit dem hundertsten Geburtstag Fidel Castros zusammen.
Mejía verknüpfte den Vorgang mit einer aus seiner Sicht bestehenden „Souveränitätskrise“ und verwies auf das Abkommen, das US-Militärmaschinen die Nutzung der Luftwaffenbasis San Isidro und des internationalen Flughafens Las Américas erlaubt. Dass dieser Militärpakt erneuert werde, während Washington Kuba fortgesetzt bedrohe, zeige, dass der erzwungene Abzug der diplomatischen Vertretung kein Akt voller Souveränität sei. Zur Untermauerung ruft der Linkspolitiker die gemeinsame Geschichte auf: kubanische Kämpfer im dominikanischen Restaurationskrieg, die dominikanischen Unabhängigkeitshelden Máximo Gómez, Modesto Díaz und die Brüder Marcano im kubanischen Befreiungskampf. Die offiziellen Beziehungen, 1902 aufgenommen, brachen nach den Expeditionen gegen den Diktator Rafael Leónidas Trujillo vom 14. Juni 1959 ab und wurden erst zwischen 1996 und 1998 unter Präsident Leonel Fernández konsolidiert – mit Staatsbesuchen Fidel Castros und der Einweihung des von Kuba gestifteten Polytechnikums Máximo Gómez in Baní. Offen bleibt vorerst, was die dominikanische Regierung tatsächlich zu ihrem Schritt bewogen hat. Abinaders Kabinett schweigt bis heute zu den Gründen – und überlässt die Deutung damit den Zeitungen beider Länder. Autor: Leon Latozke
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