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US-Präsident Donald Trump sorgte mit umstrittenen Äußerungen über Paracetamol und Autismus für Schlagzeilen – und brachte dabei Kuba ins Spiel. Er behauptete, in dem Inselstaat gebe es „praktisch keinen Autismus“, weil das Medikament dort kaum verfügbar sei.
23.09.2025 07:15 Uhr
Abbildung: U.S. Department of Health and Human Services, President Donald Trump with Secretary Robert F. Kennedy Jr., February 2025, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC0 1.0
In einer jüngsten Äußerung hat US-Präsident Trump erneut für kontroverse Diskussionen gesorgt, indem er eine Verbindung zwischen dem Paracetamol-Präparat Tylenol und der Häufigkeit von Autismus herstellte – und dabei explizit Kuba erwähnte. Laut Trump gebe es in dem karibischen Inselstaat „virtuell keinen Autismus“, weil die Bevölkerung kein Geld habe, Tylenol zu kaufen. Diese Aussage fiel am Montag (22.) während einer öffentlichen Intervention in Washington, bei der er auch die Empfehlungen seiner Verwaltung zur Einschränkung des Paracetamol-Konsums bei Schwangeren präsentierte.
Trump erklärte: „Es gibt ein Gerücht, das ich nicht bestätigen kann, dass es in Kuba kein Tylenol gibt, weil sie kein Geld dafür haben, und deshalb gibt es dort praktisch keinen Autismus. Auch in anderen Regionen der Welt, die kein Tylenol haben, sei Autismus kaum verbreitet. Das sagt schon viel.“ Mit diesen Worten griff der ehemalige Präsident auf umstrittene Hypothesen zurück, die eine Verbindung zwischen der Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft und einem erhöhten Risiko für Autismus herstellen – ein Zusammenhang, der bislang wissenschaftlich nicht eindeutig belegt ist. Im Rahmen seiner Initiative kündigte Trump an, dass die US-amerikanische Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde FDA die Warnhinweise auf Paracetamol-Präparaten landesweit ändern werde, um auf ein „mögliches Risiko“ von Autismus hinzuweisen. Frauen, insbesondere während der Schwangerschaft, solle geraten werden, den Konsum von Tylenol „auf ein Minimum zu reduzieren“ und es nur dann zu verwenden, wenn es medizinisch notwendig sei. Trump betonte mehrfach: „Tylenol ist nicht gut, und aus diesem Grund empfehlen wir dringend, die Anwendung während der Schwangerschaft einzuschränken.“ Bei der Präsentation stand ihm der damalige Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. zur Seite, ein bekannter Impfgegner und Kritiker vieler etablierter medizinischer Empfehlungen. Die wissenschaftliche Gemeinschaft reagierte zurückhaltend bis kritisch auf Trumps Aussagen. Studien, die einen Zusammenhang zwischen Paracetamol und Autismus untersuchen, liefern bislang keine konsistenten Ergebnisse, und Fachgesellschaften warnen davor, unbewiesene Kausalzusammenhänge als Grundlage für gesundheitspolitische Empfehlungen heranzuziehen. Die WHO und das US-amerikanische National Institute of Health weisen darauf hin, dass Paracetamol seit Jahrzehnten weltweit zur Behandlung von Fieber und Schmerzen eingesetzt wird, ohne dass gesicherte Hinweise auf eine Autismusförderung vorliegen. Autismus existiert in Kuba – aber oft unerfasst Fachleute in Kuba reagierten prompt. „Kuba hat ebenfalls Autismus. Sehr viel sogar“, sagte Dr. Yoysy Rondón Acosta, nationale Koordinatorin für Autismus und andere Entwicklungsstörungen am Borrás-Marfán-Krankenhaus in Havanna, gegenüber „Autism Spectrum News“. Die niedrigen offiziellen Prävalenzraten seien eher Folge eingeschränkter Diagnostik und geringer öffentlicher Sensibilisierung als Beleg für eine tatsächliche Seltenheit. In städtischen Gebieten gebe es zwar spezialisierte Schulen und Programme; in ländlichen Regionen fehlten aber Screening-Angebote und geschulte Fachkräfte. Nach kubanischen Regierungsangaben waren bereits 2020 neun spezialisierte Schulen für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen in Betrieb. Viele weitere Schülerinnen und Schüler werden in inklusiven Einrichtungen betreut. Studien aus dem Jahr 2022 bescheinigten Lehrkräften eine mittlere Kenntnis des Krankheitsbilds, wiesen jedoch auf Defizite bei der Erkennung subtiler Symptome hin. Internationale Fachgesellschaften schätzen die weltweite Autismusprävalenz auf mindestens ein Prozent; offizielle kubanische Zahlen liegen deutlich darunter. Paracetamol ist verfügbar – mit Engpässen Auch die zweite Säule von Trumps Behauptung hält einer Überprüfung nicht stand. Paracetamol – in Kuba unter dem internationalen Namen verbreitet – gehört zum staatlichen Grundsortiment der Apotheken. Allerdings kommt es regelmäßig zu Versorgungsengpässen. In solchen Phasen müssen Bürgerinnen und Bürger auf private Händler oder informelle Märkte ausweichen, wo die Preise steigen. Von einer völligen Abwesenheit des Medikaments kann dennoch keine Rede sein. Kubanische Gesundheitsquellen widersprechen klar der Vorstellung, Tylenol oder Paracetamol seien auf der Insel nicht erhältlich. Insgesamt bleibt festzuhalten: Die angebliche Verbindung zwischen Tylenol-Konsum und Autismus ist wissenschaftlich nicht gesichert. Kubas Gesundheitssystem steht vor eigenen Herausforderungen, die jedoch struktureller Natur sind und nicht durch eine vermeintliche Schutzwirkung des fehlenden Paracetamols erklärt werden können. Trumps Äußerungen fügen der Debatte um Autismus und Medikamentensicherheit politische Dimensionen hinzu, ohne neue belastbare Erkenntnisse zu liefern.
Quellen: DER SPIEGEL (https://t1p.de/v0gy3), EFE (https://t1p.de/cgvk9), Latin Times (https://t1p.de/zbxi9)
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