Neues aus Kuba
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11.03.2023 09:00 Uhr
Inmitten der anhaltenden Energiekrise in Kuba haben Studierende der Universität von Havanna mit einem stillen Sit-in auf die gravierenden Auswirkungen auf Lehre und Kommunikation aufmerksam gemacht. Stromausfälle, fehlendes Internet und eingeschränkte Mitbestimmung verstärken die Spannungen zwischen jungen Akademikern und staatlichen Institutionen.
Abbildung: Symbolbild Fachada de la Universidad de La Habana von Luis Alvaz, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC BY-SA 4.0
Am Montag (9.) haben rund dreißig Studierende der Universität von Havanna ein stilles Sit-in auf der berühmten Treppe ihres Campus abgehalten. Ihr Anliegen: auf die anhaltende Krise im Land aufmerksam zu machen, die spürbaren Folgen auf das Bildungssystem zu verdeutlichen und auf die fehlenden institutionellen Möglichkeiten hinzuweisen, ihre Beschwerden wirksam vorzubringen. Trotz der geringen Zahl der Teilnehmenden erregte die Aktion Aufmerksamkeit, weil sie in einem Umfeld stattfand, in dem öffentliche Proteste selten und oft kontrolliert sind.
Die Aktion begann um 10 Uhr morgens mit nur einem Studierenden, der mit einem Rucksack und einem Schirm auf dem ersten Treppenabsatz Platz nahm. Über soziale Netzwerke war der Aufruf zur Teilnahme verbreitet worden – eine Initiative, die von der Universitätsleitung und der staatlich kontrollierten Federación de Estudiantes Universitarios (FEU) zunächst heruntergespielt werden sollte. Nach und nach schlossen sich weitere Studierende an, während Universitätsmitarbeiter, Dozierende sowie Sicherheitskräfte des Innenministeriums, die sogenannte Staatssicherheit, den Ort aufsuchten. Unter den Anwesenden waren die Rektorin der Universität, Miriam Nicado García, sowie der erste Vizebildungsminister, Modesto Ricardo Gómez, die versuchten, das Sit-in zu beenden und in Gespräche zu lenken. Stromausfälle und fehlende Kommunikation: Alltag an den Hochschulen Im Zentrum der Beschwerden standen zunächst praktische Probleme: Stromausfälle, die mobile Internetverbindungen und Telefonie unterbrechen, erschwerten die Teilnahme am digitalen Lehrbetrieb. „Wie viele Stunden hatten Sie letzte Woche Strom? Und haben Sie Verbindung, wenn der Strom weg ist?“ fragte ein Studierender eine Fakultätsleiterin. Andere berichteten, dass Studierende aus Provinzen ihre Aufgaben nicht einreichen konnten, weil die Netzabdeckung zusammenbrach. Die Energiekrise ist eine direkte Folge der länger anhaltenden strukturellen Schwäche des kubanischen Wirtschaftssystems, verschärft durch den US-amerikanischen Ölblockade. Die Auswirkungen sind spürbar: Öffentliche Verkehrsmittel funktionieren nur eingeschränkt, Hochschulen müssen auf Fernunterricht ausweichen, und viele Grunddienstleistungen sind stark eingeschränkt. Frust über fehlende Mitbestimmung Über die unmittelbaren Probleme hinaus thematisierten die Studierenden die mangelnden Möglichkeiten, ihre Anliegen an Entscheidungsträger zu bringen. „Die Wege zum Bildungsministerium sind blockiert“, erklärte eine Studentin, während ein Kommilitone ergänzte: „Dieses Sit-in ist wohl das letzte Mittel.“ Diese Unzufriedenheit wurzelt teilweise in Erfahrungen aus dem Juni des Vorjahres, als massive Preiserhöhungen für staatliche Mobilfunkdienste vonseiten der Universität und der FEU nicht wie gewünscht adressiert wurden. In der Debatte kam es zu einem offenen Schlagabtausch mit Vizeminister Gómez. Auf seine Frage, warum die Studierenden auf der Treppe ausharrten, antwortete einer: „Weil man uns von Anfang an nicht zugehört hat.“ Trotz des hitzigen Austauschs gelang es, die Gruppe zu einem Gespräch an einem anderen Ort zusammenzuführen, fernab der Medien. Institutionelle Reaktionen und politische Einordnung Universität und FEU versuchten schnell, die Initiative als „Fake“ zu deklarieren und betonten, dass etablierte Dialogformate funktionierten. Gleichzeitig wiesen die Behörden auf die schwere Krise hin, die durch die US-Blockade verschärft werde. Gómez bezeichnete die Situation als „extrem schwer“ und einen „Genozid am kubanischen Volk“, der die gesamte Gesellschaft treffe. Analytisch betrachtet zeigt der Vorfall die Spannungen zwischen jungen Akademikern, die nach mehr Teilhabe und Mitsprache streben, und Institutionen, die traditionell hierarchisch strukturiert sind. Die Studierenden nutzen digitale Kanäle zunehmend, um Diskussionen zu organisieren, wenn offizielle Strukturen als ineffektiv erlebt werden. Damit spiegeln die Ereignisse nicht nur kurzfristige Probleme wider, sondern auch langfristige gesellschaftliche Fragen zu Transparenz, Mitbestimmung und Zugang zu Ressourcen in Kuba.
Quelle: EFE (https://t1p.de/lm166)
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