Neues aus Kuba
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Die anhaltende Stromkrise in Kuba zwingt Familien schwerkranker Kinder dazu, über Monate oder sogar dauerhaft in Krankenhäusern zu leben. Ohne eine verlässliche Stromversorgung können lebenswichtige medizinische Geräte wie Beatmungs- oder Absauggeräte in den eigenen vier Wänden nicht betrieben werden.
28.12.2025 13:11 Uhr
Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Wie die Zeitung El País berichtet, sind in der westkubanischen Provinz Pinar del Río zahlreiche Familien gezwungen, dauerhaft in Krankenhäusern zu leben, weil die chronischen Stromausfälle eine Versorgung schwerkranker Kinder in den eigenen vier Wänden unmöglich machen. Der Bericht schildert eindringlich, wie ein marodes Energiesystem nicht nur den Alltag der Bevölkerung bestimmt, sondern für besonders verletzliche Patienten zur existenziellen Bedrohung wird.
Im Mittelpunkt steht der Tod des fünfjährigen Jeisel Hernández, der an spinaler Muskelatrophie Typ 1 litt und dauerhaft auf ein Beatmungsgerät angewiesen war. Wegen der stunden- und teils tagelangen Stromabschaltungen in seinem Heimatort Los Palacios konnte seine Mutter die notwendige medizinische Versorgung zu Hause nicht mehr gewährleisten. Batterien und Wechselrichter versagten, die Hitze setzte dem Kind zu, lebenswichtige Geräte konnten nicht zuverlässig betrieben werden. Ende Oktober brachte sie ihren Sohn deshalb in das Kinderkrankenhaus Pepe Portilla in Pinar del Río – ein Ort, den sie eigentlich vermeiden wollte. Dort starb Jeisel Anfang Dezember, fernab seines Zuhauses und seiner Familie. Der Bericht von El País macht deutlich, dass dieser Fall kein Einzelschicksal ist. In der sogenannten „progressiven Pflegeeinheit“ des Krankenhauses leben mehrere Mütter seit Monaten oder sogar Jahren mit ihren Kindern, weil nur dort eine halbwegs stabile Stromversorgung gewährleistet ist. Viele der Kinder sind tracheotomiert, benötigen Beatmung oder künstliche Ernährung. Ohne Elektrizität funktionieren diese Geräte nicht – ein Ausfall kann binnen Minuten lebensbedrohlich werden. Eine Krankenschwester, die anonym mit El País sprach, beschreibt die Situation als dauerhaft belastend: Für Kinder, die an Beatmungsgeräte angeschlossen sind, sei Strom „lebenswichtig“. Gleichzeitig fehle es im Krankenhaus selbst an Medikamenten, Verbrauchsmaterialien und technischer Ausstattung. Die Station sei zusätzlich durch Arbovirus-Infektionen überlastet, Medikamente und medizinisches Zubehör seien Mangelware. Eltern lebten in ständiger Angst – sowohl vor dem Zustand ihrer Kinder als auch vor Infektionen, die im Krankenhaus drohen. Der Alltag der betroffenen Familien ist streng reglementiert und eintönig. Die Mütter schlafen auf Stühlen neben den Betten ihrer Kinder, kochen mit einfachen Geräten, sofern Strom vorhanden ist, und haben kaum Kontakt zu ihren übrigen Familienangehörigen. Viele Väter und Geschwister können die Kinder nur durch Glasscheiben sehen. Arbeit und ein normales Familienleben sind unmöglich geworden. Staatliche Unterstützungszahlungen reichen laut den Betroffenen kaum aus, um Grundbedürfnisse wie Windeln oder Hygieneartikel zu decken. El País ordnet diese humanitäre Krise in den größeren Kontext der kubanischen Energieversorgung ein. Das Jahr 2025 sei geprägt von chronischen Stromausfällen gewesen, mit täglichen Abschaltungen von bis zu 20 oder mehr Stunden. Ursache seien der Verfall des nationalen Stromsystems, fehlende Investitionen, Treibstoffmangel und der akute Devisenmangel des Staates. Nach dem landesweiten Blackout im Jahr 2024 habe Kuba nie wieder eine stabile Stromversorgung erreicht. Mitte Dezember 2025 habe das Stromdefizit bei fast 2.000 Megawatt gelegen – bei einer landesweiten Nachfrage von rund 2.350 Megawatt. Hinzu kommen politische Vorwürfe: Laut Recherchen internationaler Medien soll die kubanische Regierung einen Großteil des aus Venezuela gelieferten Erdöls weiterverkaufen, um dringend benötigte Devisen zu beschaffen. Energieexperten, die von El País zitiert werden, sehen keine kurzfristige Besserung, solange das wirtschaftliche und energiepolitische Modell des Landes unverändert bleibt. Für die betroffenen Familien bedeutet dies ein Leben im Wartestand. Viele haben seit Jahren Generatoren oder Solaranlagen beantragt, doch die Behörden verweisen auf fehlende Ressourcen. Zwar meldeten staatliche Medien zuletzt die Verteilung einiger Solarsysteme, doch zahlreiche Familien berichten, leer ausgegangen zu sein. Die Angst, dauerhaft im Krankenhaus bleiben zu müssen, ist allgegenwärtig. Der Bericht von El País zeichnet damit das Bild eines Landes, in dem Strom längst nicht mehr nur Komfort bedeutet. Für schwerkranke Kinder und ihre Familien ist Elektrizität eine Frage des Überlebens. Solange sich an der strukturellen Krise der Energieversorgung nichts ändert, bleibt für viele Betroffene nur das Leben im Krankenhaus – als unfreiwilliger Schutzraum in einem Land im Dunkeln.
Quelle: El País (https://t1p.de/bdwdc)
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