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03.20.2026 09:00 Uhr
Fast drei Jahrzehnte lang war British American Tobacco über das Gemeinschaftsunternehmen Brascuba am kubanischen Zigarettenmarkt beteiligt. Nun belegen Konzernunterlagen bei der US-Börsenaufsicht den Rückzug aus Kuba.
Abbildung: Tabakfeld im Viñales-Tal, Provinz Pinar del Río. (Archivbild von Adam63, Tobacco Field in Pinar del Rio Province - Cuba, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC BY-SA 3.0)
Der britische Tabakkonzern British American Tobacco (BAT) hat sein Engagement in Kuba beendet. Wie aus dem bei der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) eingereichten Halbjahresbericht des Konzerns hervorgeht, wurde der Verkauf der 50-prozentigen Beteiligung an dem kubanischen Zigarettenhersteller Brascuba Cigarrillos S.A. im Februar 2026 abgeschlossen.
Käufer ist demnach die Tabagest S.A., eine in Kuba registrierte Gesellschaft, die bereits zuvor als Investor an Brascuba beteiligt gewesen sei. Mit dem Vollzug sei das Unternehmen aus der Konzernbilanz ausgegliedert worden. Die Vereinbarung war BAT zufolge bereits am 19. Dezember 2025 unterzeichnet worden. Öffentlich bekannt wurde der Rückzug jedoch erst jetzt, nachdem die Zahlen aus den Finanzberichten des Konzerns ausgewertet wurden. Kaufpreis und Abschreibungen Belastbar belegt ist vor allem die Schlussrechnung. Im Halbjahresbericht weist BAT für den Abgang eine Nettobelastung von 12 Millionen Pfund aus, von denen 4 Millionen auf früher erfasste Wechselkursverluste entfallen. Zum Jahresende 2025 stand das Kubageschäft noch mit 208 Millionen Pfund als Veräußerungsposten in den Büchern. Den eigentlichen Preis nennt Berichten zufolge der Geschäftsbericht 2025. Demnach wurden für die Aktien 25 Millionen Dollar vereinbart, seinerzeit etwa 19 Millionen Pfund. Für die Abtretung offener Handelsforderungen gegenüber BAT-Töchtern in Brasilien kamen 35 Millionen Dollar hinzu, zahlbar jeweils in Euro. Dem stehen Wertminderungen von 231 Millionen Pfund gegenüber, die der Konzern schon vor dem Verkauf auf Brascuba-Vermögen gebucht haben soll. Die Differenz legt nahe, dass das kubanische Geschäft für BAT bilanziell kaum noch Wert besaß. Ob die vereinbarten Summen inzwischen vollständig beglichen sind, lässt sich den Unterlagen nicht entnehmen. Nach eigener Darstellung hat BAT mit dem Verkauf sämtliche Stimmrechte und das Recht zur Besetzung von Führungspositionen aufgegeben, ebenso jeden Anspruch auf künftige Gewinne. Das Management behandelte den Abgang dabei nicht als wesentliche Veränderung, da das Kubageschäft für das Verständnis der Konzernergebnisse nicht bedeutend sei. Wer hinter Tabagest steht, bleibt offen Die Eigentümerstruktur von Tabagest wird in den BAT-Unterlagen nicht erläutert. Brascuba war 1995 als Gemeinschaftsunternehmen gegründet worden, zwischen dem staatlichen Tabakmonopol Tabacuba und der brasilianischen Souza Cruz, die seit 1914 zu BAT gehört. Eine Unternehmensdatenbank führt inzwischen Tabacuba als Käufer. Ob Tabagest eine Tabacuba-nahe Gesellschaft ist oder ein eigenständiger Investor, lässt sich anhand der öffentlich zugänglichen Dokumente nicht klären. Unklar ist auch, ob ein neuer ausländischer Partner gesucht wird. Vom Vorzeigeprojekt zum Problemfall Brascuba galt lange als eines der erfolgreicheren Beispiele ausländischer Investitionen in Kuba. Seit 1996 brachte das Unternehmen die Marke Popular heraus. Später produzierte es unter Lizenz von Habanos S.A. auch Zigaretten der Marken Cohiba, H. Upmann und Romeo y Julieta, für den Binnenmarkt wie für den Export in mehr als 20 Länder. 2016 kündigte Brascuba eine neue Fabrik in der Sonderentwicklungszone Mariel an, damaligen Angaben zufolge mit einem Volumen von rund 120 Millionen Dollar. Das Werk wurde zu einem der größten Industrieprojekte außerhalb des Tourismussektors. Im November 2024 traf Hurrikan Rafael jedoch die Provinz Artemisa schwer und richtete auch in der Region Mariel erhebliche Schäden an. Nach Angaben von Tabacuba kam die Produktion bei Brascuba vollständig zum Erliegen. Maschinen, Dächer und weitere Anlagenteile wurden beschädigt, die Reparaturen zogen sich bis ins folgende Jahr. Zigarettenmangel und Schwarzmarktpreise Der Rückzug fällt in eine Phase anhaltender Engpässe auf dem kubanischen Zigarettenmarkt. Fünf Unternehmen produzieren auf der Insel Zigaretten: vier staatliche und Brascuba als einziges Gemischtunternehmen. Der Plan für 2024 sah 830 Millionen Schachteln vor, erreicht wurden nach offiziellen Angaben lediglich 74 Prozent. Ein Industriedirektor von Tabacuba bezifferte den Bedarf für die rationierte Grundversorgung auf 400 Millionen Schachteln, wovon Brascuba 120 Millionen liefere. Als Ursachen nannte er neben dem Hurrikan fehlende Vorprodukte, die nicht mit dem Tabak selbst zusammenhingen. Im April 2024 hatte das Finanzministerium die offiziellen Preise per Resolution 63 deutlich angehoben. Auf dem informellen Markt stiegen die Preise dennoch weiter. Exilnahe Portale berichteten für Januar 2025 von bis zu 1.500 Pesos für eine Schachtel, rund 71 Prozent des damaligen Mindestlohns von 2.100 Pesos. Diese Angabe ließ sich nicht unabhängig überprüfen. Örtliche Behörden begrenzten zeitweise die Abgabe in den staatlichen Bodegas auf wenige Schachteln pro Person. Teil eines größeren Musters Der Abgang von BAT reiht sich in eine Serie von Rückzügen und Umstrukturierungen ausländischer Partner ein. Bereits 2020 hatte der britische Konzern Imperial Brands seine Beteiligung am internationalen Geschäft von Habanos S.A. verkauft. Diese Konstellation berührte zuletzt auch den Zigarrenvertrieb in Deutschland. Auch in Mariel selbst hat sich die Lage für ausländische Akteure verändert, wie der Rückzug des Hafenbetreibers PSA zeigte. Hinzu kommen strukturelle Hürden. Ausländische Unternehmen klagen seit Jahren über eingefrorene Devisenkonten und blockierte Gewinntransfers. Die Regierung in Havanna wirbt zwar mit Reformen um neue Investoren. BAT nennt in den veröffentlichten Unterlagen jedoch keine Gründe für den Rückzug. Die Zigarettenproduktion in Mariel läuft unter neuer Eigentümerstruktur weiter, nun ohne den Konzern, der das Werk einst mitfinanziert hat.
Quellen: Asere Noticias, Periódico Cubano, SEC, BAT, Investegate, PitchBook, Brookings, Diario de Cuba, Directorio Cubano, CubaNet, OnCuba News, EcuRed
Autor: Leon Latozke
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