Neues aus Kuba
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06.04.2026 08:00 Uhr
In Kuba wächst ein Problem, das den Alltag vieler Menschen zunehmend prägt: Der Zugang zu Bargeld ist stark eingeschränkt, obwohl Guthaben auf Bankkonten vorhanden ist. Für die Bevölkerung bedeutet das vor allem eines: mehr Aufwand im Alltag.
Abbildung: Foto von Daniel Pelaez Duque auf Unsplash
Seit mehr als einem Jahrzehnt setzt das kubanische Finanzsystem auf Bankkarten. Diese existieren in unterschiedlichen Varianten, darunter Karten für Zahlungen in Landeswährung (kubanische Pesos, CUP) sowie Modelle für Fremdwährungen. Letztere umfassen sowohl sogenannte MLC-Karten als auch die Clásica-Karten, die sich am US-Dollar orientieren. Herausgegeben werden sie ausschließlich von staatlichen Institutionen.
Bereits vor der Corona-Pandemie erfolgte die Auszahlung von Löhnen in vielen Bereichen über diese Karten. Damit verband sich die Erwartung, Bargeld jederzeit über Geldautomaten, Bankfilialen oder Wechselstuben beziehen zu können. Parallel leitete die Regierung eine umfassende Reform des Zahlungsverkehrs ein. Hintergrund war die Feststellung, dass gemessen an der vorhandenen Geldmenge zu wenig Bargeld im Umlauf sei. Unter dem Stichwort „Bankarisierung“ wurde die Nutzung digitaler Zahlungsmethoden systematisch ausgeweitet. Im Zentrum stehen dabei mobile Anwendungen wie Transfermóvil, die auch ohne Internetverbindung funktionieren und Transaktionen über das Mobilfunknetz ermöglichen. Staatliche Einrichtungen, Apotheken und Einzelhandelsgeschäfte führten entsprechende Bezahlsysteme ein, vielfach ergänzt durch QR-Code-Lösungen. Auch private Anbieter wurden in das System integriert. Ziel war es, den Zahlungsverkehr effizienter zu gestalten und die Abhängigkeit von Bargeld zu reduzieren. Doch im elektronischen Zahlungsverkehr bestehen erhebliche Unsicherheiten. Die Akzeptanz von Überweisungen ist uneinheitlich geregelt. In einem Geschäft kann es etwa sein, dass Zahlungen über Transfermóvil nur ab einem Betrag von beispielsweise 5.000 Pesos möglich sind – oder genau umgekehrt, nur bei kleineren Summen unter 1.000 Pesos. Mitunter lassen sich zwar viele Produkte per Überweisung bezahlen, bestimmte Waren wie Bier oder Huhn jedoch nicht. In anderen Fällen ist die Nutzung digitaler Zahlungen wiederum ausschließlich auf einzelne Produktgruppen, etwa Fleisch, beschränkt. Häufig werden Kunden auch vertröstet, später wiederzukommen, weil das System aktuell nicht zuverlässig funktioniert. Zudem kommt es vor, dass Transaktionen mehrfach scheitern oder nur ein Teilbetrag digital beglichen werden kann, während der Rest in bar zu zahlen ist. Diese Fragmentierung führt zu einem hohen Maß an Intransparenz. Verbraucher sind gezwungen, Zahlungsmodalitäten individuell zu klären, während technische Probleme wie fehlgeschlagene Transaktionen oder Systemausfälle den Prozess zusätzlich erschweren. Gleichzeitig bleibt Bargeld in vielen Bereichen unverzichtbar. Insbesondere im informellen Sektor, auf Märkten sowie im Transportwesen werden Zahlungen überwiegend bar abgewickelt. Digitale Alternativen sind entweder nicht verfügbar oder gelten als unzuverlässig. Ein weiterer Störfaktor liegt in den Strukturen der Lieferketten. Viele Händler beziehen ihre Waren von Großhändlern, die weiterhin zumindest teilweise auf Barzahlungen bestehen. Dadurch bleibt die Nachfrage nach Bargeld trotz Digitalisierung hoch. Doch zahlreiche Geldautomaten sind außer Betrieb oder regelmäßig ohne Bargeld. Funktionierende Geräte sind häufig überlastet, was zu langen Warteschlangen führt. Die Situation wird zusätzlich verschärft, weil Banken und Wechselstuben häufig nicht über ausreichende Bargeldbestände verfügen, um Auszahlungen gegen Kartenguthaben vorzunehmen. In anderen Fällen werden Auszahlungsobergrenzen festgelegt: Pro Kunde werden dann beispielsweise nur 1.000 oder 5.000 Pesos ausgegeben – Beträge, die beim aktuellen Wechselkurs lediglich etwa 2 beziehungsweise 10 US-Dollar entsprechen. Hinzu kommt die instabile Energieversorgung. Stromausfälle treten in weiten Teilen des Landes regelmäßig auf und beeinträchtigen die Funktionsfähigkeit des gesamten Finanzsystems. Geldautomaten fallen aus, Bankfilialen können zeitweise keine Dienstleistungen anbieten, und auch zentrale Serverstrukturen sind betroffen. Selbst bei stabiler Stromversorgung bleibt der Zugang zu Bargeld eingeschränkt. Banken und Wechselstuben verfügen häufig nur über begrenzte Auszahlungsbeträge oder stellen die Bargeldversorgung zeitweise vollständig ein. Festgelegte Abhebungslimits liegen vielfach auf einem Niveau, das angesichts der Inflation nur geringe Kaufkraft bietet. So bleibt Bargeld schwer verfügbar. Der informelle Tausch von Fremdwährungen stellt für einige eine Alternative dar, ist jedoch ebenfalls mit Einschränkungen verbunden. Nicht alle Marktteilnehmer akzeptieren jede Währung, und digitale Fremdwährungsguthaben können häufig nicht genutzt werden. Ökonomische Einschätzungen gehen zudem davon aus, dass staatliche Stellen die Bargeldmenge bewusst begrenzen, um inflationsdämpfende Effekte zu erzielen. Gleichzeitig bestehen Zweifel, ob ausreichende Kapazitäten für die Produktion neuer Banknoten vorhanden sind. Die aktuelle Situation ist von einem strukturellen Widerspruch geprägt: Während digitale Zahlungssysteme ausgebaut werden, fehlt es an den grundlegenden Voraussetzungen für deren verlässlichen Betrieb. Gleichzeitig bleibt Bargeld knapp, obwohl es für weite Teile des wirtschaftlichen Lebens weiterhin unverzichtbar ist. Die Regierung hat inzwischen angekündigt, neue Banknoten mit höheren Nennwerten einzuführen. Ob diese Maßnahme zu einer nachhaltigen Entspannung beiträgt, ist jedoch offen.
Quelle: Havanna Times (https://t1p.de/qvxgy)
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