Neues aus Kuba
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26.03.2026 08:00 Uhr
Kubas Elite zeigt sich extravagant: Fidel Castros Enkel Sandro posiert für Instagram, während die Bevölkerung unter Mangel leidet. Gaesa, das Firmenimperium der Familie, schöpft enorme Profite ab und dient der Elite zur Anhäufung von Vermögen.
Abbildung: Screenshot von Instagram
Sandro Castro, Enkel des 2016 verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro, zeigt auf in sozieln Medien seinen luxuriösen Lebensstil, während die kubanische Bevölkerung unter akuten Versorgungsengpässen leidet. Der 33-Jährige, bekannt für schrille Auftritte und provokante Späße, steht symbolisch für eine Elite, die ihren Reichtum offen zur Schau stellt, während das Land unter Strom- und Wassermangel sowie Versorgungsengpässen leidet.
Sandro Castro, der 155.000 Follower auf Instagram hat, inszeniert sich als extravagante Persönlichkeit: Er empfing kürzlich einen als Donald Trump verkleideten Schauspieler in Badeschlappen und transportierte ihn in einem Golfwägelchen durch Havanna. Nur wenige Tage zuvor hatte er sich an einer verlassenen Tankstelle zu einem bizarren Stunt hinreißen lassen – all dies zur Unterhaltung seiner Follower. Diese Aktionen fallen in eine Zeit, in der die Kubaner durch US-Sanktionen unter erheblichen wirtschaftlichen Druck geraten. Seit Januar blockiert das US-Ölembargo die Versorgung der Insel mit Treibstoff. Präsident Trump droht mit Strafzöllen gegen Länder wie Mexiko, Guatemala, Honduras und Jamaika, sollte der Handel mit Kuba nicht eingestellt werden. Die Auswirkungen sind direkt spürbar: Strom gibt es nur noch stundenweise, Pumpen fallen aus, Wasser wird knapp, Medikamente fehlen in Krankenhäusern und der Müll bleibt unentsorgt. Schulen haben auf Fernunterricht umgestellt, Behörden arbeiten aus dem Home-Office, und die meisten Hotels sind geschlossen – wichtige Einnahmequellen der Devisenversorgung der Insel brechen weg. Währenddessen nutzt Sandro Castro die Krise für provokante Inszenierungen. Historiker und regimekritische Beobachter äußern sich empört: Ernesto Limia kritisierte auf facebook seinen respektlosen Umgang mit dem Erbe seines Großvaters, ein regierungsnaher Influencer warnte sogar, Sandro könne eine Gefahr für die revolutionären Ideale darstellen. Sandro Castros Luxus ist eng verbunden mit dem Firmenimperium seiner Familie. Das Unternehmen Gaesa (Grupo de Administración Empresarial S.A.) ist das wirtschaftliche Herz der Castro-Familie und kontrolliert laut Schätzungen bis zu 35 Prozent des kubanischen Bruttoinlandsprodukts sowie bis zu 70 Prozent des Außenhandels. Gaesa umfasst Bereiche wie Tourismus, Banken, Logistik, Bauwesen und private Supermärkte. Historisch wurde es von Raúl Castro und seinem Schwiegersohn Luis Alberto Rodríguez López-Calleja geführt und dient heute der Elite als Mittel zur Kapitalakkumulation. Besonders auffällig ist der Kontrast zwischen der Mangelwirtschaft der Bevölkerung und dem Luxus der Castro-Erben. So wurden Villen der Familie auf Airbnb für Hunderte Dollar pro Nacht angeboten, während öffentliche Einrichtungen leerstehen oder verfallen. Das jüngste Beispiel ist ein 42-stöckiges Luxushotel in Havanna, errichtet von Gaesa nach der Pandemie. Es kostete zwischen 200 und 500 Millionen Dollar, bietet sechs Themenrestaurants, einen Rooftop-Pool und eine Sky-Bar. Der Bau war umstritten: Er verletzte städtebauliche Normen und stellte eine provokante Demonstration von Wohlstand inmitten einer krisengeschüttelten Hauptstadt dar. Das Geld für diesen Lebensstil stammt nicht zuletzt aus der Unterstützung Venezuelas, das Kuba über Jahrzehnte subventionierte: subventioniertes Öl, Schuldenerlasse und gemeinsame Investitionen summieren sich laut der Washingtoner Orgasnisatuio Miranda Center for Democracy auf fast 64 Milliarden US-Dollar. Diese Mittel flossen überwiegend in die Hände der Gaesa-Holding, während der Rest der Bevölkerung die Folgen der Sanktionen und der Mangelwirtschaft trägt. Analysten wie John Kavulich vom US-Cuba Trade and Economic Council heben hervor, dass das System von Gaesa kaum Rechenschaftspflicht kennt. Außenstehende sehen ein Unternehmen, das hohe Profite erwirtschaftet, während die „Aktionäre“ – das kubanische Volk – leer ausgehen. Gaesa agiert als ein quasi-kapitalistisches Herz innerhalb eines sozialistischen Systems, das auf der anderen Seite unter Energiekrisen und Versorgungslücken leidet. Die zentrale Frage bleibt, wie die US-Regierung mit diesem Konglomerat umgehen wird. Trumps Sanktionen zielen darauf ab, die kubanische Führung zu wirtschaftlicher Öffnung und Kooperation zu bewegen. Doch Gaesa, die militärisch gestützte Holding der Castro-Elite, bleibt weitgehend unangreifbar. John Kavulich verweist darauf, dass in einer freien Marktwirtschaft Fehlverhalten meist sanktioniert würde – in Kuba jedoch führen militärische und familiäre Machtstrukturen dazu, dass Misswirtschaft und Privilegien weitgehend unangetastet bleiben. Der Fall Sandro Castro illustriert die Kluft zwischen Elite und Bevölkerung in Kuba. Während die Mehrheit unter Mangel leidet, inszenieren sich die Erben der Revolution offen und luxuriös. Gaesa fungiert dabei als finanzielle Schaltstelle, die Kapital für die Familie anhäuft und zugleich die Kontrolle über Schlüsselbranchen des Landes wahrt. Die Spannungen zwischen sozialistischer Ideologie und kapitalistischen Wohlstandsvorstellungen der Elite werden in dieser Konstellation besonders deutlich.
Quelle: NZZ (https://t1p.de/6qu3h)
Autor: Leon Latozke
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