Neues aus Kuba
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30.05.2026 09:00 Uhr
Seltene Militärbegegnung in Guantánamo: Der Chef des US-Südkommandos und Kubas stellvertretender Generalstabschef tauschten sich über Sicherheitsfragen aus.
Abbildung: Auf dem X-Account des US-Südkommandos veröffentlichtes Foto seines Kommandanten, General Francis L. Donovan (Mitte), zusammen mit dem Chef des kubanischen Generalstabs, General Roberto Legrá Sotolongo (2. v. l.), und weiteren kubanischen Militärs auf dem Marinestützpunkt in der Bucht von Guantánamo (Kuba)
Der Chef des US Southern Command, General Francis L. Donovan, hat sich am Freitag (29.) mit hochrangigen kubanischen Militärvertretern zu einem ungewöhnlichen Sicherheitstreffen getroffen. Das Treffen fand am Rande der US-Marinebasis Guantánamo Bay im Südosten Kubas statt. Wie das Südkommando auf der Plattform X mitteilte, standen bei dem Gespräch mit General Roberto Legrá Sotolongo, dem ersten stellvertretenden Chef des Generalstabs der kubanischen Streitkräfte, sowie weiteren Offizieren.
Nach dem knappen Kommuniqué des Südkommandos führten die beiden Generäle einen „kurzen Austausch über operative Sicherheitsfragen". Im Mittelpunkt standen demnach die Sicherheit des Militärpersonals und ihrer Familien sowie die Einsatzbereitschaft der Basis. Donovan nutzte die Gelegenheit zudem für eine Inspektion der Grenzsicherung des Stützpunktes. In der offiziellen Mitteilung der US-Seite wurde die strategische Bedeutung der Naval Station Guantánamo hervorgehoben: Sie sei ein „vitales operatives und logistisches Zentrum, das die US-Militärbemühungen unterstützt, um Bedrohungen der Sicherheit, Stabilität und Demokratie in unserer Hemisphäre entgegenzuwirken".
Die Unterredung erfolgt vor dem Hintergrund einer spürbaren militärischen Präsenzerhöhung der USA in der Karibik. Erst vor wenigen Tagen war der Flugzeugträger USS Nimitz mit seiner Kampfgruppe in der Region eingetroffen. Die kubanische Regierung hatte kurz zuvor mit drastischen Worten vor einem möglichen US-Angriff gewarnt: Ein solcher würde, so seine unmissverständliche Botschaft, ein „Blutbad mit unkalkulierbaren Folgen“ auslösen. Diese verbale Eskalation steht im Kontrast zu den jüngsten, eher seltenen direkten Kontakten zwischen hohen Vertretern beider Länder. So reiste bereits Anfang Mai CIA-Direktor John Ratcliffe nach Havanna, um sich dort mit Spitzenbeamten des Innenministeriums und der Geheimdienste zu treffen. Es war einer der wenigen öffentlich bekannten Besuche eines US-Geheimdienstchefs auf der Insel seit Jahrzehnten. Die USA betonten, dass die jetzige Begegnung unter der Leitung von General Donovan vor allem der Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen an der Basis diente. Der Stützpunkt, so das Südkommando weiter, sei ein „zentraler operativer und logistischer Knotenpunkt“ für die Bemühungen der USA, Bedrohungen für Sicherheit, Stabilität und Demokratie in der westlichen Hemisphäre entgegenzutreten. Das Ministerium der Revolutionären Streitkräfte Kubas (MINFAR) bestätigte seinerseits das hochrangige Militärtreffen mit dem US-Südkommando. In einer knappen, in den sozialen Netzwerken veröffentlichten Mitteilung gab das MINFAR an, dass das Treffen „im Einvernehmen beider Seiten" stattgefunden habe. Dieser pragmatische Austausch findet jedoch in einem Klima statt, das von massivem wirtschaftlichen und politischen Druck geprägt ist. Washington wirft Havanna vor, auf der Insel Abhörposten für Russland und China zu beherbergen und die US-Interessen in der Region systematisch zu behindern. Seit Januar blockieren die USA die kubanischen Ölimporte, was die bereits tiefe Wirtschaftskrise der Insel weiter verschärft. Folge sind flächendeckende Stromausfälle sowie akute Engpässe bei Nahrungsmitteln und Treibstoff. Hinzu kommen juristische Schritte: Das US-Justizministerium erhob Mitte Mai formelle Anklage gegen Kubas Ex-Präsidenten Raúl Castro. Gleichzeitig verhängte die US-Regierung neue Sanktionen, die sich unter anderem gegen den wichtigsten Geheimdienst und das Innenministerium des Landes richten. Außenminister Marco Rubio kündigte weitere Sanktionen in den kommenden Tagen und Wochen an. Trotz dieser Konfrontation scheint die praktische Notwendigkeit einer Kommunikation auf militärischer Ebene den Ton zu bestimmen. Die Basis Guantánamo, deren Pachtvertrag Kuba seit den frühen 1960er Jahren als illegal und erzwungen ansieht, bleibt ein zentraler Streitpunkt. Havanna betont unverändert, dass das Gelände unrechtmäßig besetzt sei und die USA dort gegen den Willen der kubanischen Nation handelten. International ist der Stützpunkt nicht zuletzt für das umstrittene Gefangenenlager berüchtigt, in dem im Rahmen des US-Kampfes gegen den Terrorismus Verdächtige ohne Anklage und Verfahren bis zu 20 Jahre festgehalten wurden. Der Dialog zwischen den Militärs ist daher nicht nur ein technischer Akt der Sicherheitskooperation, sondern auch ein Zeichen dafür, dass beide Seiten in einer angespannten Lage zumindest die direkte Leitungsverbindung nicht abreißen lassen wollen.
Quelle: EFE (https://t1p.de/hpzo2)
Autor: Leon Latozke
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