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Eine chinesische Unternehmensdelegation prüft derzeit Investitionen in Kubas schwer angeschlagene Zuckerindustrie. Begleitet von Treffen mit Präsident Miguel Díaz-Canel besichtigt die Gruppe aus der Provinz Guangxi mehrere Zuckerfabriken im Landeszentrum.
29.08.2025 13:17 Uhr
Abbildung: Symbolbild von Raidel Veloz, Central Azucarero Quintin Banderas, Corralillo, Cuba (2019), Zuschnitt KUBAKUNDE, CC BY-SA 4.0
Eine chinesische Unternehmensdelegation erkundet derzeit Möglichkeiten für Investitionen in Kubas angeschlagene Zuckerindustrie. Die Gruppe des staatlichen Capital Operations Group aus der südchinesischen Provinz Guangxi wird von Vizedirektor Zhang Anming angeführt und traf in Havanna mit Präsident Miguel Díaz-Canel zusammen. Der Staatschef räumte den „technologischen Verfall“ des einstigen Schlüsselzweigs der kubanischen Wirtschaft offen ein.
Im Mittelpunkt der mehrtägigen Reise, die noch bis Samstag andauert, stehen Besuche mehrerer Zuckerfabriken im Zentrum des Landes. Die Delegation will dort die verbliebenen Produktionskapazitäten und Modernisierungsmöglichkeiten begutachten. Guangxi gilt in China als führende Region im Anbau und in der Verarbeitung von Zuckerrohr und verfügt über einschlägige Erfahrung in diesem Sektor. Der Zeitpunkt der Gespräche ist für Havanna von hoher Bedeutung. Kaum ein Wirtschaftszweig symbolisiert den Niedergang der kubanischen Wirtschaft so deutlich wie der Zucker. Noch in den 1980er-Jahren produzierte die Insel jährlich mehr als sieben Millionen Tonnen, die mit Abstand wichtigste Devisenquelle des Landes. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks in den 1990er-Jahren stürzte die Produktion jedoch ab, da Kuba den Zugang zu Subventionen, Ersatzteilen und gesichertem Absatz verlor. Eine drastische Umstrukturierung der Branche, anhaltende Energieengpässe und Investitionsstau beschleunigten den Niedergang. Heute leidet der Sektor zusätzlich unter Treibstoffmangel, fehlenden Ersatzteilen und Personalmangel. In der aktuellen Ernte 2024/2025 wurden weniger als 150.000 Tonnen Zucker produziert – der niedrigste Wert seit über einem Jahrhundert und weniger als die Hälfte der Vorjahresmenge. Die Regierung macht neben dem Mangel an Investitionen und Fachkräften auch Stromausfälle, häufige Maschinenausfälle sowie Defizite bei Transport- und Erntetechnik für die Misere verantwortlich. Beobachter sehen in einer möglichen Kooperation mit chinesischen Investoren daher einen Rettungsanker für die Branche. Ob es tatsächlich zu konkreten Projekten kommt, bleibt jedoch abzuwarten. Mit dem Besuch aus Guangxi setzt Havanna auf die Erfahrung und Kapitalstärke Chinas, um den einstigen Motor der eigenen Wirtschaft zumindest teilweise wiederzubeleben. Für beide Seiten steht dabei mehr auf dem Spiel: Für Kuba geht es um die Sicherung einer minimalen Eigenproduktion und eine symbolische Rückkehr zu alter Stärke – für China um den Ausbau seines wirtschaftlichen Fußabdrucks auf der Karibikinsel.
Quelle: CanalCaribe/YouTube (https://t1p.de/bd7oh)
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Text: Leon Latozke
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