Neues aus Kuba
|
15.05.2026 08:00 Uhr
CIA-Direktor John Ratcliffe traf in Havanna Spitzenvertreter der kubanischen Regierung und überbrachte Trumps Angebot zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit – jedoch nur bei grundlegenden inneren Reformen.
Abbildung: John Ratcliffe verfolgt mit Präsident Trump die Militäroperationen der USA in Venezuela, 3. Januar 2026, Mar-a-Lago Club in Palm Beach, Florida. (Bildquelle: Official White House Photo by Molly Riley, P20260103MR-0819, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons)
CIA-Direktor John Ratcliffe reiste am Donnerstag (14.) nach Havanna und traf sich mit dem Enkel von Raúl Castro. Ratcliffe überbrachte dabei eine deutliche Botschaft an die Führung in Havanna: Das amerikanische Angebot für wirtschaftliche Zusammenarbeit ist ernst gemeint – allerdings nur befristet und an konkrete Bedingungen geknüpft.
Nach Informationen aus CIA-Kreisen traf der Geheimdienstchef zu einem Vier-Augen-Gespräch mit Raúl Guillermo Rodríguez Castro zusammen, einem Enkel des früheren Staatschefs Raúl Castro. Zudem führte Ratcliffe Gespräche mit Innenminister Lázaro Álvarez Casas und dem Chef der kubanischen Geheimdienste. Die Botschaft war eindeutig: Die USA seien bereit zu einer ernsthaften Kooperation in Wirtschafts- und Sicherheitsfragen, erwarteten aber "grundlegende Veränderungen" von kubanischer Seite. "Ratcliffe forderte die kubanischen Vertreter auf, diese Gelegenheit für eine echte Zusammenarbeit zu nutzen", erklärte ein CIA-Vertreter. Ratcliffe machte demnach klar, dass Präsident Donald Trump einen Deal bevorzugen würde, aber auch bereit sei, rote Linien durchzusetzen. Die Botschaft war unmissverständlich: Kuba könne nicht länger ein sicherer Hafen für Gegner der USA in der westlichen Hemisphäre bleiben. Die Gespräche umfassten nach Angaben des CIA-Vertiters mögliche Kooperationen in den Bereichen Geheimdienstarbeit, wirtschaftliche Stabilisierung und Sicherheitsfragen. Die kubanische Regierung zeichnete in einer Stellungnahme ein deutlich anderes Bild der Begegnung. Sie betonte, dass das Treffen auf Ersuchen der US-Regierung zustande gekommen sei. In der offiziellen Verlautbarung Havannas hieß es, man habe "kategorisch deutlich gemacht, dass Kuba keine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA darstellt und es keine legitimen Gründe gibt, das Land auf der Liste der angeblichen Terrorismus-Unterstützer zu führen". Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel hatte erst kurz zuvor scharf auf Vorwürfe von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth reagiert, der Kuba als Gefahr für die nationale Sicherheit Amerikas bezeichnet hatte. Die kubanische Seite stellte klar, dass das Land "keine terroristischen oder extremistischen Organisationen beherbergt, unterstützt, finanziert oder toleriert". Zudem gebe es auf dem Inselstaat keine ausländischen Militär- oder Geheimdienstbasen, und Kuba habe "niemals feindselige Aktivitäten gegen die USA unterstützt". Havanna verzichtete in seiner Mitteilung darauf, die Namen der kubanischen Gesprächsteilnehmer zu nennen, bekundete aber Interesse an einer engeren Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden beider Länder, um die "Sicherheit beider Nationen sowie die regionale und internationale Sicherheit" zu stärken. Bemerkenswert war die zeitliche Nähe des Besuchs zu anderen politischen Signalen. Noch am selben Tag gab das US-Außenministerium bekannt, dass die kubanische politische Gefangene Sisi Abascal, Mitglied der Oppositionsbewegung "Damen in Weiß", freigelassen worden sei und ein humanitäres Visum für die USA erhalten habe. Zudem hatte Díaz-Canel kurz zuvor auf X verkündet, dass Kuba ein amerikanisches Hilfsangebot in Höhe von 100 Millionen Dollar für humanitäre Zwecke annehmen werde – nachdem man es zunächst abgelehnt hatte. Der Besuch Ratcliffes markiert eine seltene, aber nicht völlig neue Entwicklung in den Beziehungen beider Länder. Bereits 2015 war CIA-Direktor John Brennan heimlich nach Kuba gereist und hatte sich mit Oberst Alejandro Castro Espín, dem Sohn Raúl Castros, getroffen. Die CIA-Station in Havanna musste damals geschlossen werden, nachdem Geheimdienstmitarbeiter ab Ende 2016 Opfer rätselhafter Gesundheitsstörungen geworden waren – später als "Havanna-Syndrom" bekannt. Marc Polymeropoulos, ein hochrangiger Ex-CIA-Mitarbeiter, der selbst betroffen war, äußerte die Hoffnung, dass Ratcliffe dieses Thema angeschnitten habe. "Es wäre ein Verrat an der CIA-Mitarbeiterschaft, könnte er dies nicht tun", schrieb er auf der Plattform X.
Quelle: Miamiherald (https://is.gd/0ygCan)
Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |


RSS-Feed