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07.08.2026 23:30 Uhr
Die USA verstärken ihren verdeckten Druck auf Kuba: Die CIA hat eine geheime Einheit gebildet, um die politische Führung in Havanna zu unterwandern und zu spalten.
Die CIA hat einem Bericht der New York Times zufolge im Verborgenen eine eigene Cuba Task Force aufgebaut. Sie soll dem US-Geheimdienst erlauben, rasch mehr finanzielle, personelle und technische Mittel gegen die Insel zu mobilisieren – mit dem erklärten Ziel, Risse innerhalb der kubanischen Führungsriege zu erzeugen.
Ein Instrument mit historischer Vorgeschichte
Bereits 1960 hatte die CIA eine Cuba Task Force eingerichtet. Deren Mitglieder organisierten damals die von der Agency unterstützte, letztlich gescheiterte Invasion in der Schweinebucht im Jahr darauf. Die neue Version hat laut den mit der Angelegenheit vertrauten Personen, auf die sich die Times beruft, ein deutlich engeres Mandat: Sie soll keine bewaffnete kubanische Partnertruppe aufbauen und ist nicht für tödliche Operationen freigegeben. Allerdings gilt eine Task Force innerhalb der CIA als flexibles Instrument, dessen Befugnisse der US-Präsident jederzeit ändern kann.
Zur neuen Einheit gehören demnach Case Officers, die Agenten anwerben und führen, Analysten, Cyber-Spezialisten sowie Fachleute für verdeckte Einflussoperationen. Ihre Aufgabe: Informationen über Geldflüsse und Geschäfte kubanischer Funktionäre sammeln und auswerten, um am Ende gezielt Druck auf die politische Elite der Insel auszuüben – mit dem Ziel, als "hart" wahrgenommene Funktionäre durch pragmatischere, Washington-freundlichere Figuren zu ersetzen. Kuba als Priorität eins
Der Aufbau der Task Force fällt zusammen mit einer generellen Verschärfung der US-Geheimdienstaktivitäten gegenüber Kuba. Jede US-Regierung legt ihre Aufklärungsprioritäten in einem Dokument namens National Intelligence Priorities Framework (NIPF) fest. Die Trump-Regierung hat Kuba darin kürzlich als "Priority 1" eingestuft – in einer Reihe mit China, Iran und Russland.
Als Folge richten laut Times-Bericht auch andere US-Dienste, darunter die NSA und die National Geospatial-Intelligence Agency, mehr Aufklärungsmittel, einschließlich Satelliten, auf die Insel. Diese zusätzlichen Informationen sollen dem US-Militär helfen, seine Optionen für ein mögliches militärisches Vorgehen gegen Kuba zu aktualisieren, sollte Trump sich für diesen Weg entscheiden. Zuvor hatten US-Offizielle demnach über veraltete Erkenntnisse zu kubanischen Absichten, militärischen Fähigkeiten und Verteidigungsanlagen geklagt.
Der kubanische Vize-Außenminister Carlos Fernández de Cossío reagierte auf Anfrage der Times mit scharfer Kritik. Die Absichten der CIA seien keine Überraschung, da Kuba seit Langem Ziel von Spionage, Subversion und Destabilisierung durch die Agency sei – Terrorismus eingeschlossen. Gleichzeitig werfe das US-Außenministerium Kuba vor, eine Bedrohung darzustellen, obwohl das Land lediglich sein Recht auf legitime Selbstverteidigung wahrnehme, so seine sinngemäße Position.
Vom Dialog zur Drohkulisse
2015, gegen Ende von Barack Obamas zweiter Amtszeit, reisten CIA-Direktor John Brennan nach Havanna, um mit Alejandro Castro, dem Sohn des damaligen Präsidenten Raúl Castro, über eine engere geheimdienstliche Zusammenarbeit zu sprechen – etwa gegen Drogenkartelle und Terrornetzwerke. Diese Gespräche versandeten jedoch später, wobei sich beide Seiten gegenseitig vorwarfen, vereinbarte vertrauensbildende Schritte nicht umgesetzt zu haben.
Im Mai dieses Jahres schickte Trump seinen CIA-Direktor John Ratcliffe nach Havanna, um sich mit Raúl G. Rodríguez Castro zu treffen – einem Enkel Raúl Castros, der unter den Spitznamen "Raulito" oder "El Cangrejo" (die Krabbe) bekannt ist. Ratcliffes Botschaft: Die CIA betrachte die kubanische Führung als ernstzunehmenden Gegner und potenziellen künftigen Partner zugleich. Zugleich signalisierte er, Kuba laufe die Zeit davon, um von Trump geforderte grundlegende Veränderungen umzusetzen – andernfalls könne dem Land dasselbe Schicksal wie Venezuela drohen. Der schnelle Sturz von Nicolás Maduro und die anschließende Übernahme der venezolanischen Ölressourcen durch die USA haben laut Times-Bericht bei einigen Trump-Beratern die Erwartung genährt, die kubanische Regierung könnte bereits vor den US-Zwischenwahlen im November fallen. Andere in der Administration rechnen jedoch damit, dass entschlossenere Schritte gegen Havanna erst nach einem Ende des Kriegs mit dem Iran folgen, der bislang erhebliche Ressourcen und Aufmerksamkeit gebunden habe – trotz des von den USA verhängten Ölembargos, dem sich Kuba bislang widerstandsfähig gezeigt hat. Eine wechselhafte Geschichte der CIA-Präsenz in Havanna
Während des Kalten Kriegs unterhielt die Agency in Havanna nur eine vergleichsweise kleine Station, weil kubanische Dienste amerikanische Offiziere äußerst effektiv überwachten – was Anwerbung und Treffen mit Quellen auf der Insel extrem erschwerte.
In den 2000er-Jahren rückte Kuba geheimdienstlich in den Hintergrund, da die CIA ihre Ressourcen auf die Kriege im Irak und in Afghanistan sowie andere mutmaßliche Terror-Hochburgen konzentrierte. Während Trumps erster Amtszeit schloss die Agency ihre Station in Havanna dann vollständig, nachdem mehrere dort stationierte Offiziere über eine mysteriöse Erkrankung geklagt hatten, die später als "Havanna-Syndrom" bekannt wurde. Erst 2024, gegen Ende der Amtszeit von Joe Biden, wurde die Station wiedereröffnet – allerdings unter erschwerten Bedingungen, da die Beamten dort weiterhin unter nahezu ständiger Überwachung standen und in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt waren.
Quelle: NYT
Autor: Leon Latozke
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