Costa Rica und Kuba uneins über diplomatischen Status: Bruch oder kein Bruch der Beziehungen?19/9/2026
16.09.2026 08:00 Uhr
Ein Interview in Florida nach einem Treffen mit Marco Rubio: Costa Ricas Außenminister spricht von einem Bruch mit Kuba. Havanna sieht darin ein weiteres Zeichen der Nähe San Josés zu Washington.
Abbildung: Symbolbild
Die Regierung Costa Ricas hat die diplomatischen Beziehungen zu Kuba erstmals ausdrücklich als abgebrochen bezeichnet. Nach ihrer Darstellung besteht der Bruch bereits seit März. Havanna widerspricht: Eine förmliche Mitteilung darüber habe es nie gegeben. Im Kern geht es um die Frage, was die Schritte vom März rechtlich und politisch bedeuteten.
Auslöser ist eine Äußerung von Außenminister Manuel Tovar Rivera. Er erklärte am Freitag (18.) in einem Interview mit einer Zeitung in Florida, es sei zu einem Bruch der diplomatischen Beziehungen gekommen. Dieser sei nicht auf die Schließung der Botschaft und den Abzug des Personals beschränkt gewesen. Tovar äußerte sich während eines USA-Besuchs, nachdem er US-Außenminister Marco Rubio getroffen hatte. Wenig später bestätigte eine Quelle im Außenministerium in San José, die Beziehungen seien seit März abgebrochen. Die Bestätigung stammt von einer nicht namentlich genannten Person. In den vorliegenden Berichten wird keine offizielle schriftliche Stellungnahme zitiert. Was im März geschah
Costa Rica hatte am 18. März die Schließung seiner Botschaft in Havanna bekanntgegeben. Kuba wurde aufgefordert, sein diplomatisches Personal aus San José abzuziehen. Konsularische und administrative Mitarbeiter sollten bleiben dürfen. Der damalige Außenminister Arnoldo André Tinoco begründete den Schritt mit der sich verschlechternden Menschenrechtslage auf der Insel. Die Botschaft in Havanna war nach Regierungsangaben bereits seit dem 5. Februar ohne diplomatisches Personal.
Die Regierung sprach damals von einem deutlichen Zeichen der Besorgnis und von einer Einladung zu Veränderungen, die eine spätere Normalisierung ermöglichen könnten. Den Schritt als vollständigen Bruch bezeichnete sie öffentlich nicht. Der damalige Präsident Rodrigo Chaves ging rhetorisch weiter und erklärte, seine Regierung erkenne das kommunistische Regime Kubas nicht als legitim an. Auf die Frage, ob dies einem vollständigen Abbruch der Beziehungen gleichkomme, habe Chaves laut Berichten geantwortet, derzeit bestünden keine diplomatischen Beziehungen. Diese Aussage steht in einem gewissen Spannungsverhältnis zu den offiziellen Mitteilungen der Regierung. Havanna: Nie förmlich mitgeteilt
Das kubanische Außenministerium (Minrex) erklärte, es habe von der Darstellung Tovars aus Medienberichten erfahren. Ein Abbruch der Beziehungen sei der kubanischen Seite nie förmlich notifiziert worden. Costa Rica habe am 17. März per diplomatischer Note lediglich die Schließung der Botschaft mitgeteilt, ohne Begründung. Zugleich habe San José unter Berufung auf eine angebliche Reziprozität den Abzug des kubanischen diplomatischen Personals verlangt.
Nach Darstellung Havannas versicherte Tinoco der kubanischen Seite damals, diese Entscheidungen bedeuteten keinen Bruch der diplomatischen Beziehungen. Auch die Mitteilung der costa-ricanischen Regierung vom 18. März erwähne keine förmliche Trennung. Dass Tovar seine Aussage gegenüber einem Medium in Südflorida machte, wertet das Minrex als „Akt der Unterordnung" unter die US-Politik gegenüber Kuba. Die kubanische Regierung beklagt seit Längerem, Washington übe Druck auf Drittstaaten aus, um Kubas diplomatische Beziehungen und seinen Handel zu behindern. Unstrittig sind die Schließung der Botschaft, der Abzug des diplomatischen Personals und die Aufforderung an Kuba, es Costa Rica gleichzutun. Strittig ist, ob der Schritt bereits im März als Abbruch gemeint war und ob Kuba davon in Kenntnis gesetzt wurde. Üblicherweise wird ein Abbruch diplomatischer Beziehungen der Gegenseite mitgeteilt. Ob eine solche Mitteilung erfolgte, ist nach den bisherigen Berichten offen. San José hat sich dazu bislang nicht geäußert. Die Klarstellung fällt in eine Phase erhöhten Drucks der USA auf Kuba. Bereits am 4. März hatte Ecuador kubanisches Personal des Landes verwiesen. Chaves ist inzwischen nicht mehr im Amt. Offen bleibt, wie es mit den konsularischen Kontakten weitergeht, die nach den Ankündigungen vom März bestehen bleiben sollten. Autor: Leon Latozke
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