Neues aus Kuba
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24.07.2026 23:00 Uhr
Ohne Hotelketten, ohne Touristen: Kubas wichtigste Deviseneinnahmequelle bricht weg. Washingtons Sanktionsdrohungen und ein Ölembargo treiben die letzten Investoren von der Insel.
Es ist ein Bruch mit Symbolkraft: Seit diesem Freitag (24.) betreibt Meliá keine Hotels mehr in Kuba. Der spanische Konzern, der die Insel seit den 1990er Jahren zu einer seiner wichtigsten Destinationen in der Karibik gemacht hatte, zieht sich vollständig zurück – als letzter großer internationaler Player, der noch geblieben war. Kubas Tourismussektor, ohnehin seit Jahren in der Krise, verliert damit einen seiner zentralen Stützpfeiler.
Ein Rückzug unter Druck
Meliá selbst spricht von "erheblichen operativen, rechtlichen und wirtschaftlich-finanziellen Schwierigkeiten". Am vergangenen Dienstag teilte der Konzern mit, die Blockade-Politik von US-Präsident Donald Trump mache eine "minimale operative Stabilität" faktisch wie rechtlich unmöglich. Übersetzt heißt das: Washington hat mit sekundären Sanktionen gegen ausländische Unternehmen gedroht, die auf der Insel tätig sind – und Meliá hat kapituliert.
Betroffen sind die Hotels, die der Konzern für den kubanischen Staat betrieb, dem sie gehören. Zu Jahresbeginn waren es noch 34 Häuser. Doch schon vorher hatte sich die Zahl durch die Energiekrise, ausbleibende Touristen und die US-Sanktionen sukzessive verringert.
Meliá ist beileibe nicht allein. Vor dem spanischen Branchenriesen hatten bereits andere große Hotelbetreiber der Insel den Rücken gekehrt: Landsmann Iberostar zog sich aus 18 Hotels zurück, der kanadische Konzern Blue Diamond aus 60 Häusern, der indonesische Anbieter Archipielago International aus sechs Betrieben. Auch Barceló, die einst zwei Hotels in Kuba betrieb, ist inzwischen von der Insel verschwunden.
Es ist das Ende einer Ära. Kuba galt seit der Öffnung für den internationalen Tourismus in den frühen 1990er Jahren – mitten in der schweren Krise nach dem Zusammenbruch des sowjetischen Blocks – als lukrative Wette. Meliá und Iberostar zählten zu den ersten ausländischen Investoren überhaupt und kombinierten All-inclusive-Anlagen an Kubas Stränden mit Stadthotels für den historisch-kulturellen Tourismus in Havanna und anderen Städten. Ein Sektor im Sinkflug seit der Pandemie
Die Zahlen zeigen das Ausmaß der Krise deutlich. In den Jahren des kurzen "Tauwetters" mit den USA unter Präsident Obama erreichte Kuba 2018 und 2019 fast 4,7 beziehungsweise gut 4,2 Millionen internationale Touristen. Seither ging es nur noch bergab: 2023 kamen 2,4 Millionen Besucher, 2024 waren es 2,2 Millionen. Das Jahr 2025 endete mit gerade einmal 1,8 Millionen ausländischen Gästen – der schlechteste Wert seit über zwei Jahrzehnten, die Pandemiejahre ausgenommen.
Und 2026 fällt noch dramatischer aus. In den ersten fünf Monaten des Jahres registrierte die kubanische Statistikbehörde ONEI lediglich 359.491 internationale Touristen – ein Rückgang von 58,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Mai kamen gerade einmal 30.883 Besucher auf die Insel. Das Ölembargo als Brandbeschleuniger
Die schlechte Versorgungslage und der Verfall der Infrastruktur durch die Wirtschaftskrise haben den Hotels ohnehin zugesetzt. Doch der Einbruch des Tourismus lässt sich nicht ohne den gezielten Druck Washingtons erklären, das den Sektor als besonders verwundbaren Punkt der kubanischen Wirtschaft ins Visier genommen hat.
Das von den USA verhängte Ölembargo hat wichtige Flugrouten gekappt und Hotelschließungen erzwungen. Die Sanktionen richten sich zudem gezielt gegen staatliche Unternehmen der Branche und haben eine regelrechte Fluchtbewegung internationaler Konzerne ausgelöst. Hinzu kommt: Wer nach Kuba reist, verliert die Möglichkeit, das beschleunigte ESTA-Visum für die Einreise in die USA zu nutzen – ein Instrument, mit dem Washington Reisende gezielt von Kuba-Besuchen abschrecken will. Warum das für Kuba existenziell ist
Der Tourismus ist für Kubas Wirtschaft keine Nebensache. Er ist neben den Überweisungen der Diaspora und den Einnahmen aus medizinischen Auslandsmissionen eine der drei wichtigsten Devisenquellen des Landes – und der größte Einzelbeitrag zum Bruttoinlandsprodukt. Der Zufluss von Dollar und Euro ist für Kuba überlebenswichtig: Laut Angaben der Vereinten Nationen muss das Land 80 Prozent der benötigten Güter importieren.
Mit dem Rückzug der letzten großen internationalen Hotelmarken verliert Kuba nicht nur Investoren, sondern auch Management-Expertise und internationale Sichtbarkeit – ausgerechnet in einem Moment, in dem beides dringender gebraucht würde als je zuvor. Ob und wie der Sektor sich unter diesen Bedingungen neu aufstellen kann, ist derzeit völlig offen.
Quelle: EFE
Autor: Leon Latozke
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