Neues aus Kuba
Der lange Kampf um Kuba: Marco Rubios schwierige Mission zwischen Trump und der Exilgemeinde8/6/2026
08.06.2026 10:00 Uhr
Außenminister Marco Rubio treibt den Sturz der kubanischen Regierung voran. Mit einem massiven Druckmittel aus Sanktionen und Militärpräsenz will er sein Lebensziel erreichen. Wird Donald Trump jedoch mitspielen? Für Rubio, der selbst Präsident werden will, geht es jetzt um alles, wie CNN in einem Bericht über den aktuellen Stand der US-Kuba-Politik schreibt.
Abbildung: The White House, President Donald Trump receives an update from Secretary of State Marco Rubio, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC0 1.0
Als Marco Rubio im Jahr 2016 als Präsidentschaftskandidat auf einer Bühne in Miami stand und seine Bedingungen für Verhandlungen mit Kuba formulierte – freie Wahlen, Pressefreiheit, Meinungsfreiheit –, da erntete er tosenden Applaus. Sein damaliger Konkurrent Donald Trump bot lediglich vage Versprechungen eines "guten Deals" mit dem Castro-Regime. Rubio spottete öffentlich über diese Antwort, während Trump ihn als „Little Marco“ verhöhnte.
Heute, knapp ein Jahrzehnt später, ist die Lage eine grundlegend andere: Rubio dient als Außenminister der Vereinigten Staaten ausgerechnet dem Mann, den er einst kritisierte. Und er befindet sich, wie CNN schreibt, in einem der "volatilsten Momente der Beziehungen zwischen den USA und Kuba seit Jahrzehnten". Was wie eine ironische Wendung der politischen Geschichte wirkt, ist für Rubio zu einer existenziellen Bewährungsprobe geworden – sowohl persönlich als auch politisch. Der Sohn kubanischer Einwanderer, der als Kind nach eigenen Angaben in seinen Memoiren "träumte, eines Tages eine Armee von Exilanten anzuführen, um Fidel Castro zu stürzen", hat sich innerhalb der Trump-Administration als wichtigster Stratege für die Region etabliert. Sein Einfluss reicht weit: Neben dem Amt des Außenministers fungiert Rubio auch als Nationaler Interims-Sicherheitsberater, was ihn zur ersten Person seit Henry Kissinger macht, die beide Positionen gleichzeitig bekleidet. Aus diesen Positionen heraus treibt er eine aggressive Kampagne gegen die kommunistische Führung in Havanna voran. Die Strategie der Trump-Administration ist vielschichtig und zunehmend drastisch. Eine Treibstoff-Blockade führt auf der Insel zu planmäßigen Stromausfällen. CIA-Direktor John Ratcliffe überbrachte kürzlich persönlich ein ungewöhnliches Ultimatum in Havanna – den öffentlichkeitswirksamen Gipfelpunkt einer wachsenden Druckwelle. Nur fünf Tage später erhob das US-Justizministerium formelle Anklage gegen den früheren kubanischen Präsidenten Raúl Castro. Die US-Marine präsentiert mit der Angriffsgruppe des Flugzeugträgers USS Nimitz militärische Präsenz in der Karibik. Vergangene Woche weitete Washington die Sanktionen dann weiter aus und verhängte Strafmaßnahmen gegen Kubas Staatspräsidenten Miguel Díaz-Canel, seine Frau und seinen Stiefsohn, ebenso gegen Familienmitglieder Raúl Castros sowie mehrere Organisationen, die mit der kubanischen Regierung in Verbindung stehen. Der Sender berichtet, dass innerhalb der Regierung zudem verschiedene militärische Aktionen gegen Kuba erwogen worden seien, jedoch alle mit erheblichen Risiken verbunden seien und keine einen schnellen Sieg garantiere. Doch trotz der massiven wirtschaftlichen Sanktionen und der militärischen Drohkulisse weigern sich die kubanischen Führer, schnelle Verhandlungen zu führen. Stattdessen versuchen sie, auszusitzen, bis Trumps Enthusiasmus für einen weiteren internationalen Konflikt nachlässt. Ein ehemaliger Beamter des Außenministeriums wird von CNN mit der Feststellung zitiert, die kubanische Regierung neige historisch zu einer "Belagerungsmentalität", wenn sie unter US-Druck gerate. "Es braucht viel mehr, um einen politischen Wandel in Kuba herbeizuführen", so Frank Mora, ehemaliger US-Botschafter bei der Organisation Amerikanischer Staaten unter Präsident Biden, zu CNN. Die kubanische Regierung wiederum hat signalisiert, dass sie zu Verhandlungen bereit sei, jedoch nicht unter dem Druck eines Systemwandels. Kubanische Beamte hätten dem Sender gegenüber erklärt, sie betrachteten Rubios persönliche Abneigung gegen Havanna als Haupthindernis für eine mögliche Einigung. Die kubanische Regierung hat auf sozialen Kanälen Social-Media-Konten zudem satirische Videos einer Marionette veröffentlicht, die Rubio darstellt und „el gusano rubio“ („der blonde Wurm“) genannt wird – eine Kombination aus seinem Nachnamen und einer äußerst beleidigenden Schimpfworte, mit der Fidel Castro Kubaner bezeichnete, die die Insel nach der Revolution von 1959 verlassen hatten.. Der CNN-Artikel zeichnet jedoch auch das Bild wachsender Frustration im Weißen Haus. Trump selbst habe Zweifel an der Strategie eines vollständigen Regimewechsels auf Kuba geäußert. Auf die Frage nach Details eines möglichen Abkommens habe er vor wenigen Wochen Journalisten geantwortet: "Nun, ich weiß nicht, ob wir das Regime wechseln." Zwar versprach Trump, sich Kuba nach einer Lösung des Iran-Konflikts zuzuwenden, doch genau dieser Konflikt hat sich seit Monaten als hartnäckig erwiesen. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Anna Kelly, lobte Rubio in einer Stellungnahme zwar als "entscheidend für die Umsetzung der außenpolitischen Agenda des Präsidenten", vermied jedoch klare Zusagen für einen politischen Wandel auf Kuba. In dieser Gemengelage steht der Politiker aus Südflorida vor einer schwierigen Gratwanderung. "Dies ist das große Ziel für Marco Rubio. Es ist das, wovon er sowohl persönlich als auch beruflich geträumt hat", zitiert CNN Lawrence Gumbiner, der während der ersten Trump-Administration die US-Botschaft in Havanna leitete. "Ich glaube, er versteht, dass er die Erwartungen seines Chefs, Präsident Trump, die der kubanischen Diaspora und die der Realität unter einen Hut bringen muss." Die kubanisch-amerikanische Gemeinschaft in Südflorida, in der mehr als eine Million Menschen leben, hegt große Hoffnungen. Doch sie könnte auch zur politischen Falle werden. Steve Bovo, ehemaliger Bürgermeister von Hialeah und enger Verbündeter Trumps wie auch Rubios, wird von CNN mit den Worten zitiert: "Es wäre eine enorme Enttäuschung, wenn es am Ende von Trumps Amtszeit nicht einen gewissen Grad an Wandel in Kuba gäbe." Bovo, selbst Sohn eines Veteranen der Schweinebucht-Invasion, warnte, ein Regimewechsel könnte aber auch Chaos auslösen, wenn Kubaner in den USA überstürzt zu Rettungs- oder Hilfsaktionen aufbrechen. Marcell Felipe, ein prominenter kubanisch-amerikanischer Geschäftsmann und Präsident des Amerikanischen Museums der Kubanischen Diaspora, wird mit drastischen Worten zitiert: Man werde "einen massiven Exodus kubanisch-amerikanischer Wähler aus der Republikanischen Partei sehen, zumindest aus Trumps Partei". Dies wäre, so Felipe, "politischer Selbstmord". Doch nicht alle in der Gemeinschaft sehen dies so. Bovo selbst räumte laut CNN ein: "Es gibt einen Teil der Exilgemeinschaft, der nichts anderes akzeptieren wird, als einen Castro am höchsten verfügbaren Baum hängen zu sehen. Nun, es könnte sein, dass einige bittere Pillen geschluckt werden müssen." Die politischen Analysten zeigen sich skeptisch, ob Rubios Ziele mit Trumps begrenztem Interesse an langwierigen Auslandseinsätzen vereinbar sind. Juan González, während der Biden-Ära leitender Direktor für Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre im Nationalen Sicherheitsrat, bringt es auf den Punkt: "Wenn Rubio ein diplomatisches und verhandeltes Ergebnis will, wird er seine politische Basis in Südflorida verraten müssen." Und der langjährige Kuba-Forscher Jorge Duany von der Florida International University zitiert den Bericht mit der Analyse, dass Umfragen eine wachsende Unterstützung unter Kubanoamerikanern für eine militärische Intervention der USA zur Befreiung der Insel zeigten. "Es gibt ein Gefühl der Verzweiflung, weil nichts funktioniert hat, um bedeutende Veränderungen auf der Insel herbeizuführen." Rubio sagte am Mittwoch vor dem Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses, es gebe „Menschen innerhalb des technokratischen Apparats der Regierung, die eine Rolle in all dem spielen könnten“. „Aber letztendlich, wenn Sie mich fragen, ob es in diesem Moment eine spezifische Person gibt, der wir vertrauen würden, diesen Übergang von Anfang bis Ende zu führen, kann ich Ihnen diesen Namen jetzt nicht nennen“, räumte er ein. Einige republikanische Gesetzgeber, die das politische und wirtschaftliche System Kubas öffnen wollen, haben Rubio und die Regierung gedrängt, eine solche Operation trotzdem durchzuführen. „Schauen Sie sich Venezuela an“, sagte die Abgeordnete María Elvira Salazar aus Florida, Tochter kubanischer Exilanten, nach der formellen Anklage gegen Castro. „Ich glaube wirklich, dass wir diesem Beispiel folgen sollten.“ Selbst dieses Szenario – ein erfolgreicher Führungswechsel, aber ohne einen Zeitplan für Wahlen oder die politische Befreiung der Bewohner der Insel – könnte hinter der Vision zurückbleiben, die die kubano-amerikanische Gemeinschaft in Rubios Nähe teilt Ricardo Zúñiga, ehemaliger hochrangiger Beamter des Außenministeriums, wird von CNN mit den Worten zitiert: „Da ist das Team von Rubio und die Kubano-Amerikaner, die ein ernstes und tiefes Ziel in Bezug auf Kuba haben. Und da ist der Präsident, der nur gewinnen will und dem es egal ist, wie dieser Sieg aussieht.“ Die Bereitschaft Trumps, schnell zu handeln, um politische Führer in Venezuela und im Iran zu entfernen, hat Exil-Kubaner ermutigt, sich ein ähnliches Schicksal für Castro vorzustellen, sagte Jorge Duany, ein langjähriger Forscher der kubanischen Diaspora am Cuban Research Institute der Florida International University. Die Erwartungen seien nun so hoch, dass sie nicht zu erfüllen politische Konsequenzen haben könnte. Doch die Uhr tickt. Mit den Kongresswahlen im November wollen Trumps wichtigste politische Berater, dass sich der Präsident wieder auf innenpolitische Themen konzentriert. Der Krieg mit dem Iran zieht sich hin. Und in Venezuela droht nach dem Sturz von Nicolás Maduro die Instabilität. Rubio, so der Bericht, muss nicht nur als Chefdiplomat und als Kubanoamerikaner eine schwierige Balance halten, sondern auch als zunehmend gehandelter künftiger Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Trump selbst hat in privaten Gesprächen Rubio mit Vizepräsident JD Vance verglichen, so CNN. Rubio hat viele potenzielle republikanische Wähler durch die Art und Weise beeindruckt, wie er eine herausragende Rolle auf der internationalen Bühne übernommen hat – auch wenn eine wachsende Zahl von ihnen Frustration über Trumps anhaltenden Fokus auf internationale Angelegenheiten äußert. Es ist jedoch nicht klar, ob seine gute politische Position Bestand habe, wenn Rubio letztlich zum sichtbaren Gesicht einer weiteren unpopulären ausländischen Intervention würde. Laut einer Umfrage von Associated Press-NORC vom März lehnen 78 Prozent der Amerikaner – darunter sechs von zehn Republikanern – den Einsatz von US-Streitkräften zum Sturz der kubanischen Regierung ab. Felipe zeigt sich optimistisch und ist überzeugt, dass Rubio weiterhin der Kuba-Politik verpflichtet ist, die er bereits vor einem Jahrzehnt während seiner Präsidentschaftskandidatur vertreten hat. Weniger Vertrauen setzt er hingegen in andere Mitglieder von Trumps engem Umfeld, die den Präsidenten dazu gedrängt haben, den Schwerpunkt seiner Regierung stärker auf innenpolitische Themen zu verlagern. „Genau dort möchten seine politischen Gegner Rubio sehen: in einer Situation, in der er sich zwischen Trumps Wohlwollen und der Unterstützung seiner eigenen Wähler entscheiden muss“, sagte Felipe. „Wenn er gezwungen wäre, eines von beidem zu wählen, würde das seiner politischen Zukunft schaden. Ich denke, genau das würden seine politischen Rivalen, seine Konkurrenten und das Castro-Regime gerne sehen“, zitiert ihn CNN abschließend.
Quelle: CNN (https://t1p.de/w9g0b)
Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |


RSS-Feed