Neues aus Kuba
Díaz-Canels ungewöhnlicher Schachzug: Hilfe von regimekritischen Ökonomen für die Wirtschaft18/6/2026
18.06.2026 07:00 Uhr
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Aus der Not geboren: Zur Umsetzung von Wirtschaftsreformen, hat Kubas Päsident einen Beraterkreis aus Ökonomen gebildet, der sowohl Regimekritiker als auch Parteitreue vereint.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Kubas Staatspräsident Miguel Díaz-Canel hat angesichts der schweren Wirtschaftskrise des Landes einen externen Beraterkreis aus fünf Ökonomen einberufen, um Reformvorschläge zu erarbeiten. Wie der Nachrichtendienst EFE berichtet, sind unter den Beratern auch regierungskritische Wirtschaftsexperten. Der erste Kontakt fand demnach am vergangenen Freitag statt, am Montag folgte eine Arbeitssitzung zur Vorlage konkreter Ideen. Die Konsultationen laufen parallel zu den institutionellen Verfahren, die für diese Woche vorgesehen sind: Nach der Prüfung der Reformvorschläge durch den Zentralausschuss der Kommunistischen Partei Kubas am Mittwoch (17.) soll die Nationalversammlung sie am Donnerstag verabschieden. Die Initiative zur Einbeziehung externer Experten geht nach EFE-Angaben direkt vom Büro Díaz-Canels aus, ohne dass die Stäbe von Premierminister Manuel Marrero oder Wirtschafts- und Planungsminister Joaquín Alonso eingebunden waren. Dieser Umstand weist auf eine bemerkenswerte Verschiebung innerhalb der Machtstrukturen Kubas hin, wo wirtschaftspolitische Veränderungen traditionell in den geschlossenen Kanälen der Kommunistischen Partei verhandelt werden.
Den Kern des Beraterkreises bilden die drei Ökonomen Omar Everleny, Juan Triana und Julio Carranza. Sie haben über Jahre hinweg Marktreformen, eine stärkere Dezentralisierung und grundlegende Änderungen des kubanischen Wirtschaftsmodells gefordert. Triana hat wiederholt gravierende Fehler in der Wirtschaftsführung Díaz-Canels kritisiert, während Carranza die Reduzierung zentralisierter Planung und die Ausweitung unternehmerischer Autonomie propagiert. Die Aufnahme dieser Persönlichkeiten ist in der jüngeren Geschichte Kubas beispiellos, wo man interne Konsultationen gewohnt ist und Stimmen, die von der Parteilinie abweichen, traditionell ausgrenzt. Die beiden anderen Mitglieder des Gremiums repräsentieren das offizielle Establishment: José Luis Rodríguez García, von 1995 bis 2009 Wirtschaftsminister, und José Carlos del Toro Ríos, Präsident des Nationalverbands der Ökonomen und Rechnungsprüfer. Beide sind Abgeordnete der Nationalversammlung und gewährleisten dem Regime eine Balance zwischen reformistischen Stimmen und loyalen Figuren des institutionellen Apparats. Trotz unterschiedlicher Ansätze stimmen alle fünf Fachleute in mehreren grundlegenden Punkten überein. Dazu gehören die stärkere Gewichtung des privaten Sektors, eine Öffnung der Insel für mehr ausländische Investitionen, die Gewährung echter Autonomie für Staatsbetriebe, die Förderung lokaler Produktion und die Bekämpfung des Währungschaos, das durch die Koexistenz zweier offizieller Währungen sowie einer dominierenden inoffiziellen Wechselkursrate entstanden ist. Die Gruppe arbeitet auf der Grundlage des von Díaz-Canel am 12. Juni vorgestellten Reformpakets sowie dem "Wirtschafts- und Sozialprogramm 2026" vom April diesen Jahres. Im Fokus stehen dabei sechs Bereiche: Wirtschaftslenkungssystem, kommunale Autonomie, unternehmerische Autonomie, landwirtschaftliche Erholung, Außenhandel und ausländische Investitionen sowie Sozialpolitik. Zu den angekündigten Maßnahmen zählt die Ermächtigung von Gemeinden, ohne Zwischenhändler zu importieren und zu exportieren, die Genehmigung für Staatsbetriebe, mit weniger bürokratischen Eingriffen zu operieren und eigene Devisen zu behalten, sowie die Öffnung für im Ausland lebende Kubaner, die zu gleichen Bedingungen wie ausländische Akteure investieren dürfen. Die Initiative fällt in eine der schwersten Krisen der Insel. Der Druck der USA auf die Energieversorgung Kubas sowie dir jüngsten Sanktionen haben den Tourismus, das Bankwesen, die Seeschifffahrt und andere Sektoren schwer getroffen. Experten bewerten den Pragmatismus der Maßnahmen positiv, sehen ihn aber als verspätet an und befürchten, Kuba habe die Chance verpasst, Reformen nach dem Vorbild Chinas und Vietnams umzusetzen. Angesichts jahrelanger wirtschaftlicher Erosion sind die geplanten Veränderungen unzureichend und werden zu spät eingeleitet.
Quelle: EFE (https://t1p.de/vg3mq)
Autor: Leon Latozke
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