Neues aus Kuba
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Die kubanische Regierung setzt auf Energiesparen, erneuerbare Energie und lokale Produktion, um Grundversorgung und Wirtschaft trotz Sanktionen zu sichern. Auch Tourismus, Landwirtschaft und Gesundheitswesen werden priorisiert. Das sind die Massnahmen im Einzelnen.
07.02.2026 11:30 Uhr
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Angesichts verschärfter US‑Sanktionen und akuter Energieknappheit hat die kubanische Regierung in Havanna ein Maßnahmenpaket zur Sicherung grundlegender Dienstleistungen und wirtschaftlicher Stabilität vorgestellt. Im Einzelnen betreffen die Massnahmen wichtige Wirtschaftssektoren wie Gesundheit, Landwirtschaft und Tourismus, sowie Energieeinspar‑ und Erzeugungs‑Strategien, einschließlich der Förderung erneuerbarer Energien und direkter Stromverkäufe durch Erzeuger.
Prioritäten: Energie, Treibstoff und essentielle Dienste Die Regierung legt den Schwerpunkt auf die Sicherung essenzieller Dienste. Treibstoff wird vorrangig für die Stromversorgung, die Wasserversorgung, das Gesundheitswesen, die Produktion von Lebensmitteln, die innere Sicherheit sowie die Verteidigung eingesetzt. Auch wirtschaftlich bedeutende Aktivitäten, insbesondere solche zur Erwirtschaftung von Devisen, sollen so weit wie möglich fortgeführt werden. Ein Kernpunkt der Strategie ist die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien. Kuba setzt auf den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen und Solarparks, um die Abhängigkeit von importiertem Treibstoff zu verringern. Trotz der schwierigen Versorgungslage werden alle laufenden Projekte fortgesetzt, mit verstärktem Einsatz lokaler Ressourcen und Arbeitskräfte. Bis 2026 sollen 20.000 Photovoltaiksysteme für Haushalte installiert werden, darunter 10.000 für Beschäftigte im Gesundheits- und Bildungswesen, 5.000 für abgelegene Gemeinden – womit eine landesweite Elektrifizierung angestrebt wird – und weitere 5.000 für soziale Einrichtungen wie Altenheime, Kinderheime oder Gemeinschaftszentren. Gleichzeitig wird die nationale Erdölförderung ausgebaut. Pérez-Oliva Fraga betonte, dass es 2025 gelungen sei, den jahrelangen Rückgang der Förderung zu stoppen. Für 2026 sind weitere Maßnahmen vorgesehen, darunter die Optimierung bestehender Ölquellen in Zusammenarbeit mit der staatlichen Ölgesellschaft Cupet und internationalen Partnern. Erstmals dürfen Stromproduzenten aus erneuerbaren Quellen ihre Energie direkt an Dritte verkaufen, nicht nur an die staatliche Elektrizitätsunion. Dies soll den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen und zusätzliche Einnahmen generieren. Zur Reduzierung des Treibstoffverbrauchs werden Verwaltungsaktivitäten auf Montag bis Donnerstag konzentriert, Verkauf und Distribution von Treibstoff eingeschränkt und priorisiert. Das Ziel: Effizienz steigern und die Auswirkungen der Knappheit auf die Bevölkerung minimieren. Lebensmittelproduktion und Landwirtschaft Ein weiterer Schwerpunkt ist die Sicherung der Ernährung. Die Regierung setzt auf eine verstärkte lokale Produktion und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen für Bewässerung. Das Landwirtschaftsprogramm sieht unter anderem den Anbau von 200.000 Hektar Reis vor, um die Nachfrage zu decken. Zudem werden urbane und familiäre Landwirtschaft gefördert, Traktoren und andere schwere Maschinen nur eingeschränkt eingesetzt, stattdessen verstärkt auf tierische Zugkraft gesetzt. Kooperationen mit nichtstaatlichen Akteuren und internationalen Unternehmen sollen helfen, Lebensmittelpreise stabil zu halten und die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Industrie, Gesundheit und soziale Dienste Die Industrie konzentriert sich auf die Herstellung lebenswichtiger Produkte wie Chemikalien für Wasseraufbereitung, Sauerstoff, Chlor und Medikamente. Lokale Produktionskapazitäten sollen maximal genutzt und sämtliche wirtschaftlichen Akteure integriert werden. Im Gesundheitswesen werden die Grundversorgung, Notfallversorgung, Mutter-Kind-Programme, Krebsbehandlung und Dialysen gesichert. Die Medikamentenproduktion durch den staatlichen Konzern BioCubaFarma wird priorisiert, um Engpässe zu vermeiden. Auch Kommunikationsdienste, Frühwarnsysteme sowie kulturelle und sportliche Aktivitäten werden angepasst, bleiben aber aktiv. Devisenbringende Sektoren und Tourismus Die kubanische Regierung legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Stabilisierung und den Schutz von Sektoren, die dringend benötigte Devisen ins Land bringen. Vor allem der Tourismussektor, einer der wichtigsten Einnahmequellen Kubas, steht im Fokus. Trotz der allgemeinen Energieknappheit wird der Betrieb von Hotels, Resorts und touristischen Einrichtungen aufrechterhalten, allerdings mit umfassenden Energiesparmaßnahmen. Dazu gehören die Optimierung des Stromverbrauchs in Unterkünften, die Reduzierung von Heiz- und Klimaanlagen auf notwendige Mindestwerte sowie die Anpassung von Licht- und Wasserverbrauch, ohne dass die Qualität der Dienstleistungen für internationale Gäste leidet. Parallel dazu werden die touristischen Aktivitäten strategisch konzentriert: Standorte mit hoher Auslastung, die besonders rentabel sind, werden priorisiert, während weniger frequentierte Objekte vorübergehend in den Energiesparmodus versetzt werden. Die Regierung betont, dass die aktuelle Hochsaison genutzt wird, um die Einnahmen zu maximieren, und verweist auf erste positive Zahlen im Vergleich zum Vorjahr. Ziel ist es, eine Balance zwischen Einnahmensicherung und Energieeinsparung zu finden, die gleichzeitig den Erhalt von Arbeitsplätzen im Tourismussektor gewährleistet. Auch die Vorbereitung auf langfristige Herausforderungen wird thematisiert: Infrastrukturelle Investitionen, wie die Umstellung auf erneuerbare Energien in Hotels oder die Modernisierung von Klimaanlagen, sollen die Unabhängigkeit von importiertem Treibstoff erhöhen. Ergänzend werden Maßnahmen zur Reduzierung des Verbrauchs bei Freizeitangeboten wie Schwimmbädern, Golfplätzen oder Wellnessbereichen umgesetzt, um die Effizienz zu steigern und gleichzeitig das touristische Erlebnis nicht zu beeinträchtigen. Neben dem Tourismus erhalten auch andere Devisen bringende Sektoren, wie die Tabakproduktion, besondere Aufmerksamkeit. Die staatliche Planung sieht vor, dass sowohl Exporte als auch inländische Verarbeitungsprozesse gesichert werden. Die Regierung arbeitet eng mit Unternehmen zusammen, um Lieferketten stabil zu halten und Engpässe in der Produktion zu vermeiden. Dies umfasst die Beschaffung von Rohstoffen, die Priorisierung von Transportkapazitäten und die Anpassung der Energieversorgung an die Produktionsbedarfe. Zudem sollen dezentrale Beschaffungs- und Handelsmöglichkeiten gefördert werden. Unternehmen, die Treibstoff benötigen, erhalten die Möglichkeit, direkt einzukaufen, ohne allein auf staatliche Lieferungen angewiesen zu sein. Dies ermöglicht eine schnellere Anpassung an Marktschwankungen, reduziert Bürokratie und stärkt die operative Flexibilität. Arbeitsrechtliche Anpassungen Arbeitsrechtlich setzt Kuba auf flexible Lösungen. Tele- und Fernarbeit sowie angepasste Arbeitszeiten werden ausgeweitet, Arbeitsunterbrechungen gesetzlich geregelt und weiterhin mit Gehaltsgarantie versehen. Ziel ist es, dass alle Beschäftigten weiterhin produktiv bleiben und gleichzeitig soziale Absicherung erhalten. Priorität haben Tätigkeiten in Grundversorgung, Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Transport und Mobilität Die Regierung hat den Transportsektor reorganisiert. Treibstoff wird für die Versorgung, den Export und die Importe priorisiert. Nationaler Personenverkehr, Schienen- und Busverkehr wurden reduziert und neu strukturiert. Flughäfen bleiben betriebsbereit, der Transport von Schülern, Studierenden und Fachkräften wird koordiniert. Intermodale Lösungen für Insel- und Festlandsverbindungen sollen die Versorgung sichern. Für betroffene Reisende sind Rückerstattungen und individuelle Koordinierungen vorgesehen. Bildung: Anpassung, Teilpräsenz und Flexibilität Das Bildungswesen wird ebenfalls umfassend angepasst. Frühkindliche Betreuung und Grundschule haben höchste Priorität, die Präsenz soll so weit wie möglich erhalten bleiben. Sekundarstufe, Pre-Universität und Berufsbildung arbeiten mit flexiblen Modellen: Ein- oder Mehrschichtbetrieb, Blockunterricht, abgestimmt auf verfügbare Lehrkräfte und Transportkapazitäten. Die Hochschulen passen sich ebenfalls an, mit Teilpräsenz, stärkerer lokaler Betreuung und Transport der Studierenden zu ihren Wohnorten. Forschung und Abschlussarbeiten werden gesichert, die Integration von Bildungs- und Arbeitsprogrammen gefördert. Dabei sollen Studierende auch in produktive Tätigkeiten in Landwirtschaft, Energie und Sozialwesen eingebunden werden. Autor: Leon Latozke
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