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Auf einer internationalen Konferenz in Havanna diskutierten Vertreter Kubas, Venezuelas und weiterer linker Bewegungen die Rolle digitaler Medien im politischen Diskurs. Beide Länder entwickeln Strategien, um Informationen gezielt zu verbreiten und politische Bildung jenseits der großen Netzwerke zu fördern.
22.11.2025 07:46 Uhr
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Havanna war im Oktober 2025 Schauplatz des dritten „Encuentro Internacional de Publicaciones Teóricas de Partidos y Movimientos de Izquierda“. Vertreter kommunistischer und progressiver Organisationen aus aller Welt – darunter die Kommunistischen Parteien Indiens, Griechenlands und Ungarns sowie Irlands größte Gewerkschaft – diskutierten unter Leitung der Kommunistischen Partei Kubas, an der auch Präsident Miguel Díaz-Canel teilnahm, über eine zentrale Frage: Wie kann die Arbeiterklasse im globalen Informationskrieg bestehen?
Im Fokus stand Venezuela, das aus Sicht lateinamerikanischer Teilnehmer an vorderster Front der US-amerikanischen Einflussnahme steht. Kubanische und venezolanische Redner – darunter Díaz-Canel, Fidel-Castro-Biograf Ignacio Ramonet und der venezolanische Philosoph Miguel Pérez Pirela – machten deutlich, dass soziale Medien keine neutralen Kommunikationskanäle sind, sondern Instrumente des Klassenkampfs. Insbesondere linke Kräfte in den USA hätten deren Funktionsweise bislang grundlegend missverstanden. Ein Schwerpunkt war die Rolle künstlicher Intelligenz. Díaz-Canel wies darauf hin, dass Suchmaschinenalgorithmen wie Google AI ein verzerrtes Bild Kubas vermitteln. KI-generierte Zusammenfassungen präsentieren die Insel als diktatorisch und freiheitslos, basierend auf dominanten Narrativen westlicher Medien und offizieller US-Quellen. Die meisten Nutzer betrachten lediglich die ersten Treffer, wodurch diese verzerrten Darstellungen besonders einflussreich werden. Kuba reagiert mit eigenen Programmiertams, die alternative Suchinstrumente entwickeln und die KI gezielt mit korrektiven Informationen versorgen. Ramonet analysierte die Verbreitung politischer Symbole. Popkulturelle Bilder wie die „One Piece“-Piratenflagge verbreiten sich deutlich viraler als klassische Symbole sozialistischer Bewegungen. Ursache sei die Funktionsweise der Plattformen: Algorithmen bevorzugen Inhalte, die den Interessen der herrschenden Klassen dienen, während linke Symbole unterrepräsentiert bleiben. Pérez Pirela kritisierte die Anpassung linker Inhalte an die Formate sozialer Medien. Analysen, Zeitungsartikel oder theoretische Texte ließen sich nicht sinnvoll in kurze Beiträge übersetzen. Plattformen wie X oder Meta seien keine öffentlichen Plätze, sondern privat kontrollierte Propagandamaschinen. Der eigentliche Kampf finde im Bereich der Aufmerksamkeit statt: Rechtspopulistische Akteure dominierten die digitalen Kanäle, linke Antworten erreichten die breite Öffentlichkeit häufig verspätet und abgeschwächt. Die Konsequenz aus diesen Erfahrungen: Soziale Medien sollen nicht primär der Mobilisierung dienen, sondern als initialer Aufmerksamkeitskanal genutzt werden. Ziel sei es, Interessierte auf alternative Kanäle zu lenken – Bücher, Websites, politische Bildungsangebote, Demonstrationen und direkte Organisation. Praktische Maßnahmen wie QR-Codes in Büchern, die auf audiovisuelle Inhalte verweisen, dienen dazu, Menschen aus der „Medienfalle“ der Plattformen zu führen und zu aktiver Auseinandersetzung zu bewegen. Die strategische Entwicklung verdeutlicht demnach einen Wandel der ideologischen Instrumente. Längst dominieren nicht mehr klassische Medien und Hollywood, sondern Silicon-Valley-Konzerne die globale Meinungsbildung. Die kubanischen und venezolanischen Erfahrungen zeigen, dass linke Bewegungen diese technologische Realität anerkennen und ihre Strategien entsprechend ausrichten müssen. Revolutionäre Politik entsteht nicht viral, sondern im direkten sozialen Kontext: in Arbeitsplätzen, Bildungsräumen, lokalen Organisationen und über kollektive Mobilisierung. Die Lehren aus Kuba und Venezuela sind klar: Soziale Medien dienen überwiegend den Interessen der herrschenden Klassen. Linke Bewegungen müssen Technologien kritisch analysieren, digitale Plattformen strategisch und gezielt einsetzen und politische Bildung sowie kollektives Handeln in den Vordergrund stellen. Diese Erfahrungen liefern wertvolle Erkenntnisse für alle, die ernsthaft gesellschaftliche Veränderungen verfolgen.
Quelle: Monthly Review online (https://t1p.de/kbf69)
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Text: Leon Latozke
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