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30.09.2026 09:00 Uhr
Der kubanische Peso fällt schneller als je zuvor. Auf dem informellen Devisenmarkt der Insel kostet ein US-Dollar inzwischen 750 Pesos, ein Euro 850. Noch vor zwei Wochen lag die Marke bei 700.
Abbildung: Zu diesem Beitrag liegt kein Bildmaterial vor.
Der kubanische Peso verliert weiter in hohem Tempo an Wert. Am Dienstag (29.) notierte der US-Dollar auf dem informellen Devisenmarkt der Insel erstmals bei 750 Pesos (CUP), der Euro stieg auf 850 CUP. Grundlage ist der täglich veröffentlichte Referenzkurs des unabhängigen Portals El Toque. Dieser hat sich in Kuba als wichtigste Orientierung für private Geschäfte durchgesetzt, und die Regierung bekämpft ihn seit Jahren. 50 Pesos in knapp zwei Wochen Erst am 16. September hatte der Dollar die Schwelle von 700 CUP überschritten. Innerhalb von 13 Tagen legte er damit um weitere 50 Pesos zu. Im längeren Vergleich wird deutlich, dass sich der Verfall beschleunigt. Die Marke von 200 Pesos überschritt der Dollar im Oktober 2022, bis zur Schwelle von 300 dauerte es danach rund 16 Monate. 400 CUP wurden im August 2025 erreicht, 500 im Februar 2026 und 600 Anfang Juni. Seither hat der Peso gegenüber dem Dollar weitere 150 Einheiten verloren, und das in weniger als vier Monaten. Das Observatorio de Monedas y Finanzas de Cuba (OMFi) hatte für Ende Mai einen Wert von 562 Pesos je Dollar prognostiziert, im Extremszenario 590. Der Markt übertraf beide Werte schon vor Juni. Offizieller Kurs folgt mit Abstand Die Zentralbank Banco Central de Cuba (BCC) setzte den offiziellen Kurs für Privatpersonen im sogenannten Segment III am selben Tag auf 681 Pesos je Dollar fest. Der Abstand zum informellen Markt beträgt damit knapp 70 Pesos, also rund 10 Prozent. Daneben gelten weiterhin zwei feste Kurse: 24 CUP je Dollar für juristische Personen und 120 CUP für einen weiteren, eng umrissenen Kreis von Transaktionen. Die BCC hatte das Segment III am 18. Dezember 2025 als täglich angepassten, nach offizieller Darstellung von Angebot und Nachfrage bestimmten Kurs eingeführt. Zunächst richtete es sich vor allem an Exporteure und andere Anbieter von Devisen. Zum Start lag der Kurs bei 410 CUP, der informelle Markt damals bei rund 440. Seither ist der offizielle Kurs um etwa zwei Drittel gestiegen. Er bewegt sich also nach oben, hält mit dem Schwarzmarkt jedoch nicht Schritt. BCC-Präsidentin Juana Lilia Delgado Portal hatte das Modell als schrittweisen Weg zu einer späteren Vereinheitlichung der Wechselkurse vorgestellt. Einen Zeitplan nannte sie nicht. Eine sofortige Vereinheitlichung lehnte die Zentralbank mit Verweis auf das Risiko einer abrupten Abwertung und starker Inflation ab. Ecperten wandten damals ein, die Reform schiebe die Vereinheitlichung auf und halte überbewertete offizielle Kurse aufrecht. Mindestlohn bei gut vier Dollar Am stärksten trifft die Entwicklung Beschäftigte im Staatssektor sowie Rentnerinnen und Rentner, deren Einkommen ausschließlich in Pesos gezahlt werden. Zum 1. August hob die Regierung den Mindestlohn von 2.100 auf 3.210 CUP an, als erste von 176 angekündigten wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Zum aktuellen informellen Kurs entspricht dieser Betrag etwa 4,30 Dollar im Monat. Wer Überweisungen in Devisen aus dem Ausland erhält, bekommt zwar mehr Pesos für jeden Dollar. Die Kluft zwischen Haushalten mit und ohne Zugang zu Devisen wächst dadurch jedoch weiter. Ein großer Teil der Lebensmittel, Medikamente und Konsumgüter wird importiert und faktisch in Devisen kalkuliert, sodass die Abwertung direkt auf die Preise durchschlägt. Die BCC hatte im Frühjahr erstmals Banknoten zu 2.000 und 5.000 Pesos in Umlauf gebracht. Schrumpfende Wirtschaft, knappe Devisen Als Ursachen gelten der anhaltende Devisenmangel, eine schwache heimische Produktion und die hohe Nachfrage nach ausländischer Währung für Konsum, Ersparnisse und private Importe. Nach unabhängigen Schätzungen ist das Bruttoinlandsprodukt zwischen 2020 und 2025 um rund 15 Prozent geschrumpft, für 2026 wird ein weiterer Rückgang um 10,3 Prozent erwartet. Hinzu kommt der wirtschaftliche Druck aus Washington. Die heutige Vielzahl der Kurse hat ihren Ursprung in der Währungsreform „Tarea Ordenamiento“ vom Januar 2021. Sie schaffte den konvertiblen Peso (CUC) ab, beendete damit formal das System zweier Währungen und legte den offiziellen Kurs auf 24 Pesos je Dollar fest. In der Praxis entstand jedoch rasch eine neue Spaltung: Mit der Devisen-Verrechnungseinheit MLC (Moneda Libremente Convertible), inzwischen drei offiziellen Kursen und einer faktischen Dollarisierung großer Teile des Handels existieren wieder parallele Währungskreisläufe. Zugleich setzte eine Abwertung des Peso ein, die bis heute anhält. Streit um den Referenzkurs Die kubanische Regierung wirft El Toque vor, mit dem Kurs die nationale Wirtschaft gezielt zu destabilisieren sowie Spekulation und Inflation zu begünstigen. Das Innenministerium meldete in den vergangenen Monaten Polizeieinsätze und Strafverfahren gegen informellen Devisenhandel. Am Tag der Ankündigung des Segments III sei die Website von El Toque in Kuba nach einem Cyberangriff nicht erreichbar gewesen, teilte das Portal seinerzeit mit. El Toque verweist darauf, dass sich der Kurs aus Kauf- und Verkaufsangeboten in digitalen Kleinanzeigen und sozialen Netzwerken errechne und lediglich Angebot und Nachfrage abbilde. Autor: Leon Latozke
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