Neues aus Kuba
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30.07.2026 08:00 Uhr
Von Dominikanischen Republik wegen Umweltverschmutzung verbannt, jetzt in Havanna: Die Turbinen-Patana "La Isabela" soll angeblich nur repariert werden.
Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Es hat drei Jahrzehnte lang die Bucht von Puerto Plata mit Dieselabgasen eingenebelt, jetzt ist es in Havanna angekommen: Das schwimmende Kraftwerk "La Isabela" wurde in der vergangenen Woche von der Dominikanischen Republik nach Kuba geschleppt – offiziell zur Reparatur, tatsächlich unter Umständen, die selbst für kubanische Verhältnisse ungewöhnlich intransparent sind.
Fotos, die kubanische Journalisten am Mittwoch aufnahmen, zeigen das Schiff im Hafenbereich von Melones in der Bucht von Havanna, unweit weiterer türkischer Energieanlagen. Zu erkennen sind der Maschinenraum und die charakteristischen Abgasschächte der Anlage. Diese Aufnahmen widersprechen der Version, die dominikanische Medien nach dem Abtransport verbreitet hatten: Dort war von einem Reparaturdock die Rede, nicht von einem regulären Liegeplatz unter kubanischen Schwesteranlagen. Drei Jahrzehnte Dauerkritik in der Karibik
Das Kraftwerksschiff "La Isabela" hatte seit 1993 an der Puntilla del Malecón in Puerto Plata gelegen und war dort zu einem Politikum geworden. Umweltverbände und Anwohner machten die Anlage wiederholt für Kraftstofflecks, Ölwasser-Einleitungen und Lärmbelästigung in einer der touristisch bedeutendsten Regionen des Landes verantwortlich. Ihr Abtransport am 23. Juli wurde von dominikanischen Medien als Ende einer jahrzehntelangen Belastungsgeschichte gefeiert.
Was danach mit dem Schiff geschehen soll, bleibt jedoch nebulös. Dominikanische Berichte sprachen davon, die Anlage solle in Kuba instand gesetzt werden, bevor sie weiter auf die Bahamas verlegt werde. Weder ein Käufer noch der genaue Reparaturort noch ein künftiger Betreiber wurden dabei benannt. Die türkische Eigentümerfirma unterhält nach eigenen Angaben kein einziges schwimmendes Kraftwerk auf den Bahamas – und es liegt auch kein bekannter Vertrag vor. Das Land setzt energiepolitisch ohnehin auf Flüssigerdgas, nicht auf gecharterte Diesel-Kraftwerksschiffe. Angesichts des Alters und Zustands von "La Isabela" gilt es als plausibel, dass das Schiff in Kuba schlicht ausgeschlachtet wird, um brauchbare Teile für andere Anlagen der Flotte zu gewinnen. Kubas Stromnetzbetreiber winkt ab
Die staatliche Unión Eléctrica (UNE) äußerte sich nur knapp über einen Facebook-Beitrag zu der Ankunft. Die neue Einheit werde nicht in das nationale Stromnetz eingespeist, hieß es dort, sie komme aus der Dominikanischen Republik und ihr einziger Zweck bestehe darin, im Hafen von Asticar gewartet zu werden. Details zu Eigentümerschaft, Kosten oder weiterem Verbleib blieben aus – ein Muster, das sich bei früheren Ankünften und Abzügen türkischer Kraftwerksschiffe in Kuba bereits wiederholt gezeigt hat.
Geschleppt wurde die Anlage von der "Karadeniz One", einem 80 Meter langen Hilfsschiff unter liberianischer Flagge. Just in den Tagen, in denen sich die Energiekrise in Havanna erneut zuspitzte, weckte die Silhouette der beiden Schiffe am Horizont bei vielen Einwohnern kurzzeitig Hoffnung auf Entlastung bei den Stromausfällen – eine Hoffnung, die sich angesichts der UNE-Erklärung als verfrüht erweist. Hintergrund: Wie Kuba von türkischen Kraftwerksschiffen abhängig wurde
Der Fall "La Isabela" ist nur die jüngste Episode einer Beziehung, die seit 2019 für Kubas Energieversorgung überlebenswichtig geworden ist. Die schwimmenden Kraftwerke des türkischen Konzerns Karpowership – einer Tochter der Karadeniz Holding und weltweit einzigem Anbieter einer eigenen Flotte solcher Schiffe – dienen der Regierung in Havanna als schnelle "Plug-and-Play"-Lösung gegen den chronischen Verfall des nationalen Netzes. Weil Kubas Kraftwerke im Schnitt über 40 Jahre alt sind, mit einem Wirkungsgrad von nur rund 34 Prozent arbeiten und zusätzlich unter US-Sanktionen leiden, die den Ölimport erschweren, least Havanna die Schiffe, statt in eigene Infrastruktur zu investieren. Sie ankern in Häfen wie Havanna, Mariel oder Santiago de Cuba, verbrennen dort Schweröl, Diesel oder Flüssigerdgas und speisen den erzeugten Strom direkt über Kabelverbindungen ins Netz ein.
Auf dem Höhepunkt der Zusammenarbeit im Jahr 2023 betrieb Kuba bis zu acht dieser schwimmenden Kraftwerke gleichzeitig; sie erzeugten damals schätzungsweise 20 bis 25 Prozent des gesamten Inselstroms. Der damalige Energie- und Bergbauminister Vicente de la O Levy räumte im Dezember 2024 vor dem Parlament ein, dass nur noch drei der acht Einheiten verblieben waren – begründet mit fehlenden Devisen zur Begleichung der Leasingkosten, die sich laut Presseberichten auf bis zu 172.800 US-Dollar pro Schiff und Tag belaufen konnten. Nach der Abreise der "Suheyla Sultan" im August 2025 zog sich die Flotte weiter zusammen; bis Mai 2025 hatten die Türken wegen ausstehender Zahlungen zeitweise sämtliche Kraftwerksschiffe abgezogen, was die Stromausfälle auf der Insel massiv verschärfte. Erst nach mehreren totalen Zusammenbrüchen des nationalen Netzes im März 2026 – darunter ein Totalausfall am 16. März, der rund zehn Millionen Menschen betraf – kehrten türkische Kraftwerksschiffe zurück. Seit April 2026 unterstützt neben der "Erol Bey" (63 Megawatt Nennleistung, vor Regla verankert) nach Angaben türkischer und internationaler Medien auch wieder die "Belgin Sultan" (bis zu 76 Megawatt) die Stromerzeugung in Havanna. Kubas Energieministerium bezifferte die gemeinsame installierte Leistung beider Schiffe Anfang April auf 124 Megawatt.
Quellen: 14ymedio, El Día, Facebook/Unión Eléctrica de Cuba, PortNews, Türkiye Today, UPI, GEM.wiki, News at Sea
Autor: Leon Latozke
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