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14.08.2026 07:00 Uhr
Die Dominikanische Republik hat neun Mitarbeiter der kubanischen Botschaft samt Familien ausgewiesen – ohne Angabe von Gründen. Nach Ecuador und Costa Rica ist es das dritte Land, das Havanna in diesem Jahr zum Abzug von Personal zwingt.
Abbildung: Symbolbild. Diplomatische Krise zwischen Havanna und Santo Domingo.
Die Regierung der Dominikanischen Republik hat neun Mitglieder der kubanischen Botschaft in Santo Domingo aufgefordert, das Land zu verlassen. Betroffen sind auch deren Familienangehörige; die Frist beträgt sieben Tage und endet damit am Sonntag, dem 16. August. Das Außenministerium (Mirex) teilte die Entscheidung am Donnerstag in einer knappen Mitteilung mit – ohne die Gründe zu nennen. Nach Angaben der dominikanischen Tageszeitung „Listín Diario" müssen insgesamt rund 21 Personen ausreisen.
Das Ministerium verwies lediglich darauf, die Maßnahme bewege sich im Rahmen dessen, was das Völkerrecht dem Empfangsstaat zugestehe, und stütze sich auf das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen. Man werde die Angelegenheit „mit der gebotenen Diskretion" über die etablierten diplomatischen Kanäle weiterführen, um die Beziehungen zwischen beiden Ländern zu bewahren. Weitere Auskünfte werde es nicht geben. Formal keine „Persona non grata"
Den Ausdruck persona non grata vermied Santo Domingo öffentlich. Der Sache nach entspricht das Vorgehen jedoch Artikel 9 des Wiener Übereinkommens, der es einem Staat erlaubt, die Abberufung von Mitgliedern einer Mission zu verlangen, ohne dies begründen zu müssen. Außenminister Roberto Álvarez bestätigte die Ausweisung später und betonte, es handele sich nicht um einen Bruch mit Kuba, sondern um eine Maßnahme gegen einzelne Funktionäre.
Weder die Namen noch die Funktionen der neun Diplomaten wurden bekannt. Diese Informationslücke hat Spekulationen über nachrichtendienstliche Aktivitäten oder ein mit dem Diplomatenstatus unvereinbares Verhalten befeuert. Der kubanische Botschafter Ángel Arzuaga hatte gegenüber Medien am Donnerstagmorgen noch gesagt, das Außenministerium habe ihn nicht über einen Abzug informiert. Havanna spricht von US-Druck
Kubas Außenminister Bruno Rodríguez wies die Entscheidung „auf das Schärfste" zurück. Es gebe keinerlei Grund, der dieses Vorgehen rechtfertige; die einzige Erklärung sei die Unterwerfung der dominikanischen Regierung unter den Druck der USA, die Kuba isolieren und seine Beziehungen zu den Ländern der Region beschädigen wollten. In seiner Erklärung sprach Rodríguez von zehn ausgewiesenen Funktionären – die dominikanische Seite nennt neun. Das kubanische Außenministerium erklärte, der Schritt beschädige die bilateralen Beziehungen spürbar, werde die historischen Bindungen zwischen beiden Völkern aber nicht berühren.
Die Größenordnung ist ungewöhnlich: Einzelne Ausweisungen dienen meist als politische Geste oder Reaktion auf konkrete Vorfälle. Der gleichzeitige Abzug von neun Botschaftsmitarbeitern deutet dagegen auf ein Problem hin, das die dominikanischen Behörden als weitreichender einstufen. Symbolträchtiges Datum
Die Ankündigung fiel auf den 13. August – den 100. Geburtstag Fidel Castros. Erst einen Tag zuvor hatte die staatliche kubanische Agentur Prensa Latina einen ausführlichen Text über die historischen Verbindungen Castros zur Dominikanischen Republik veröffentlicht: von seiner Teilnahme an der Expedition von Cayo Confites 1947 über den Staatsbesuch in Santo Domingo 1998 bis zu seinem Verhältnis zum früheren Präsidenten Juan Bosch.
Das Verhältnis zwischen beiden Ländern hatte sich schon länger abgekühlt. Im Mai hatte Präsident Luis Abinader in einem Interview erklärt, Kuba sei „offensichtlich kein demokratischer Staat"; er glaube, die Führung in Havanna erkenne selbst die Notwendigkeit von Veränderungen. Bei der Abstimmung der UN-Generalversammlung über die Aufhebung des US-Embargos enthielt sich Santo Domingo. Zuvor hatte die dominikanische Regierung Kuba gemeinsam mit Venezuela und Nicaragua vom Amerika-Gipfel in Punta Cana ausgeschlossen, der schließlich nicht stattfand. Dritter Rückschlag binnen fünf Monaten
Die Entscheidung kommt rund fünf Monate, nachdem Ecuador das gesamte Personal der kubanischen Botschaft zur unerwünschten Person erklärt und die Schließung der Mission angeordnet hatte – begründet mit wiederholter Einmischung kubanischer Funktionäre in innere Angelegenheiten. Havanna nannte den Schritt „willkürlich" und „unfreundlich". Zwei Wochen später schloss Costa Rica seine Botschaft in Havanna und reduzierte die Beziehungen unter Verweis auf die Menschenrechtslage auf die konsularische Ebene.
Ein weiterer Verlust zeichnet sich in Kolumbien ab: Der am 7. August vereidigte Präsident Abelardo de la Espriella hat bekräftigt, die diplomatischen Beziehungen zu Kuba und Nicaragua abzubrechen – das Ende der Annäherung unter Gustavo Petro. Der Staatssender teleSUR ordnet die Ausweisung in eine breitere wirtschaftliche und politische Offensive der US-Regierung gegen Kuba ein und verweist auf ein Treffen der „Koalition der Amerikas gegen die Kartelle" in Panama, an dem auch die Dominikanische Republik teilnahm. Angesichts der Verschwiegenheit beider Seiten dürften die konkreten Gründe kurzfristig kaum bekannt werden. Der Umfang der Maßnahme, die Weigerung Santo Domingos, sie zu erläutern, und die jüngsten Vorgänge in Quito und San José verdichten sich jedoch zu einem Befund: Kubas Diplomatie erlebt in Lateinamerika eine der isoliertesten Phasen seit Beginn der Amtszeit von Miguel Díaz-Canel. Autor: Leon Latozke
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