Neues aus Kuba
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04.08.2026 23:30 Uhr
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Nach zwei landesweiten Stromausfälle binnen 24 Stunden meldet Kubas Energieversorger UNE meldet die Wiederherstellung des Nationalen Stromnetzes. Doch in Havanna bleibt fast zwei Drittel der Bevölkerung ohne Strom – und die Geduld der Menschen ist erschöpft.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: YouTube Video. Rechte beim Uploadenden.
Kuba hat am Dienstag (4.) sein nationales Stromnetz (Sistema Electroenergético Nacional - SEN) nach zwei aufeinanderfolgenden flächendeckenden Zusammenbrüchen wiederhergestellt. Der staatliche Energieversorger Unión Eléctrica (UNE) teilte gegen 11:35 Uhr Ortszeit mit, das SEN sei wieder verbunden, nachdem Block 8 des Wärmekraftwerks „Máximo Gómez" ans Netz gegangen war. Es war bereits der siebte massive Blackout des Jahres 2026.
Zwei Kollapse in weniger als 24 Stunden
Der erste Totalausfall ereignete sich am Sonntagabend um 22:43 Uhr, wenige Stunden nach einem regionalen Teilausfall im Westen der Insel. Techniker arbeiteten die gesamte Nacht sowie den Montag über an der schrittweisen Wiederverbindung des Netzes – beginnend mit den Wärmekraftwerken in Mariel und Santa Cruz del Norte. Gegen 17:05 Uhr am Montag warfen jedoch Gewitter und starke Regenfälle im Westen der Insel das bereits mühsam wieder aufgebaute Teilnetz erneut komplett aus dem Betrieb. Laut Félix Estrada Rodríguez, Direktor der nationalen Lastverteilung, beschädigten die Wetterereignisse Übertragungsleitungen und warfen alle bereits synchronisierten Erzeugungseinheiten wieder ab.
Die UNE begründete den zweiten Ausfall offiziell mit „widrigen meteorologischen Ereignissen". Der Wiederaufbau des Netzes gilt als aufwendiger, mehrstufiger Prozess, der laut UNE-Angaben regulär 24 Stunden und länger dauern kann: Zunächst werden einfach anlaufende Quellen – Solar-, Wasserkraft- und Dieselgeneratoren – genutzt, um kleine Versorgungsinseln aufzubauen, die anschließend schrittweise miteinander verbunden werden, bis genug Energie zu den Wärmekraftwerken fließt, dem Rückgrat der kubanischen Stromerzeugung. Offizielle Zahlen und gefühlte Realität klaffen auseinander
Am Dienstagvormittag war das Netz nach UNE-Angaben von Pinar del Río bis Holguín wieder verbunden, während in den östlichen Provinzen Santiago de Cuba, Guantánamo und Granma weiter gearbeitet wurde. In Havanna waren zu diesem Zeitpunkt zwischen 124 der insgesamt 286 Verteilerstromkreise wieder aktiv – das entspricht 42 Prozent der Hauptstadtbevölkerung. Rund 325.000 Haushalte sowie 40 von 45 Krankenhäusern und neun von 18 Wasserpumpsystemen hatten wieder Strom.
Die offizielle Meldung der „Wiederherstellung" deckt sich jedoch nicht mit den Erfahrungen vieler Kubaner. In sozialen Netzwerken beklagten zahlreiche Nutzer weiterhin Ausfälle von 50 bis 72 Stunden. Die UNE sah sich gezwungen, in ihren offiziellen Berichten klarzustellen: Auch wenn ein Stromkreis technisch wieder verbunden sei, könnten Kunden weiterhin ohne Strom bleiben – von den wiederhergestellten Kreisen seien 56 von Erzeugungsdefiziten und neun von technische Störungen betroffen. Proteste in Havanna
Der Blackout, der in manchen Vierteln über drei Tage andauerte, löste erneut Proteste aus. In der Altstadt Havannas und im Stadtteil Belén, veranstalteten Anwohner einen Cacerolazo – lautstarkes Protestieren mit Kochtöpfen. „Seit drei Tagen gibt es keinen Strom, es passiert nichts, und es kommt kein Funktionär", zitierten Medien eine Anwohnerin. Auch in der Calle Obispo im selben Bezirk wurde nach 48 Stunden Ausfall mit Topfschlägen protestiert.
Selbst mit wiederhergestelltem SEN bleibt die Versorgung fernab der Normalität: Bewohner Havannas berichten von „Alumbrones" – Stromphasen von unter drei Stunden – im Wechsel mit bis zu 20-stündigen Ausfällen. In den Provinzen ist die Lage nach übereinstimmenden Berichten noch gravierender, mit täglichen Ausfällen von teils über 20 Stunden in der Hauptstadt und bis zu drei Tagen in den übrigen Landesteilen. Regierung verweist auf US-Embargo
Kubas Außenminister Bruno Rodríguez erklärte auf X, die wiederholten Zusammenbrüche des SEN seien „direkte Folgen der genozidalen Blockade der USA gegen Kuba" und verwies darauf, dass die Sanktionen die Beschaffung von Ersatzteilen, internationale Zusammenarbeit und den Zugang zu Finanzierung erschwerten.
Die Energiekrise war jedoch bereits vor den jüngsten US-Restriktionen gravierend. Kuba hat in zwei Jahren zwölf flächendeckende Blackouts erlebt – eine Folge veralteter Infrastruktur, jahrelang unterbliebener Wartung und akuten Brennstoffmangels. Verschärft wurde die Lage 2026 zusätzlich durch eine seit Januar von der US-Regierung verhängte Ölblockade, die Rohölimporte nach Kuba faktisch vollständig unterbunden hat. Nach unabhängigen Schätzungen benötigt die Insel täglich gut 100.000 Barrel Öl, um ihren Energiebedarf zu decken – aus eigener Produktion stammen davon lediglich rund 40.000 Barrel. Für eine grundlegende Sanierung des Stromnetzes wären laut Berechnungen zwischen 8 und 10 Milliarden US-Dollar nötig. Autor: Leon Latozke
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