Neues aus Kuba
Aktuelle Nachrichten und Meldungen, Analysen und Hintergrundinformationen
|
Kuba verzeichnet im ersten Halbjahr 2025 einen drastischen Rückgang im internationalen Tourismus: Die Zahl der Besucher sank um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders betroffen sind zentrale Herkunftsländer wie Kanada und Russland.
Der kubanische Tourismussektor ist im ersten Halbjahr 2025 deutlich eingebrochen. Nach Angaben des Nationalen Amts für Statistik und Information (ONEI) besuchten in den ersten sechs Monaten des Jahres lediglich 981.856 internationale Gäste die Insel – rund ein Viertel weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Mit diesem Rückgang verschärft sich die Krise in einem Bereich, der über Jahre hinweg als tragende Säule der kubanischen Wirtschaft galt.
Die Zahlen lassen kaum Zweifel daran, dass die angestrebte Zielmarke von 2,6 Millionen internationalen Besuchern im laufenden Jahr verfehlt wird. Bereits 2024 hatte Kuba lediglich 2,2 Millionen Gäste registriert. In den Jahren zuvor lag die Zahl mit 2,4 Millionen (2023) und 1,6 Millionen (2022) ebenfalls deutlich unter dem Vorkrisenniveau. 2018 und 2019 hatte das Land jeweils mehr als vier Millionen Touristen empfangen. Diese Höchststände wurden durch eine zwischenzeitliche Annäherung an die Vereinigten Staaten und eine Lockerung von Reisebeschränkungen begünstigt. Seither hat sich das Umfeld jedoch fundamental verändert. Rückgänge in nahezu allen Herkunftsländern Besonders stark betroffen ist der kanadische Markt, der traditionell den größten Anteil am kubanischen Fremdenverkehr stellt. Hier sank die Zahl der Besucher im ersten Halbjahr 2025 um 25,9 Prozent auf rund 428.000. Auch der russische Markt, auf den die Regierung in den vergangenen Jahren verstärkt gesetzt hatte, brach um 43,5 Prozent ein. In den übrigen wichtigen Herkunftsländern – darunter die USA, Deutschland, Frankreich, Mexiko, Argentinien, Spanien und Italien – kam es zu zweistelligen Rückgängen. Lediglich aus Kolumbien reisten mehr Menschen nach Kuba als im Vorjahr; der Anstieg lag bei 2,4 Prozent. Auch die Zahl der Reisen von Exilkubanern sank spürbar – von 155.175 im ersten Halbjahr 2024 auf 120.423 in der aktuellen Periode. Die Entwicklung im Tourismus ist ein Spiegelbild der insgesamt angespannten wirtschaftlichen Lage auf der Insel. Kuba befindet sich in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Neben einer chronischen Versorgungsknappheit belasten massive Energieausfälle weite Teile des Landes. In vielen Regionen sind tägliche Stromabschaltungen von bis zu 20 Stunden keine Ausnahme. Flugverbindungen wurden reduziert, die internationale Anbindung ist eingeschränkt, und die wirtschaftlichen Folgen der US-Sanktionen wirken weiterhin fort. Tourismusminister Juan Carlos García Granda räumte zuletzt im kubanischen Parlament ein, dass sich der Sektor in seiner schwierigsten Lage seit dem Jahr 2001 befinde – ausgenommen die Zeit der COVID-19-Pandemie. Der Minister bestätigte damit indirekt, was Beobachter seit längerem konstatieren: Der kubanische Tourismus hat seinen Status als Wachstumsmotor der Volkswirtschaft eingebüßt. Vergleich mit der Region fällt negativ aus Im regionalen Vergleich zeigt sich die Krise besonders deutlich. Während andere karibische Destinationen wie Cancún in Mexiko oder Punta Cana in der Dominikanischen Republik touristische Rekorde melden, verzeichnet Kuba ein deutliches Minus. Die Gründe dafür reichen über infrastrukturelle Mängel hinaus. Viele potenzielle Reisende empfinden das Angebot als unzureichend, die Versorgungslage als problematisch und die Preis-Leistungs-Verhältnisse als ungünstig. Der Rückgang ist somit nicht allein Ergebnis äußerer Rahmenbedingungen, sondern verweist auf strukturelle Schwächen im Tourismusmodell des Landes. Der kubanische Ökonom Pedro Monreal bewertete die Halbjahresbilanz als „desaströs“. Auf der Plattform X schrieb er, dass Kanada, Exilkubaner und US-Amerikaner gemeinsam knapp 68 Prozent der internationalen Besucher stellten. Das zeige nicht nur die starke Konzentration auf wenige Märkte, sondern auch die Verwundbarkeit des Sektors. Besonders auffällig sei der Einbruch bei den russischen Gästen, deren Zuwachs von staatlicher Seite gezielt gefördert worden war. Der Rückgang im Tourismussektor hat direkte Auswirkungen auf die Deviseneinnahmen des Landes. Der Tourismus war in den letzten Jahrzehnten – neben dem Export medizinischer Dienstleistungen und Geldüberweisungen aus dem Ausland – eine der wichtigsten Einnahmequellen Kubas. Eine anhaltende Schwäche in diesem Bereich verschärft den Druck auf die ohnehin fragile Wirtschaftslage zusätzlich. Laut offiziellen Angaben schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt 2024 um 1,1 Prozent. Unabhängige Analysten gehen von einer noch stärkeren Kontraktion aus. In den letzten fünf Jahren ist das BIP insgesamt um rund elf Prozent zurückgegangen. Die wirtschaftlichen Belastungen treffen breite Teile der Bevölkerung. Fast 40 Prozent der Rentner erhalten lediglich die staatlich garantierte Mindestrente von umgerechnet etwa fünf US-Dollar pro Monat. Perspektiven ungewiss Angesichts der aktuellen Entwicklungen sind kurzfristige Verbesserungen im Tourismussektor kaum zu erwarten. Selbst wenn sich einzelne Herkunftsmärkte stabilisieren sollten, bleibt das strukturelle Defizit bestehen. Ohne tiefgreifende wirtschaftliche und infrastrukturelle Reformen dürfte Kuba weiterhin hinter den Erfolgen vergleichbarer Reiseziele in der Region zurückbleiben. Die touristische Krise ist damit nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein politisches Problem. Sie stellt die Fähigkeit der Regierung infrage, in einem für das Land zentralen Wirtschaftsbereich tragfähige Perspektiven zu entwickeln – mit direkten Auswirkungen auf die gesamte wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität der Insel.
Quelle: ONEI (https://t1p.de/6ll9g)
Anzeige (G2)
|
|
Letzte Meldungen
Text: Leon Latozke
Anzeige (G1)
(adsbygoogle = window.adsbygoogle || []).push({});
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
|
|
| Anzeige (G3) |