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Drei Durchschnittslöhne für Grundversorgung – Studie offenbart dramatische Versorgungslage in Kuba15/8/2025 ![]()
Eine neue Studie der NGO Food Monitor Program offenbart das Ausmaß der Versorgungskrise in Kuba: Für eine minimale Grundversorgung mit Lebensmitteln braucht ein Paar in Havanna drei Durchschnittsgehälter – ein für die meisten unerreichbarer Betrag.
15.08.2025 09:30 Uhr
Ein aktueller Bericht der unabhängigen Organisation Food Monitor Program (FMP) verdeutlicht die dramatische Verschlechterung der Ernährungslage in Kuba. Demnach müsste ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in Havanna rund drei Monatsgehälter aufbringen, um dieKosten für die offizielle Grundnahrungsmittelauswahl zu decken. Selbst bei einer stark eingeschränkten, nur knapp ausreichenden Ernährung übersteigt der Bedarf die finanziellen Möglichkeiten der meisten Familien deutlich.
Die Untersuchung, die über sechs Monate hinweg die Preise von 29 Produkten aus acht Lebensmittelgruppen in staatlichen und privaten Geschäften erhob, kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: Zwei Erwachsene benötigen in Havanna monatlich 41.735 Pesos (etwa 347,7 US-Dollar zum offiziellen Kurs), um den minimalen Nahrungsbedarf zu decken. Diese Summe entspricht fast 20 gesetzlichen Mindestlöhnen oder zwei Jahren Mindestrente. Der derzeitige Mindestlohn liegt bei 2.100 Pesos (17,5 US-Dollar), das Durchschnittsgehalt liegt in Havanna bei 6.154 Pesos /(51,20 US.Dollar) , die Mindestrente bei 3.056 Pesos (25,4 US-Dollar). Laut FMP zwingt die wirtschaftliche Realität viele Haushalte, bei der Ernährung gravierende Abstriche zu machen. Hochwertige Produkte wie Rindfleisch oder Fisch werden durch billigere, nährstoffärmere Ersatzprodukte wie Wurst oder Hackfleisch ersetzt, die Auswahl an frischem Obst ist auf wenige saisonale Sorten begrenzt. Der Mangel an Abwechslung und Nährstoffen führt zu einer „versteckten Hungerproblematik“, die langfristig sowohl die körperliche als auch die geistige Entwicklung beeinträchtigt und das Risiko für Mangelkrankheiten erhöht. Eine im Mai vorgestellte FMP-Umfrage zeigt, dass 42,2 Prozent der Befragten ihr gesamtes Einkommen für Lebensmittel ausgeben. 55,1 Prozent gaben an, täglich drei Mahlzeiten zu sich zu nehmen, 29 Prozent zwei, 11,9 Prozent mehr als drei und vier Prozent nur eine. Bereits 2024 hatten laut einer weiteren Erhebung mehr als 80 Prozent der Haushalte höhere Lebensmittelkosten als ihre formalen Einkommen erlaubten. Das FMP ist nach eigenen Angaben eine unabhängige, zivilgesellschaftliche Initiative, die sich auf die Überwachung und Analyse der Ernährungssicherheit in Kuba konzentriert. Es wird von der kolumbianischen Forschungsorganisation 4Métrica unterstützt. Seit 2022 führt das Programm landesweite Umfragen durch, um die Verfügbarkeit, Zugänglichkeit und Qualität von Lebensmitteln zu bewerten und die Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit zu dokumentieren. Die Methodik der FMP ist nachvollziehbar und ihre Ergebnisse finden regelmäßig Eingang in nationale und internationale Medien. Die Angaben zur Finanzierung der NGO sind jedoch nicht öffentlich – weder staatliche Fördermittel noch private Spender werden ausgewiesen. Dies schränkt die abschließende Einschätzung der Unabhängigkeit ein, kann aber in einem politisch sensiblen Umfeld auch als Schutzmaßnahme verstanden werden. Ungeachtet dessen gelten ihre Studien als zuverlässige Indikatoren für die zunehmende Prekarisierung der Ernährungssituation auf Kuba. Sie machen deutlich, dass selbst der Bezug einer minimalen Grundversorgung für die Mehrheit der Bevölkerung eine fast unerreichbare Herausforderung bleibt – ein Umstand, der direkte Auswirkungen auf Gesundheit, soziale Stabilität und die Gestaltung künftiger Sozialpolitik hat.
Quellen: Food Monitor Programm (https://t1p.de/mob3f, https://t1p.de/3x157), EFE (https://t1p.de/7bbit)
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Text: Leon Latozke
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