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06.07.2026 22:00 Uhr
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Kuba erlebt den dritten landesweiten Stromausfall innerhalb von sechs Monaten. Die Insel, die bereits unter einem maroden Stromnetz leidet, wird durch die US-Ölblockade zusätzlich in die Knie gezwungen
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Kubas staatliche Stromversorger UNE bestätigte am Montag (6.) eine „totale Trennung vom nationalen Stromerzeugungssystem" und kündigte an, die Ursachen zu untersuchen. Es ist bereits der achte landesweite Ausfall dieser Art seit Ende 2024 – und der dritte allein in den vergangenen sechs Monaten. Für die rund 9,6 Millionen Einwohner Kubas ist der totale Blackout damit längst keine Ausnahme mehr, sondern ein wiederkehrendes Element des Alltags.
Die kubanische Stromversorgung stützte sich schon vor der aktuellen Krise auf marode, größtenteils aus der Sowjetzeit stammende Kraftwerke. Doch seit Januar 2026 hat sich die Lage dramatisch zugespitzt: Die US-Regierung unter Trump hat die Öllieferungen an Kuba weitgehend gekappt. Seither durfte lediglich ein einziger Öltanker – aus Russland – im Land anlegen. Diese restriktive Politik ist Teil einer breiter angelegten Sanktionsstrategie gegen den kubanischen Staat und gegen ausländische Unternehmen, die Geschäfte mit Havanna unterhalten. Washington verfolgt damit erklärtermaßen das Ziel, das seit über sechs Jahrzehnten bestehende politische System der Insel zu destabilisieren. Trump verweist dabei ausdrücklich auf den Sturz des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und die Installation einer Washington-freundlichen Nachfolgeregierung als mögliches Vorbild für sein Vorgehen gegenüber Kuba. Die kubanische Regierung hat wiederholt klargestellt, dass ihr politisches Modell nicht verhandelbar sei, und angekündigt, sich einer militärischen Intervention notfalls mit Waffengewalt zu widersetzen. Die konkreten Folgen der Energiekrise treffen die Bevölkerung mit voller Wucht. In Teilen Havannas dauern die verordneten Stromabschaltungen inzwischen über 30 Stunden am Stück, in ländlichen Regionen sind es teils über 70 Stunden. Bewohner berichten, dass ihre Viertel im Schnitt nur noch drei bis vier Stunden Strom pro Tag erhalten – wenn überhaupt. Besonders belastend ist dabei nach Aussagen Betroffener die Unvorhersehbarkeit: Anders als bei den regulären, angekündigten Lastabwürfen weiß bei einem totalen Systemausfall niemand, wann die Versorgung zurückkehrt. Für die digitale Ökonomie der Insel, die in den vergangenen Jahren spürbar gewachsen ist, wirkt sich das besonders schwer aus. Ohne Strom fällt auch das Internet aus, was Selbstständige, Freiberufler und insbesondere die wachsende Zahl junger Kubaner, die in der IT- und Tourismusbranche für internationale Auftraggeber arbeiten, faktisch lahmlegt. Ganze Erwerbszweige, die als eine der wenigen Wachstumsbranchen der kubanischen Wirtschaft gelten, stehen so tagelang still. Die aktuelle Situation reiht sich in eine bereits seit Jahren andauernde strukturelle Krise ein, die Kubakunde in den vergangenen Monaten wiederholt beleuchtet hat – etwa im Zusammenhang mit dem Rückzug von Western Union aus dem Überweisungsgeschäft, der Talfahrt des kubanischen Peso auf dem informellen Devisenmarkt oder den wirtschaftlichen Reformversuchen der Regierung. Die Kombination aus einer überalterten Energieinfrastruktur, ausbleibenden Investitionen und nun einer gezielten außenpolitischen Zuspitzung durch Washington verdichtet sich zu einer Lage, die Beobachter zunehmend als multiple Krise beschreiben: Energie, Währung, Versorgung und Außenpolitik verstärken sich gegenseitig. Erst im vergangenen Monat hatte die Regierung ein weitreichendes Paket marktwirtschaftlicher Reformen vorgestellt, das die staatliche Kontrolle über die Wirtschaft drastisch reduzieren soll. Das US-Außenministerium wies dies jedoch als „oberflächliche Rauchzeichen“ zurück und ließ verlauten, Trump warte auf „weitaus substanziellere wirtschaftliche und politische Reformen, die Kuba investitionswürdig machen“ und den Kubanern politische Freiheit gewähren. Beide Seiten haben mehrere Gesprächsrunden absolviert, doch Außenminister Bruno Rodríguez erklärte letzte Woche, man habe „keine Fortschritte“ auf dem Weg zu einer Lösung der Krise erzielt. Am Montag beschuldigte Havanna Washington, eine Debatte über seine Ölblockade und Sanktionen bei den Vereinten Nationen zu verhindern. Die Lage bleibt angespannt, die Verzweiflung in der Bevölkerung wächst. Autor: Leon Latozke
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