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12.08.2026 07:00 Uhr
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Eine NYT-Recherche belastet Raúl Castros Enkel: Gerichtsdokumente aus Miami sollen zeigen, dass „El Cangrejo" ein Schmuggelnetzwerk zwischen Kuba und Mexiko gedeckt hat.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Im Rahmen eines US-Verfahrens gegen die sogenannte kubanische Mafia im mexikanischen Bundesstaat Quintana Roo hat ein verurteilter Angeklagter Rodríguez Castro, Enkel des früheren Staatschefs Raúl Castro und einer der wichtigsten informellen Gesprächspartner Washingtons in den Verhandlungen mit Havanna, belastet. Das berichtet die New York Times (NYT) unter Berufung auf Dokumente eines Bundesgerichts in Miami sowie auf Aussagen verurteilter Mitglieder der sogenannten „Mafia Cubana de Quintana Roo".
Die Organisation soll über Jahre gestohlene Boote aus Florida genutzt haben, um kubanische Migranten nach Mexiko zu bringen, wo sie laut den Ermittlungsunterlagen festgehalten wurden, bis sie für ihre Weiterreise zahlten. Über dieselben Kanäle sei zugleich Schmuggelware nach Kuba gebracht worden, offenbar bezahlt mit in den USA gestohlenen Kreditkarten. Im Zentrum der Vorwürfe steht der 42-jährige Rodríguez Castro, bekannt unter dem Spitznamen „El Cangrejo" – „die Krabbe" – wegen eines sechsten Fingers, mit dem er geboren wurde. Der Oberst im kubanischen Innenministerium war jahrzehntelang vor allem als persönlicher Leibwächter seines Großvaters bekannt und tauchte auf Fotos an dessen Seite bei Treffen mit Staats- und Regierungschefs wie Wladimir Putin oder Barack Obama auf. Laut den von der Times eingesehenen Gerichtsakten sagte José Miguel González Vidal, ein wegen seiner Rolle in dem Netzwerk zu 25 Jahren Haft verurteilter Kubaner, aus, er habe Rodríguez Castro ein Boot des Typs Fountain 38 geschenkt. Weitere Zeugen berichten von einer Rolex-Uhr, einem Suzuki-Motorrad und Kleidungsstücken der Marke Louis Vuitton als Gegenleistung. Im Gegenzug habe der Castro-Enkel dafür gesorgt, dass kubanische Küstenwache und Zoll den Schmuggelbetrieb in Ruhe ließen, und gesuchten Kriminellen freien Zugang zur Insel ermöglicht. Zu den Migranten, die über das Netzwerk aus Kuba herausgeschleust wurden, gehörten demnach auch die späteren MLB-Profis Yasiel Puig und Adeiny Hechavarría. Die Ermittlungen gegen die „Mafia Cubana de Quintana Roo" hatten bereits 2020 zu mindestens 21 Verurteilungen geführt, teils zu mehrjährigen Haftstrafen. Kubas Vizeaußenminister Carlos Fernández de Cossío wies die Vorwürfe gegenüber der Times als Verleumdung zurück. Zwar bestreite niemand, dass es in Lateinamerika kriminelle Organisationen gebe, die vom Migrantenschmuggel in die USA profitierten – eine Verbindung zur kubanischen Regierung existiere jedoch nicht. Rodríguez Castro selbst hat sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert; auf US-Sanktionslisten steht er weiterhin nicht. Die Enthüllungen treffen ihn zu einem heiklen Zeitpunkt. Seit Jahresbeginn 2026 hat sich der Oberst zu einem der wichtigsten inoffiziellen Kontakte zwischen Havanna und der Regierung Trump entwickelt: Er sprach im Januar mit Außenminister Marco Rubio, traf sich im April mit dessen faktischem Kuba-Sonderbeauftragten Jeremy Lewin und war im Mai bei einem Besuch von CIA-Direktor John Ratcliffe in Havanna zugegen. In einem Interview mit USA Today positionierte er sich im Juni als möglicher Gesprächspartner für direkte Verhandlungen mit Washington über Kubas Zukunft, ohne dabei die Prinzipien der Revolution von 1959 infrage zu stellen. Laut einem weiteren NYT-Bericht wird er in US-Regierungskreisen inzwischen sogar als mögliche Übergangsfigur gehandelt, sollte es in Kuba zu einem Machtwechsel kommen – ein Szenario, das an die Rolle erinnert, die Delcy Rodríguez nach der Festnahme von Nicolás Maduro in Venezuela übernahm. Die Vorwürfe fallen in eine Phase extremen Drucks auf Havanna: Seit Januar 2026 hat die Trump-Regierung mehr als 240 Sanktionen gegen Kuba verhängt, darunter eine faktische Ölblockade, die die kubanischen Energieimporte um 80 bis 90 Prozent einbrechen ließ und in weiten Teilen des Landes zu Stromausfällen von bis zu 25 Stunden täglich führt. Für 2026 wird ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 6,5 Prozent erwartet. Ob die Vorwürfe Rodríguez Castros Rolle als informellen Vermittler beschädigen, dürfte auch davon abhängen, wie die Trump-Regierung selbst reagiert. Eine offizielle Stellungnahme aus Washington dazu steht bislang aus.
Quelle: NYT
Autor: Leon Latozke
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