Neues aus Kuba
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04.08.2026 12:00 Uhr
Einem Bericht des US-Außenministeriums zufolge stellt Kuba eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA dar. Die kolumbianische Aktivistin und Petro-Vertraute Lilia Solano kritisiert in ihrem Meinungsbeitrag für EL PAÍS das Dokument scharf.
Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Die spanische Tageszeitung EL PAÍS hat unter der Überschrift „Tödlicher Schlag gegen Kuba“ einen pointierten Meinungsbeitrag der Autorin Lilia Solano veröffentlicht, der sich mit einem am 20. Juli 2026 vorgestellten Bericht des US-Außenministeriums auseinandersetzt. Der rund 100 Seiten starke Bericht trägt den Titel "Kuba: Die Hauptstadt des Kommunismus im 21. Jahrhundert" und stuft die Karibikinsel als Bedrohung für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten ein.
Bei der Vorstellung des Berichts erklärte US-Außenminister Marco Rubio, dessen Eltern aus Kuba stammen, das Land sei ein gescheiterter Staat nur 150 Kilometer von der amerikanischen Küste entfernt, der zudem als freundliches Territorium für einige Gegner der USA diene. Der Bericht behauptet zudem, Havanna stehe hinter einem Spionagenetzwerk in hohen US-Regierungskreisen sowie hinter linkem politischen Aktivismus und gewaltbereitem Linksextremismus in den Vereinigten Staaten. Solanos Kritik: Konstruierte Kontinuität statt Beweise
Die Autorin wirft dem Bericht vor, eine Verbindungslinie von der kubanischen Revolution 1959 bis zur heutigen politischen Situation der US-amerikanischen Linken zu ziehen – ohne diese Verbindung tatsächlich zu belegen. Sie ordnet den Ton des Dokuments in die Rhetorik des Kalten Krieges ein und stützt sich dabei auf den argentinisch-mexikanischen Philosophen Enrique Dussel (1934–2023), den sie mit der These zitiert, der Kalte Krieg sei für die Weltmächte zwar "kalt", für die Völker des Globalen Südens aber "blutig und real" gewesen.
Dussel gilt als Begründer der Filosofía de la Liberación (Philosophie der Befreiung), einer lateinamerikanischen Denkrichtung, die sich seit den 1970er-Jahren explizit gegen den Eurozentrismus der westlichen Philosophie wendet. Sein Ansatz stellt konsequent die Perspektive des "Anderen" – der Armen, Ausgeschlossenen, kolonisierten Völker – ins Zentrum der philosophischen Reflexion und entwickelte dafür die Methode der "Analektik". Dussel, der 1975 aus Argentinien ins mexikanische Exil ging und dort naturalisiert wurde, verband in seinem Werk Befreiungstheologie, Marx-Rezeption und eine grundlegende Kritik an Kapitalismus, Kolonialismus und Imperialismus. Er gilt als einer der einflussreichsten lateinamerikanischen Denker des 20./21. Jahrhunderts und starb 2023 in Mexiko-Stadt. Dass Solano gerade auf Dussel zurückgreift, ist inhaltlich konsistent: Seine Kernthese – dass vermeintlich globale, "neutrale" historische Erzählungen (wie die des Kalten Krieges) in Wahrheit aus der Perspektive der Sieger geschrieben sind und die Gewalterfahrung der Peripherie ausblenden – liefert ihr das theoretische Gerüst, um dem US-Bericht genau das vorzuwerfen: eine einseitige, aus Washingtoner Perspektive konstruierte Bedrohungserzählung, die die reale wirtschaftliche und humanitäre Notlage Kubas ausblendet. Historisch rekapituliert Solano die zentralen Etappen der US-Sanktionspolitik gegenüber Kuba:
Der eigentliche Vorwurf: Ein Kriegsvorwand
Der Kern von Solanos Argumentation liegt jedoch nicht in der historischen Aufarbeitung, sondern in der aktuellen politischen Einordnung: Sie sieht in dem Bericht die "moralische" Rechtfertigung für eine bereits angekündigte US-Militäroperation gegen Kuba – vergleichbar mit dem Vorgehen, das zuvor gegenüber Venezuela beobachtet wurde. Angesichts der schweren Energiekrise, der Stromausfälle und der wirtschaftlichen Notlage der Insel stelle Kuba de facto keine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA dar, so ihr Fazit.
Lilia Clemencia Solano Ramírez ist eine kolumbianische Menschenrechtsaktivistin und Politikerin, die sich über Jahrzehnte als Direktorin des Proyecto Justicia y Vida sowie international über das Weltsozialforum und als Richterin am Ständigen Tribunal der Völker in Den Haag engagierte. Unter Präsident Gustavo Petro wurde sie zunächst Vizeministerin für sozialen Dialog im Innenministerium und leitet seit 2024 die Unidad para las Víctimas, die staatliche Opfereinheit Kolumbiens.
Quelle: EL PAÍS
Autor: Leon Latozke
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