Neues aus Kuba
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Die kubanische Regierung wirft dem Medium El Toque, das den aif der Karibikiunsel am häufigsten verwendeten informellen Wechselkurs veröffentlicht, vor, gezielt wirtschaftliche Unruhe zu erzeugen. Während Havanna Manipulation und politische Einflussnahme sieht, weist El Toque die Vorwürfe entschieden zurück und verweist auf journalistische Unabhängigkeit.
14.11.2025 07:23 Uhr
Abbildung: Foto von Ricardo IV Tamayo auf Unsplash
Die kubanische Regierung hat schwere Vorwürfe gegen das nicht-offizielle Onlineportal El Toque erhoben. Das Medium, das den informellen Wechselkurs des Kubanischen Peso in Echtzeit veröffentlicht, beeinflusse gezielt die wirtschaftliche Lage des Landes und trage zur Destabilisierung bei, erklärte das Außenministerium am Donnerstag. Die Anschuldigungen erfolgen in einer Phase, in der der Peso weiter an Wert verliert und die Dollarisierung des Alltags fortschreitet.
Im Zentrum der Kritik steht die von El Toque publizierte Schwarzmarktrate, die zuletzt bei rund 460 Pesos pro Dollar lag – ein Niveau, das die offiziell festgelegten Kurse von 24 bzw. 120:1 weit übersteigt. Nach Auffassung der Regierung sei dieser Kurs eine „Farce“, künstlich erzeugt und politisch motiviert. Die stark schwankenden Werte hätten in letzter Zeit den Handlungsspielraum vieler Kubaner weiter eingeschränkt und die ohnehin angespannte Versorgungslage verschärft. Die Behörden berufen sich auf in den USA zugängliche Dokumente, wonach I sowie Chefredakteur José Jasán Nieves Fördermittel aus Programmen des US-Außenministeriums erhalten. Diese Unterstützung, so die Regierung in Havanna, diene nicht journalistischen Zwecken, sondern verfolge eine Strategie zur „Destabilisierung“ des Landes. Nieves weist den Vorwurf zurück. Die Gelder seien für Projekte zur Verbesserung des Informationszugangs gedacht und hätten keinen Einfluss auf die redaktionelle Arbeit. El Toque werde zudem von europäischen Stiftungen, Unternehmen und privaten Spendern unterstützt. Auch ein Sprecher des US-Außenministeriums wies die Anschuldigungen als „absurd“ zurück und sprach von dem Versuch, eigenes wirtschaftspolitisches Versagen zu kaschieren. Während die Nachrichtenagentur Reuters eine eher technokratische Auseinandersetzung über Einflussnahme und Transparenz beschreibt, rückt Granma, das Parteiorgan der Kommunistischen Partei Kubas, den Fall in einen weit größeren geopolitischen Kontext. Die jüngsten Aussagen in einer Fernsehsendung werden dort als Beleg für eine langfristige US-Strategie dargestellt, deren Ziel es sei, Kubas Wirtschaft in mehreren Phasen zu sabotieren – von der Unterbrechung von Lieferketten über die Einschränkung von Devisenzuflüssen bis hin zur gezielten Erzeugung von Inflation. In diesem Rahmen spiele El Toque eine zentrale Rolle, indem die Plattform angeblich spekulative Kursbewegungen befeuere und damit die Kaufkraft der Bevölkerung untergrabe. Granma zieht zudem Parallelen zu früheren Fällen vermeintlicher US-Einflussnahme in Nicaragua, Venezuela, Argentinien und Simbabwe. Die Veröffentlichung des inoffiziellen Wechselkurses sei demnach nicht Ergebnis eines Marktsignals, sondern Teil eines politisch orchestrierten Vorgehens. Die dort erhobenen Vorwürfe reichen vom „finanziellen Söldnertum“ bis hin zu international geächteten Praktiken der Währungsmanipulation. Trotz der deutlichen Rhetorik bleibt eines klar: Die Tiefe der ökonomischen Krise, geprägt von anhaltendem Mangel, schwacher Produktivität und einer drückenden Inflationsspirale, verleiht dem Streit um den Wechselkurs zusätzliche Brisanz. Für Millionen Kubaner bleibt der informelle Markt, trotz aller Kontroversen, der einzige verlässliche Indikator für die reale Kaufkraft ihrer Währung – und damit ein zentraler Faktor im täglichen Überlebenskampf.
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