Neues aus Kuba
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28.06.2026 19:00 Uhr
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In Kuba haben elektrische Trikes und Fahrradrikschas die legendären US-Oldtimer als wichtigstes Verkehrsmittel abgelöst. Angetrieben von kleinen E-Motoren oder Muskelkraft, sind sie günstig, flexibel und allgegenwärtig.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Die kubanischen Straßen haben ein neues Bild bekommen. Wie die Havanna Times in einer aktuellen Reportage berichtet, sind die einst allgegenwärtigen amerikanischen Oldtimer, die sogenannten Almendrones, zunehmend von einer neuen Fahrzeugklasse verdrängt worden: Elektrische Dreiräder und Fahrradtaxis bestimmen das Stadtbild. Der Grund ist banal: Der Treibstoff für die alten Cadillacs und Fords kostet mittlerweile etwa fünf Dollar pro Liter – für die meisten Kubaner unerschwinglich. Die Dreiräder hingegen, angetrieben von kleinen Elektromotoren oder schlicht per Muskelkraft, haben sich als flexible und vor allem erschwingliche Alternative etabliert.
Die Fahrzeuge, die oft mit improvisierten Sonnendächern ausgestattet sind, verlangen je nach Distanz zwischen 200 und 500 Pesos – umgerechnet etwa 40 Cent bis einen Dollar. Das ist deutlich günstiger als ein privates Taxi, das einst das Dreifache kostete. Die Nachfrage sei "durch die Decke gegangen", so ein Fahrer. Manche von ihnen absolvieren demnach bis zu zwanzig Fahrten am Tag – vorausgesetzt, die Beine halten durch und auch die elektrischen Dreiräder - diese neuen „Könige der Straße“ - sind extrem verletzlich. Sie sind auf Strom angewiesen, der in Kuba nur zwei bis drei Stunden am Tag verfügbar ist. Viele Fahrer haben daher improvisierte Solarpanels auf den Dächern montiert, um die Batterien zu laden. „Wir sind sehr einfallsreich“, zitiert die Havanna Times einen Fahrer, der ein Panel mit Klebeband fixiert. „Die Kubaner haben den Teufel ausgetrickst.“ Die Besitzer der neuen Transportmittel sind nicht nur Fahrer, sie haben sich zu Allround-Handwerkern entwickelt, die Ersatzteile aus alten Fahrrädern, defekten Waschmaschinen oder ausgedienten Autobatterien selbst herstellen. In vielen Straßenecken seien informelle Reparaturwerkstätten entstanden, in denen die Fahrer Werkzeuge teilen und mit „Draht und Geduld“ arbeiten. Die kubanische Regierung hat auf diesen Boom reagiert und das Verkehrsministerium erließ im Februar 2026 Anweisungen zur Ausstellung von Betriebslizenzen für Elektrofahrzeuge. Für Motorräder und Dreiräder ohne Kennzeichen seien zudem temporäre Genehmigungen bis Dezember 2026 erteilt worden. In der Praxis fahren viele Fahrer jedoch ohne Papiere – mit stillschweigender Duldung der Behörden, die wissen, dass der Verkehr ohne diese Fahrzeuge zusammenbrechen würde. Für die Bevölkerung sind die Dreiräder eine Lebensader. Die Passagiere nutzen sie für Fahrten zum Arzt, zur Arbeit oder um Kinder zur Schule zu bringen. Eine Frau, die mit ihrer Mutter im Rollstuhl an einer Straßenecke wartete, wird mit den Worten zitiert: „Es ist nicht viel, aber es ist das Einzige, was kommt.“ Die Dreiräder dienen auch als mobile Geschäfte: Bäcker, Getränkehändler oder der Transport von Eierkartons zwischen Gemeinden sind zur Normalität geworden. Die Anschaffungskosten für ein solches Gefährt sind jedoch enorm. Handgefertigte Fahrradrikschas kosteten bis zu 200.000 Pesos (etwa 400 Dollar), während der monatliche Durchschnittslohn eines Kubaners bei etwa 13 Dollar liege. Trotzdem haben viele alles verkauft oder sich bei Verwandten im Ausland Geld geliehen, um sich ein Dreirad zu leisten – denn ohne Dreirad gebe es keine Arbeit - und ohne Arbeit kein Essen. Aber es läuft nicht alles reibungslos. Fahrer beklagen, dass die Behörden sie manchmal mit Geldstrafen belegen oder Genehmigungen verlangen, die sie nicht haben. Und die Unfallgefahr ist hoch: Schlechte Bremsen, löchrige Straßen und die nahezu vollständige Dunkelheit in der Nacht machen die Fahrten riskant. „Ein Schlagloch, eine scharfe Kurve, ein Moment der Unachtsamkeit, und das Dreirad kippt um“, heißt es. Trotz aller Widrigkeiten sind die Fahrer nach Darstellung bei Sonnenaufgang auf den Straßen und bieten auch noch Nachts Fahrten an, wenn der Strom ausgefallen ist und die Busse längst nicht mehr fahren. Sie seien die Könige der Straße – aber einer Straße, die kaputt, dunkel und voller Hindernisse sei. Dennoch befahren sie sie mit Geduld, Einfallsreichtum, drei Rädern und einer Hoffnung, die nicht sterben wolle, schließt der Berichte der Havanna Times Autor: Leon Latozke
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