Neues aus Kuba
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16.03.2026 22:00 Uhr
Ganz Kuba ohne Strom: Der sechste landesweite Zusammenbruch des Stromnetzes in nur 18 Monaten zeigt, wie fragil das Energiesystem der Insel geworden ist. Während der Neustart des Netzes Tage dauern kann, wächst die Unzufriedenheit in der Bevölkerung.
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Auf Kuba ist erneut das gesamte Stromnetz zusammengebrochen. Das Ministerium für Energie und Bergbau (MINEM) und die Unión Eléctrica (UNE) bestätigten, dass es diesen Montag (16.) um 13:40 Uhr zu einem kompletten Ausfall des nationalen Stromnetzes (SEN) gekommen ist
Es ist bereits der sechste landesweite Blackout innerhalb von anderthalb Jahren – ein weiteres Zeichen für die tiefgreifende Energiekrise der Karibikinsel. Nach Angaben des Ministeriums sei es zu einer „totalen Trennung“ des Stromnetzes gekommen. Die Ursachen werden derzeit untersucht. Parallel seien Notfallprotokolle zur Wiederherstellung der Stromversorgung aktiviert worden. Erfahrungsgemäß kann dieser Prozess jedoch lange dauern: Der Wiederaufbau eines komplett kollabierten Netzes erfolgt schrittweise und ist technisch komplex. Ein langsamer Neustart des Stromsystems Um ein landesweites Netz wieder hochzufahren, beginnen Techniker zunächst mit Stromquellen, die relativ schnell Energie liefern können. Dazu gehören kleinere Wasserkraftwerke, Solaranlagen oder lokale Generatoren. Diese versorgen zunächst einzelne Regionen, die anschließend nach und nach miteinander verbunden werden. Das Ziel dieser Kettenreaktion besteht darin, ausreichend Energie zu den großen thermoelektrischen Kraftwerken zu bringen. Diese Anlagen bilden das Rückgrat der kubanischen Stromproduktion und können nach ihrem Anfahren große Energiemengen erzeugen. Doch gerade dieser Schritt könnte diesmal besonders schwierig werden. Denn Kuba verfügt derzeit kaum über Diesel oder Schweröl für seine Generatoren. Diese Brennstoffe sind normalerweise entscheidend, um den Neustartprozess zu beschleunigen. Ohne sie kann sich der Wiederaufbau des Netzes erheblich verzögern. Treibstoffmangel verschärft die Lage Die Regierung führt den aktuellen Treibstoffmangel auf das verschärfte US-Embargo zurück, das nach ihrer Darstellung die Ölversorgung des Landes massiv einschränkt. In den vergangenen Monaten habe diese Situation die ohnehin angespannte Energieversorgung weiter verschlechtert. Ein zentraler Teil der Stromerzeugung – die sogenannte dezentrale Generation – basiert auf Diesel- und Schwerölmotoren. Diese Anlagen liefern normalerweise rund 40 Prozent des Stroms. Seit Januar stehen sie laut Regierung jedoch nahezu vollständig still, weil der Treibstoff fehlt. Damit fällt ein entscheidender Puffer im System weg. Gerade in Zeiten hoher Nachfrage konnten diese Generatoren bisher kurzfristig zusätzliche Kapazitäten bereitstellen. Alte Kraftwerke als strukturelles Problem Doch nicht alle Schwierigkeiten lassen sich mit Treibstoffmangel erklären. Auch die Infrastruktur selbst ist in einem kritischen Zustand. Am Tag des Stromausfalls waren neun der insgesamt 16 thermoelektrischen Kraftwerksblöcke außer Betrieb – entweder wegen Defekten oder geplanter Wartung. Diese Anlagen liefern ebenfalls etwa 40 Prozent des Stroms im kubanischen Energiemix. Viele von ihnen sind jedoch seit Jahrzehnten in Betrieb und gelten als technisch überaltert. Investitionen in Modernisierung und Wartung blieben über lange Zeit begrenzt. Beobachter sehen darin ein strukturelles Problem: Das Stromsystem sei über Jahre hinweg unterfinanziert worden. Reparaturen würden häufig nur provisorisch erfolgen, während grundlegende Modernisierungen ausblieben. Zusammenbruch mit Ansage Bereits vor dem Zusammenbruch des Netzes hatten die Behörden mit massiven Stromausfällen gerechnet. Für den Montag war prognostiziert worden, dass während der Spitzenlast bis zu 62 Prozent des Landes gleichzeitig ohne Elektrizität sein könnten. Der tatsächliche Kollaps des Netzes zeigt, wie fragil das System inzwischen geworden ist. Selbst geplante Lastabschaltungen reichen offenbar nicht mehr aus, um die Stabilität zu gewährleisten. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen Die Energiekrise belastet zunehmend die gesamte Wirtschaft. Nach offiziellen Angaben ist die kubanische Wirtschaft seit 2020 um mehr als 15 Prozent geschrumpft. Stromausfälle bremsen Produktion, Transport und Handel gleichermaßen. Gleichzeitig wächst der gesellschaftliche Druck. In den vergangenen Jahren waren wiederholte Blackouts ein zentraler Auslöser für Proteste in verschiedenen Städten des Landes. Erst vor wenigen Tagen kam es in Havanna sowie in der zentral gelegenen Stadt Morón zu Demonstrationen. Die Energiefrage entwickelt sich damit zu einer der entscheidenden politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen für die Regierung. Unabhängige Experten schätzen, dass zwischen acht und zehn Milliarden US-Dollar erforderlich wären, um das Stromsystem umfassend zu modernisieren und stabiler zu machen.
Quellen: EFE (https://t1p.de/41id4), TV Avila (https://t1p.de/jqr78)
Autor: Leon Latozke
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