Energiekrise in Kuba: Generalstaatsanwaltschaft verschärft Kampf gegen Diebstahl am Stromnetz1/9/2026
01.08.2026 10:00 Uhr
Kubas Justiz greift durch: Wer Kabel, Öl oder Bauteile aus dem Stromnetz stiehlt, riskiert jahrzehntelange Haft. Die Generalstaatsanwaltschaft stuft die Taten als Angriff auf die Staatssicherheit ein.
Abbildung: Symbolbild Kubas Stromnetz (© Jorge Royan / http://www.royan.com.ar / CC BY-SA 3.0, Havana - Cuba, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC BY-SA 3.0)
Kubas Generalstaatsanwaltschaft hat angekündigt, weiterhin mit maximaler juristischer Härte gegen Sabotageakte am staatlichen Stromnetz vorzugehen. Nach Angaben der Behörde, über die das staatsnahe Portal teleSUR berichtet, wurden Vorfälle aus dem Zeitraum 2025 bis zum ersten Halbjahr 2026 juristisch als Sabotage eingestuft – ein Straftatbestand, der in Kuba der "Sicherheit des Staates" zugeordnet wird.
Grundlage ist eine Entscheidung des Obersten Volksgerichts vom Mai 2025, wonach Diebstahl oder Manipulation von Komponenten der öffentlichen Netzinfrastruktur als Staatsschutzdelikt gilt. Das kubanische Strafrecht sieht dafür Haftstrafen von sieben bis 30 Jahren vor. Laut teleSUR wurden im genannten Zeitraum in diesem Zusammenhang mehr als 460 Strafverfahren wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und Hehlerei eingeleitet. Am häufigsten sei dabei der Diebstahl von dielektrischem Isolieröl aus regionalen Transformatoren gewesen – mit über 300 gemeldeten Fällen, konzentriert auf die Provinzen Matanzas, Mayabeque und Santiago de Cuba. Die Behörde macht diese Straftaten mitverantwortlich für langanhaltende Stromausfälle in Wohngebieten und Produktionsausfälle in wichtigen Betrieben. Nach Angaben des Innenministeriums kamen zudem mehrere mutmaßliche Täter beim Versuch ums Leben, aktive Hochspannungsleitungen zu manipulieren. Die Generalstaatsanwaltschaft verhängte laut eigenen Angaben in 87 Prozent der Ermittlungsverfahren Untersuchungshaft. Die bislang verhängten rechtskräftigen Strafen provinzialer Gerichte lagen demnach im Schnitt zwischen neun und 20 Jahren Haft. Eine unabhängige Verifikation der genannten Fallzahlen aus staatsnahen kubanischen Quellen liegt nicht vor. Die harte Linie ist vor dem Hintergrund der anhaltenden Energiekrise zu lesen, die Kuba seit Jahren mit landesweiten, oft mehrtägigen Stromausfällen, überalterter Infrastruktur und Brennstoffmangel plagt. Beobachter werten den massenhaften Diebstahl von Kupfer, Transformatorenöl und anderen Netzkomponenten auch als Symptom wachsender wirtschaftlicher Not – Metalldiebstahl zum Weiterverkauf ist ein bekanntes Begleitphänomen von Versorgungskrisen. Die drakonischen Strafandrohungen werfen zugleich Fragen nach Verhältnismäßigkeit auf, insbesondere wenn ökonomisch motivierte Beschaffungskriminalität rechtlich wie ein Angriff auf die Staatssicherheit behandelt wird.
Quelle: teleSUR
Autor: Leon Latozke
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