Neues aus Kuba
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11.05.2026 08:00 Uhr
Das „Enkelgesetz“ hat einen Run auf die spanische Staatsbürgerschaft ausgelöst: Fast 2,5 Millionen Anträge gingen ein. In Kuba stellten über 107.000 Personen formelle Anträge. Das Konsulat in Havanna ist massiv überlastet, viele Kubaner klagen über fehlende Transparenz und technische Pannen.
Foto von My Spain Visa auf Unsplash
Die Flut der Anträge auf spanische Staatsbürgerschaft im Rahmen des Gesetzes über das demokratische Gedächtnis (Ley de Memoria Democrática), auch als „Enkel-Gesetz“ bekannt hat Dimensionen erreicht, die selbst erfahrene Verwaltungsbeamte überraschen. Seit Inkrafttreten der Regelung im Oktober 2022 haben rund 2,45 Millionen Menschen den Erwerb der Nationalität beantragt. Wie Violeta Alonso, Präsidentin des Consejo General de la Ciudadanía Española en el Exterior (CGCEE), gegenüber der Nachrichtenagentur EFE mitteilte, führen Argentinien und Mexiko die Statistik der Herkunftsländer an.
Allein in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires gingen rund 650.000 Anträge ein – das entspricht etwa 40 Prozent des weltweiten Aufkommens. Sollten alle Anträge bewilligt werden, würde Buenos Aires nach Madrid und Barcelona zur Stadt mit den drittmeisten spanischen Staatsbürgern weltweit aufsteigen. Mexiko folgt mit 117.226 Anträgen auf dem zweiten Platz. Die Liste der Konsulate mit dem höchsten Arbeitsaufkommen spiegelt dies wider: Nach Buenos Aires und Mexiko-Stadt rangieren São Paulo (Brasilien), Havanna und Miami (USA) – ein Indiz für die starke kubanische Diaspora in Florida. Aus Kuba selbst stammen mehr als 107.000 formelle Anträge, was einem Anteil von 12,24 Prozent am globalen Gesamtvolumen entspricht. Schätzungen zufolge haben sogar über 350.000 Kubaner irgendeine Form des Verfahrens angestoßen. Das spanische Konsulat in Havanna zählt daher zu den am stärksten belasteten weltweit. Der Prozess war jedoch von Beginn an von Pannen, unzureichender Digitalisierung und einer Überlastung der Behörden geprägt. Zahlreiche kubanische Antragsteller beklagten, ihre Unterlagen nicht fristgerecht einreichen zu können, und kritisierten mangelnde Transparenz. Bis zum 31. März 2026 waren in den Konsulaten rund 1,2 Millionen Akten physisch eingegangen. 545.000 dieser Verfahren wurden bereits bewilligt, und 306.500 Antragsteller sind inzwischen im spanischen Personenstandsregister eingetragen. Die Ablehnungsquote liegt laut Alonso bei gerade einmal zwei Prozent. „Es gibt sehr wenige Ablehnungen“, betonte sie. Angesichts dieser Erfolgsrate ist absehbar, dass die Zahl der neu vergebenen Staatsbürgerschaften die Zwei-Millionen-Marke überschreiten wird, sobald alle Verfahren abgeschlossen sind. Die bisherige Entwicklung ist ein Vielfaches der Vorgängerregelung: Im Rahmen der Ley de Memoria Histórica von 2007 wurden lediglich rund 503.000 Anträge gestellt. Die demografischen Auswirkungen sind bereits heute messbar. Lebten im Jahr 2010 noch 1,5 Millionen Spanier im Ausland, so ist diese Zahl bis heute auf 3,2 Millionen gestiegen. Die spanische Regierung rechnet damit, dass die Zahl der im Ausland registrierten Spanier nach Abschluss aller Verfahren auf über fünf Millionen anwachsen wird. Die Frage nach dem Zeithorizont ist jedoch heikel. Alonso bezeichnete einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren als „angemessen“, räumte aber ein, dass der bürokratische Kollaps gewaltig sei. Bereits im Oktober 2025 hatte sie gewarnt, dass es bei der aktuellen Bearbeitungsgeschwindigkeit zwanzig Jahre dauern würde, um alle Anträge zu prüfen. Der Stichtag für neue Anträge war der 22. Oktober 2025, nachdem das Gesetz zwei Jahre in Kraft war und um ein weiteres Jahr verlängert wurde. Der CGCEE übt scharfe Kritik an der aktuellen Situation: Das System erzeuge „Rechtsunsicherheit, Ungleichheit der Chancen und einen bürokratischen Zusammenbruch, der sich über Jahrzehnte hinziehen könnte“. Der Rat hat daher dem spanischen Parlament und Senat förmlich eine Reform des Zivilgesetzbuches vorgeschlagen, die das Recht auf Staatsbürgerschaft durch Abstammung dauerhaft und ohne generationale Begrenzung verankern soll. Während die Regierung eine solche Option prüft, warnte Minister Ángel Víctor Torres, dass jede strukturelle Änderung eines breiten politischen Konsenses bedürfe. Die spanische Regierung hat 115 Millionen Euro in einen Modernisierungsplan für die Konsulate investiert und 150 zusätzliche Stellen in den am stärksten betroffenen Auslandsvertretungen geschaffen. Angesichts der schieren Dimension des Rückstaus bleibt die endgültige Lösung jedoch ungewiss.
Quelle: Swissinfo (https://is.gd/VHzDA7)
Autor: Leon Latozke
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