Neues aus Kuba
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Kubaner in Venezuela erleben 2026 eine Phase zunehmender Unsicherheit. Nach der Festnahme von Präsident Maduro stockt die Arbeit der Fachkräfte, Ressourcen fehlen, und offizielle Signale deuten auf eine Reduzierung der Präsenz hin. Der Prozess der „Entkubanisierung“ betrifft Ärzte, Sicherheitsberater und Trainer gleichermaßen und stellt die langjährige Allianz infrage.
10.02.2026 19:15 Uhr
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Die strategische Partnerschaft zwischen Kuba und Venezuela, die seit mehr als zwei Jahrzehnten auf dem Austausch von Öl gegen Fachkräfte beruht, erlebt 2026 eine Phase tiefgreifender Unsicherheit. Auslöser ist die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Truppen am 3. Januar, die eine Kettenreaktion innerhalb der kubanischen Missionen in Caracas in Gang gesetzt hat. Beobachter sprechen von einer fortschreitenden „Entkubanisierung“ des Landes, die sowohl symbolisch als auch praktisch sichtbar wird.
Die kubanischen Fachkräfte, darunter Ärzte, Sporttrainer, technische Berater sowie Mitglieder von Sicherheits- und Geheimdiensten, sehen sich zunehmend in einer prekären Lage. Mariana, eine 32-jährige Ärztin auf offizieller Mission in Caracas, beschreibt die Situation als „virtuelle Kasernierung“. Seit der Inhaftierung Maduros sei ihre Tätigkeit in der medizinischen Versorgung nahezu zum Erliegen gekommen. „Seit dem 3. Januar habe ich, wenn überhaupt, nur einen Patienten behandelt“, erklärt sie gegenüber dem kubanischen Online-Nachrichtenportal 14ymedio. „Wenn ich auf die Straße gehe, vermeide ich es, zu sprechen, damit mein Akzent nicht auffällt, denn hier sind wir Kubaner nicht mehr willkommen“, fügt sie hinzu. Ressourcen für Behandlungen und Operationen fehlen zunehmend, und offizielle Vorgaben für die weitere Arbeit oder eine mögliche Rückkehr nach Kuba liegen nicht vor. Erste Rückkehrer waren laut der Ärztin jene, deren Mission ohnehin beendet war; für alle anderen stehe die Abreise in den kommenden Monaten bevor, da das Kooperationsabkommen offenbar nicht verlängert wird. Schätzungen zufolge sind derzeit etwa 30.000 Kubaner in Venezuela tätig. Die Opposition kritisiert diese Präsenz seit Jahren als Einmischung und Gefährdung der nationalen Souveränität. Besonders kontrovers diskutiert wird die Rolle kubanischer Sicherheitskräfte, die in venezolanischen Haftanstalten wie El Helicoide tätig gewesen sein sollen. Mehrere Häftlinge berichteten, kubanische Akzente bei Verhören gehört zu haben. Organisationen wie die tschechische NGO Instituto Casla werfen den kubanischen Offizieren vor, an systematisierter staatlicher Repression beteiligt gewesen zu sein, einschließlich willkürlicher Verhaftungen, Folter und Verschleppungen von Dissidenten. Nach Ansicht der Kritiker ist dies nicht Zufall, sondern Folge jahrzehntelanger bilateraler Abkommen, die den Transfer repressiver Methoden nach Caracas ermöglichten. Die politischen Veränderungen in Venezuela haben unmittelbare Konsequenzen für die kubanische Präsenz. Unter der neuen Führung von Delcy Rodríguez wurden zahlreiche Signale einer symbolischen und praktischen Distanzierung von Havanna gesetzt. Die kubanische Flagge tritt bei offiziellen Zeremonien zunehmend in den Hintergrund, hohe Beamte aus Kuba besuchen Caracas seltener, und Schlüsselposten, die zuvor kubanischen Experten vorbehalten waren, werden nun von Venezolanern besetzt. Besonders auffällig war der Wechsel im Tourismusministerium, wo die Kubanerin Leticia Gómez durch eine Tochter Diosdado Cabellos ersetzt wurde. Analysten werten solche Maßnahmen als gezielten Schritt, um die Rolle der kubanischen Präsenz zu verringern und sowohl der einheimischen Bevölkerung als auch den USA ein neues politisches Gleichgewicht zu signalisieren. Auch auf der Straße ist der Wandel spürbar. Kubanische Fachkräfte berichten von wachsender Skepsis und teils offener Ablehnung in der Bevölkerung. Yusniel, ein Sporttrainer aus Kuba, beschreibt die Situation als schwierig: „Kubaner zu sein, ist hier derzeit nichts mehr, womit man prahlen kann. Das Etikett der Einmischer kann uns niemand mehr nehmen.“ Der soziale Druck und die Wahrnehmung der Kubaner als fremde Einflussfaktoren verschärfen die Unsicherheit und lassen die langjährige bilaterale Kooperation fragil erscheinen. Die derzeitige Lage markiert einen Wendepunkt in der venezolanisch-kubanischen Allianz. Was jahrzehntelang als strategische Partnerschaft galt, die den Austausch von Ressourcen und Fachpersonal regelte, steht nun unter dem Zeichen politischer Neubewertung und wachsender amerikanischer Präsenz in Venezuela. Die kubanischen Missionen, einst fest verankert, sehen sich mit der Aussicht auf Rückkehr, reduzierter Aktivität und öffentlicher Kritik konfrontiert. Die Zukunft der Kooperation, so scheint es, wird nicht mehr allein in Havanna oder Caracas entschieden, sondern hängt von der Neuausrichtung des venezolanischen Machtgefüges und dem geopolitischen Druck Washingtons ab.
Der Artikel wurde zuerst auf Mundus Novus 24 veröffentlicht.
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