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22.08.2026 09:00 Uhr
Drei Tage nach einem Fehlalarm auf Mobiltelefonen in elf Provinzen hat der kubanische seismologische Dienst ein reales Beben der Stärke 3,6 registriert. Verletzte oder Schäden wurden nicht gemeldet.
Abbildung: Symbolbild. El Cristo, El Caney, Siboney: In diesen Orten und in Santiago de Cuba war das Beben vom Freitagnachmittag zu spüren.
Das Stationsnetz des kubanischen seismologischen Dienstes hat am Freitag um 17.13 Uhr Ortszeit ein Erdbeben der Magnitude 3,6 registriert. Das Epizentrum lag laut dem Centro Nacional de Investigaciones Sismológicas (Cenais) bei 19,80 Grad nördlicher Breite und 75,63 Grad westlicher Länge, rund 31 Kilometer südöstlich von Santiago de Cuba. Die Herdtiefe betrug zehn Kilometer.
Spürbar war das Beben nach Angaben des Instituts in Teilen der Stadt Santiago de Cuba sowie in El Cristo, El Caney und Siboney. Die Meldung wurde um 17.40 Uhr abgeschlossen. Angaben zu Schäden oder Verletzten enthält sie nicht. Nach der Zählung des Cenais ist es das zehnte als spürbar eingestufte Beben in Kuba im Jahr 2026. Aktivste Region des Landes
Der Südosten der Insel ist mit Abstand die seismisch aktivste Region des Landes. Verantwortlich dafür ist die Oriente-Verwerfung, an der sich die Nordamerikanische und die Karibische Platte aneinander vorbeischieben. Sie verläuft im Cayman-Graben nur wenige Dutzend Kilometer vor der Küste zwischen Guantánamo und Santiago — genau in dem Bereich, in dem das Epizentrum vom Freitag liegt.
Historisch hat diese Struktur Kuba wiederholt getroffen. Das Beben von Santiago de Cuba im Februar 1932 richtete in der Stadt schwere Schäden an; im Januar 2020 erschütterte ein Doppelbeben der Magnituden 7,7 und 6,1 die Kaimaninseln und die Passage zwischen Kuba und Jamaika und war bis Havanna zu spüren. Ereignisse im Bereich von Magnitude 3 bis 4 wie das aktuelle sind dagegen Routine: Sie werden von Menschen in unmittelbarer Nähe wahrgenommen, verursachen aber in aller Regel keine Bauschäden. Genau darin liegt der Nutzen der Zählung, die das Cenais führt. Die Zahl der spürbaren Beben pro Jahr — bislang zehn im Jahr 2026 — ist kein Alarmwert, sondern ein Indikator für die normale Aktivität einer Verwerfung, die dauerhaft Spannung abbaut. Fehlalarm drei Tage zuvor
Drei Tage zuvor, am 18. August, hatte eine Erdbebenwarnung tausende Android-Handys in mindestens elf kubanischen Provinzen zum Klingeln gebracht — ohne dass ein Beben stattgefunden hätte. Menschen verließen Wohnungen und Betriebe. Das Cenais dementierte umgehend, Google bestritt gegenüber der Zeitschrift Juventud Técnica, den Alarm ausgelöst zu haben; die Indizien deuteten auf eine Cell-Broadcast-Nachricht im Netz von Etecsa hin. Am 21. August räumte das Staatsunternehmen laut Cubadebate einen technisch-menschlichen Fehler ein.
Für die Bevölkerung im Osten der Insel bedeutete das eine paradoxe Woche: erst eine Warnung ohne Beben, dann ein Beben ohne Warnung. Enrique Diego Arango Arias, Leiter des nationalen seismologischen Dienstes, hatte nach dem Fehlalarm auf genau dieses Risiko hingewiesen — dass eine echte Warnung künftig nicht mehr ernst genommen werde. Ein offizielles Frühwarnsystem existiert in Kuba bislang ohnehin nicht. Die Zivilverteidigung bestätigte, den Einsatz solcher Meldungen zu prüfen; derzeit gehen Hinweise zu Beben und Hurrikanen per SMS an Leitungskader, nachdem das Meteorologische Institut oder das Cenais gemeldet haben. Bei einem Beben der Stärke 3,6 in zehn Kilometern Tiefe hätte eine Sekundenwarnung technisch auch kaum Wirkung entfaltet. Bei einem Ereignis der Größenordnung von 1932 wäre das anders.
Quellen: Cubadebate — Bebenmeldung, Cubadebate — Etecsa räumt Fehler ein, 14ymedio, Juventud Técnica
Autor: Leon Latozke
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