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Der Euro hat auf dem kubanischen Schattenmarkt erstmals die Marke von 500 Pesos überschritten und erreicht damit einen historischen Höchststand. Während offizielle Wechselkurse weit darunterliegen, wächst die Kluft zwischen staatlicher Vorgabe und realem Marktgeschehen weiter.
02.10.2025 10:00 Uhr
Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Auf dem informellen Devisenmarkt Kubas hat der Euro einen historischen Höchststand erreicht. Erstmals überschritt die europäische Gemeinschaftswährung die Marke von 500 kubanischen Pesos (CUP). Die unabhängige Plattform ElToque, die regelmäßig Kursbewegungen im inoffiziellen Devisenmarkt dokumentiert, meldete einen Anstieg um fünf Pesos innerhalb von zwei Tagen. Der Euro ist damit die stärkste Währung im nicht offiziellen Handel auf der Insel.
Auseinanderklaffende Wechselkurse Die Entwicklung verdeutlicht die wachsende Diskrepanz zwischen dem informellen Markt und den staatlich festgelegten Kursen. Während der US-Dollar im informellen Handel bei rund 400 CUP verharrt und die von der Regierung eingeführte frei konvertierbare Währung (MLC) bei etwa 210 CUP stagniert, liegt der offizielle Kurs für Privatpersonen deutlich darunter: Zuletzt wurde der Euro mit 138 CUP bewertet – weniger als ein Drittel des Parallelmarktniveaus. Für staatliche Unternehmen gilt unverändert ein Kurs von 24:1. Wirtschaft in der Dauerkrise Der historische Kursanstieg fällt in eine Phase tiefgreifender wirtschaftlicher Probleme. Kuba leidet unter hoher Inflation, Versorgungsengpässen bei Grundnahrungsmitteln und Medikamenten sowie regelmäßigen Stromausfällen. Gleichzeitig verstärken verschärfte US-Sanktionen den Druck auf die ohnehin fragile Wirtschaft. Die Folgen sind spürbar: Eine wachsende Zahl von Menschen verlässt das Land, während diejenigen, die bleiben, zunehmend auf den Parallelmarkt angewiesen sind, um lebensnotwendige Güter zu erwerben. Fortschreitende Dollarisierung Die Regierung hat in diesem Jahr erstmals Supermärkte eröffnet, die ausschließlich auf Devisenbasis operieren. Für die Mehrheit der Bevölkerung ohne direkten Zugang zu Fremdwährungen sind diese Geschäfte kaum erschwinglich. Damit verliert der Peso als offizielles Zahlungsmittel weiter an Bedeutung, während Euro, Dollar und MLC das wirtschaftliche Leben dominieren. Verzögerte Reformen Premierminister Manuel Marrero hatte für die zweite Jahreshälfte 2025 die Einführung eines „dynamischen“ Devisenmarkts angekündigt, der auf Angebot und Nachfrage basieren soll. Erste gesetzliche Regelungen waren für September vorgesehen, blieben jedoch bislang aus. Nun wird eine Umsetzung bis November in Aussicht gestellt. Ob die Maßnahme ausreicht, um das Vertrauen in die nationale Währung wiederherzustellen, bleibt offen. Der Sprung des Euro über die Marke von 500 Pesos markiert einen neuen Tiefpunkt für den CUP und verdeutlicht den zunehmenden Kontrollverlust des Staates über den Währungsmarkt.
Quelle: El Toque (https://t1p.de/7e7v1)
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