Neues aus Kuba
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15.06.2026 08:00 Uhr
Die NOAA meldet eine beschleunigte Verstärkung von El Niño mit direkten Folgen für Kuba: Dürre und Rekordhitze drohen. Bereits jetzt sind 62 % des Landes von Dürre betroffen.
Abbildung: Foto von Immo Wegmann auf Unsplash
Die amerikanische Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA hat bestätigt, dass die atmosphärischen und ozeanischen Voraussetzungen für das Klimaphänomen El Niño – offiziell als El Niño-Southern Oscillation (ENSO) bezeichnet – derzeit gegeben sind. Die Prognosen deuten auf eine beschleunigte Verstärkung in den kommenden Monaten hin, was für Kuba unmittelbare Folgen haben könnte: Laut dem Climate Prediction Center der NOAA besteht eine Wahrscheinlichkeit von 63 Prozent, dass das Ereignis zwischen November 2026 und Januar 2027 die Kategorie „sehr intensiv“ erreicht. Sollte diese Vorhersage eintreten, könnte es sich um eines der stärksten El-Niño-Ereignisse seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts handeln.
Für Kuba bedeutet die Rückkehr von El Niño nach Einschätzung von Fachleutenam kubanischen Institut für Meteorologie (Instituto de Meteorología - INSMET) eine „erhöhte Wahrscheinlichkeit für das Einsetzen von Dürrebedingungen während der Regenzeit“ von Mai bis Oktober sowie „überdurchschnittlich warme Sommer“. Diese Entwicklung trifft die Insel in einer ohnehin prekären Lage: Bis März 2026 waren 62 Prozent des kubanischen Staatsgebiets von Dürre betroffen, und die Wasserreserven lagen bei 38 Prozent der Kapazität – der niedrigste Stand seit 2015. Bereits im April hatten Prognosen davor gewarnt, dass zwischen Juni und August mit sehr hohen Temperaturen, längeren Hitzewellen und einem erhöhten Wasserstress in Kuba zu rechnen sei. Ein alarmierender Präzedenzfall ist der Sommer 2025, als kubanische Wissenschaftler erstmals einen direkten Zusammenhang zwischen Hitzewellen und einem Anstieg der täglichen Sterblichkeit herstellten, insbesondere bei älteren Menschen, Kindern, Schwangeren und Personen mit chronischen Erkrankungen. Das Phänomen hat zudem Auswirkungen auf die laufende Hurrikansaison. Die INSMET-Experten erklären, dass das ENSO-Ereignis tendenziell die Zyklonaktivität im tropischen Atlantik dämpfe, indem es sogenannte Scherwinde in der oberen Atmosphäre verstärke, die die Bildung und Intensivierung tropischer Wirbelstürme erschweren. Dennoch warnen sie eindringlich: „Dies schließt keinesfalls das Risiko aus, dass zumindest ein Sturm Kuba trifft.“ Die kubanischen Meteorologen rechnen für die Hurrikansaison 2026 mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent, dass mindestens ein Hurrikan die Insel erreicht, und von 75 Prozent, dass eine tropische Sturm sie trifft. Der Blick zurück auf das El-Niño-Ereignis von 1997–1998, das stärkste des 20. Jahrhunderts, offenbart die potenziellen Folgen: Eine schwere Dürre verschärfte damals die ohnehin angeschlagene Lage des kubanischen Agrarsektors. Meteorologen schließen nicht aus, dass sich ein ähnliches Szenario mit dem aktuellen Ereignis wiederholt. Die INSMET-Spezialisten betonen, man beobachte die Entwicklung des ENSO genau, während die kubanische Bevölkerung bereits unter Wasserknappheit und extremen Temperaturen leidet – ohne über die notwendigen Ressourcen und die Infrastruktur zu verfügen, um die möglichen Auswirkungen abzumildern.
Quelle: Granma (https://t1p.de/8zjyv)
Autor: Leon Latozke
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