Neues aus Kuba
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27.06.2026 09:00 Uhr
Keine Flüge, kein Strom, kaum Touristen – und trotzdem faszinierend? Rainer Klee war im Juli in Havanna und berichtet fvw|TravelTalk, was Reisende derzeit auf Kuba erwartet.
Trotz des Sicherheitshinweis des Auswärtigen Amts, der von Reisen abrät, eingestellter Flugverbindungen und einer sich zuspitzenden Energiekrise ist der frühere Aerticket-Chef Rainer Klee kürzlich nach Havanna gereist. Wie das Fachmagazin fvw|TravelTalk berichtet, hielt sich der erfahrene Kuba-Reisende vom 13. bis 18. Juli 2026 in der kubanischen Hauptstadt auf – mitten in einer Phase, in der praktisch der gesamte Tourismussektor der Insel zum Erliegen gekommen ist.
Hintergrund ist die von der US-Regierung unter Donald Trump verhängte Ölblockade, die Kuba schwer trifft. Fluggesellschaften haben ihre Verbindungen eingestellt, Reiseveranstalter ihr Angebot gestrichen, zahlreiche Hotels sind vorübergehend oder dauerhaft geschlossen. Laut fvw|TravelTalk sind zudem Lebensmittel, Medikamente und Bargeld auf der Insel knapp. Klee ist in der Reisebranche keine unbekannte Größe: Der heute 60-Jährige gründete 1988 ein kleines Reisebüro in Berlin, aus dem im Laufe der Jahre der Flugticket-Großhändler Aerticket wurde – mittlerweile einer der größten Anbieter seiner Art in Europa, mit einem Jahresumsatz im Milliardenbereich. Bis Mitte 2025 stand Klee an der Spitze des Unternehmens, seither hat er die operative Führung abgegeben, bleibt der Reisewelt aber eng verbunden. Seine Einschätzungen zur Lage in Kuba stützen sich also auf jahrzehntelange Branchenerfahrung, nicht auf einen touristischen Kurzbesuch. 35 Reisen seit 1998
Klee ist kein Gelegenheitsbesucher: Nach eigenen Angaben war er seit 1998 rund 35 Mal auf Kuba, mindestens einmal pro Jahr – selbst während der Corona-Pandemie. Zuletzt besuchte er das Land bereits im Dezember 2025 und im Januar 2026. Seine erneute Reise begründet er gegenüber dem Fachmagazin mit langjährigen Freundschaften vor Ort und der ungebrochenen Faszination Havannas: Architektur, Küche und die Nähe zum Strand machten die Stadt für ihn nach wie vor besonders.
Anreise nur noch über Umwege
Da keine deutsche Airline mehr Kuba anfliegt, führte Klees Anreise über Madrid mit Air Europa; die Rückreise sei komplizierter gewesen und über Zwischenstopps etwa in Mexiko verlaufen. Die Einreise selbst funktioniere weiterhin unkompliziert über E-Visum und Einreiseformular, vom Flughafen gelange man per Taxi für 30 US-Dollar in die Stadt.
Stromausfälle, Müllkrise, Benzin für sechs Dollar
Besonders eindrücklich schildert Klee die Auswirkungen der Energiekrise: Während seines gesamten Aufenthalts sei das Land bereits mehrere Tage ohne Strom gewesen. Hotels und Privatunterkünfte behelfen sich demnach mit Generatoren und Solaranlagen, der Staat setze zunehmend sichtbar auf Solarenergie. Als neues Problem nennt Klee wachsende Müllberge auf den Straßen – gegen eine Gebühr von umgerechnet sieben Euro lasse sich der Abfall vor der eigenen Tür allerdings entsorgen lassen.
Auch die Mobilität hat sich nach seiner Beobachtung grundlegend verändert. Mietwagen würden zwar weiterhin angeboten, allerdings mit leerem Tank übergeben; Benzin sei nur über persönliche Kontakte zu bekommen und koste zwischen 4,50 und 6 US-Dollar pro Liter. Der Verkehr in Havanna habe sich dadurch nach Klees Eindruck etwa halbiert. In der Altstadt seien Fahrradtaxis für ein bis zwei Euro sowie über die App "El Nave" bestellbare Taxis für bis zu zehn Euro pro Fahrt gängige Alternativen – vorausgesetzt, es besteht Internetzugang. Eine kubanische SIM-Karte sei am Flughafen für 13 US-Dollar erhältlich. Verändertes Sicherheitsgefühl, kaum noch Touristen
Klee räumt gegenüber fvw|TravelTalk ein, dass sich das Sicherheitsempfinden verändert habe: Zunehmende Armut und häufige Dunkelheit durch Stromausfälle führten aus seiner Sicht zu mehr Kriminalität als früher. Persönlich habe er sich jedoch nie bedroht gefühlt. Von touristischem Massenbetrieb könne ohnehin kaum noch die Rede sein. Klee bringt das eindrücklich auf den Punkt: "Ich hatte zeitweise das Gefühl, fast der einzige Tourist zu sein." Befreundete Betreiber einer Destination Management Company in Havanna hätten ihren letzten Gast im April empfangen. Wer derzeit noch komme, verfüge meist über persönliche Kontakte auf der Insel oder unterstütze dort Projekte – Vernetzung sei für Reisende inzwischen praktisch unverzichtbar.
Kubaner zwischen Krise und Gelassenheit
Trotz der schwierigen Lage attestiert Klee der kubanischen Bevölkerung ungebrochenen Lebensmut: Man treffe sich weiterhin abends auf den Straßen, höre Musik, diskutiere über Politik – Fröhlichkeit und Humor seien den Menschen trotz allem erhalten geblieben.
Sein Fazit fällt differenziert aus: Für einen klassischen Bade- oder Rundreiseurlaub könne er Kuba derzeit nicht empfehlen, da vieles Geduld erfordere und nicht spontan funktioniere. Wer das Land jedoch bereits kenne oder es bewusst erleben wolle, finde weiterhin ein faszinierendes Land mit außergewöhnlich herzlichen Menschen vor – idealerweise mit persönlichen Kontakten vor Ort.
Quelle: fvw (https://t1p.de/0mv9b)
Autor: Leon Latozke
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