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22.02.2026 08:30 Uhr
Kubas Exilopposition verschärft den Ton: José Daniel Ferrer fordert einen Machtwechsel in Havanna – notfalls nach dem Vorbild der US-Aktion gegen Venezuelas Führung. Doch wie realistisch ist ein solches Szenario?
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Der kubanische Oppositionspolitiker José Daniel Ferrer hat sich in ungewöhnlich scharfer Form für einen Machtwechsel in Havanna ausgesprochen. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur EFE in Miami erklärte der frühere politische Gefangene, ein Vorgehen der Vereinigten Staaten gegen die kubanische Führung – vergleichbar mit der jüngsten Aktion gegen Venezuelas Präsidenten – sollte darauf abzielen, Präsident Miguel Díaz-Canel und Oberst Alejandro Castro Espín aus dem Amt zu entfernen.
Ferrer argumentiert, beide trügen Verantwortung für schwere Vergehen und Todesfälle. Eine politische Lösung müsse daher an der Spitze ansetzen. Zugleich betont er, dass er grundsätzlich eine ausgehandelte Transition bevorzuge. Sollten jedoch Dialogangebote ins Leere laufen und sich die Lage im Land weiter zuspitzen, halte er auch ein härteres Vorgehen nach dem „Maduro-Modell“ für vertretbar – eine Anspielung auf das Vorgehen der US-Regierung unter Donald Trump gegen den venezolanischen Staatschef. Spekulationen über eine Übergangsfigur In sozialen Netzwerken kursieren laut Ferrer Spekulationen, wer im Fall eines abrupten Führungswechsels eine Übergangsrolle übernehmen könnte. Genannt werde unter anderem Ana María Mari Machado, Vizepräsidentin der Nationalversammlung. Sie gelte als weniger polarisiert als andere prominente Gesichter der Führung, die in der Bevölkerung besonders stark abgelehnt würden – neben Díaz-Canel etwa auch Raúl Castro oder Premierminister Manuel Marrero Cruz. Ob solche Szenarien realistisch sind, bleibt offen. Ferrers Äußerungen zeigen jedoch, wie sehr sich Teile der Exilopposition von einem raschen Bruch mit der bisherigen Machtstruktur erhoffen. Der Dissident war im Oktober im Rahmen einer Vereinbarung zwischen Kuba, den USA und dem Vatikan nach Miami ausgereist. „Ein Volk mit weniger Angst“ Ferrer sieht mehrere Faktoren, die aus seiner Sicht auf eine mögliche Wende hindeuten. Zum einen beschreibt er eine wachsende Protestbereitschaft innerhalb Kubas. Die Bevölkerung äußere Unzufriedenheit zunehmend offen, nicht mehr nur im privaten Raum. Besonders junge Menschen engagierten sich digital, etwa in Projekten wie „El4tico“, die Solidarität unter Jugendlichen mobilisierten. Zum anderen verweist Ferrer auf die internationale Lage. Der Machtverlust der venezolanischen Führung habe Havanna einen wichtigen Verbündeten geschwächt. Zugleich setze Washington auf eine Politik des maximalen Drucks – einschließlich angedrohter Zölle gegen Staaten, die die kubanische Regierung unterstützen. Auch traditionelle Partner wie China oder Russland würden, so Ferrers Einschätzung, vorsichtiger agieren. Moskau sei durch den Krieg in der Ukraine belastet, Brasilien unter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva verhalte sich zurückhaltend. Ob diese Einschätzung die tatsächliche geopolitische Lage widerspiegelt oder vor allem die Hoffnung der Opposition ausdrückt, ist schwer zu beurteilen. Historisch wurden in Kuba wiederholt Wendepunkte ausgerufen, die sich letztlich nicht materialisierten. Ferrer selbst räumt ein, dass in der Vergangenheit oft voreilig von einem bevorstehenden Ende des Systems gesprochen wurde. Dennoch glaubt er, dass die gegenwärtige Konstellation außergewöhnlich sei. Treibstoff als Machtfaktor Ein zentrales Element seiner Argumentation betrifft die Energieversorgung. Ferrer fordert die US-Regierung auf, den Druck weiter zu erhöhen und insbesondere Lieferungen von Erdöl an Kuba zu sanktionieren. Treibstoff sichere nicht nur wirtschaftliche Abläufe, sondern auch die Mobilität der Sicherheitskräfte. Er behauptet zudem, die Regierung verfüge über strategische Reserven im Osten der Insel. Kritisch äußert sich Ferrer auch zu möglichen Lieferungen aus Mexiko. Sollten Hilfen erfolgen, müssten sie seiner Ansicht nach direkt der Bevölkerung zugutekommen – etwa in Form von Lebensmitteln, Medikamenten oder Hygieneartikeln, verteilt über kirchliche oder andere unabhängige Kanäle. Zwischen Dialog und Konfrontation Bemerkenswert ist Ferrers Doppelstrategie: Einerseits bekennt er sich zu einer von Kubanern selbst getragenen Demokratisierung. Andererseits signalisiert er Offenheit für externen Druck bis hin zu drastischen Maßnahmen. Diese Ambivalenz spiegelt die Zerrissenheit der Opposition wider – zwischen dem Wunsch nach nationaler Selbstbestimmung und der Hoffnung auf internationale Intervention. Ob sich aus der von Ferrer beschriebenen Gemengelage tatsächlich ein politischer Umbruch entwickelt, bleibt ungewiss. Klar ist jedoch, dass die Debatte über Kubas Zukunft zunehmend von geopolitischen Spannungen, wirtschaftlicher Knappheit und einer selbstbewussteren Zivilgesellschaft geprägt wird.
Quelle: EFE (https://t1p.de/px5a4)
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